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Oschatz Waschbären werden in der Region Oschatz immer mehr zur Plage
Region Oschatz Waschbären werden in der Region Oschatz immer mehr zur Plage
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00:20 14.01.2018
Diesen Waschbär hat Bernd Schmidt auf der Terrasse seines Hauses in Leuben mit der Wildkamera fotografiert, als das Tier gerade an einem Maiskolben knabbert. Quelle: Fotos: Bernd Schmidt/dpa
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Oschatz

Abgefressene Blumen, herunter gerissene Nistkästen, durchwühlter Komposthaufen: Bernd Schmidt hat den Kanal voll von den Eindringlingen, die auf seinem Grundstück in Leuben ihr Unwesen treiben. Im vergangenen Jahr kaufte er sich deshalb eine Kastenfalle. „Insgesamt fünf Waschbären tappten da bisher rein“, sagt der 58-Jährige. In seiner Nachbarschaft an der ehemaligen Mühle in Leuben seien 2017 sogar 30 Waschbären gefangen worden. „Die Region Oschatz scheint eine Hochburg zu sein“, vermutet der Lehrer. In den weitgehend unberührten, aber siedlungsnahen Waldflächen rund um die Stadt scheine es zahlreiche Exemplare zu geben. Der vorhandene Lebensraum von Laub-und Mischwäldern in Verbindung mit Wasserflächen entspreche den Ansprüchen der Tiere. Neben Leuben scheine auch die ehemalige Motocross-Grube in Oschatz bei den Wildtieren beliebt zu sein. Daran angrenzend böten die Regionen Stranggraben oder die Waldflächen um Thalheim und Leuben einen idealen Lebens- und Rückzugraum am Tage, bevor es in den Nachtstunden wieder zu Streifzügen und Räubereien geht.

Bestand sollte dezimiert werden

Schmidt: „So niedlich diese Tiere auch erscheinen, sollten die Anstrengungen der Jäger verstärkt werden, den Bestand zu dezimieren, um den ohnehin schon schwachen Vogelbesatz in der Region nicht noch weiter zu schwächen.“

Auch die Ornithologen haben ein Problem mit den Raubtieren, die ursprünglich aus Nordamerika stammen und sich seit den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts in Deutschland ausbreiten. Ginge es nach den Vogelfreunden, sollten die Kastenfallen für Waschbären in diesem Jahr so oft wie möglich zuschnappen. Denn die nachtaktiven Raubtiere schleichen beispielsweise um die Ufer von Gewässern, immer auf der Suche nach neuer Beute, die sie im Gelege der dort brütenden Wasservögel finden. Nach Aussage des Vorsitzenden der Oschatzer Ortsgruppe für Ornithologie und Naturschutz, Olaf Schmidt, erklimmen die Waschbären sogar die höher gelegenen Horste anderer Vogelarten, um an etwas Fressbares zu gelangen. Der Rückgang der Vogel-Population sei auf jeden Fall mit darauf zurückzuführen. Seiner Ansicht nach müsse das Jagdecht angepasst werden – verbunden mit finanziellen Anreizen. „Gegenwärtig lohnt es sich nicht für einen Jäger, einen Waschbären zu erlegen“, meint der Oschatzer.

Waschbären-Plage nimmt zu

„Die Waschbären-Plage nimmt zu“, bestätigt Michael Voigt, Bauamtsleiter der Stadt Oschatz. Zwar gebe es auf den kommunalen Grundstücken keine Probleme und auch die Stadtgärtnerei verzeichne keine Schäden. Aber ein Beschäftigter des Oschatzer Bauhofes, der gleichzeitig Jäger ist, werde immer öfter von betroffenen Grundstückseigentümern zur Hilfe gerufen. Im Vorjahr wurden seine Dienste bei 32 eingefangenen Waschbären, elf Mardern und sieben Füchsen in Anspruch genommen. Voigt: „Der erste Waschbär 2018 im Stadtgebiet Oschatz wurde am Montag dieser Woche gefangen.“

Das sächsische Umweltministerium hat Zahlen zu dieser Entwicklung parat. Wurde im Jagdjahr 1991/92 noch kein Waschbär zur Strecke gebracht, betrug in 2015/16 die Zahl der sachsenweit erlegten Waschbären 9889. Seit dem Jagdjahr 2009/10 steigen die Zahlen durchschnittlich um 38 Prozent gegenüber den Werten des Vorjahres an. Den Grund liefert das Ministerium gleich mit: „Waschbären haben in Mitteleuropa keine natürlichen Feinde.“

Waschbären-Population hat besonders großen Sprung gemacht

Der Landkreis Nordsachsen liegt im Trend, hier hat die Waschbären-Population von 2014/15 bis 2015/16 einen besonders großen Sprung gemacht. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der erlegten Tiere von 600 auf mehr als das Doppelte. Der Pressesprecher des Landkreises, Peter Stracke, sieht nur einen Ausweg aus der vertrackten Situation: „Die Tiere sind mit jagdlichen Mitteln durch die Jagdausübungsberechtigten zu minimieren und zu bekämpfen.“ So schreibe es das Bundesnaturschutzgesetz vor (Paragraf 40a).

Von Frank Hörügel und christian kunze

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