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Oschatz Webcams für Wermsdorfer Seeadler ohne Chance
Region Oschatz Webcams für Wermsdorfer Seeadler ohne Chance
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09:36 08.04.2016
Ein Seeadler auf Futter-Jagd, und wie er den Nachwuchs hegt. Quelle: Foto: Oliver Richter
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Region Oschatz

Mit etwas Glück können Tierfreunde sie am Himmel in der Region beobachten. Die seltenen Seeadler nisten bei Wermsdorf. Doch wo genau sich ihr Horst befinden, wissen nur wenige Eingeweihte. Tierfreunde würden liebend gern per Webcam einen Blick in den Seeadler-Horst werfen, wie das zum Beispiel bald in Mügeln möglich sein soll . Doch um die Chancen, dass es eine Internet-Überwachung der majestätischen Vögel geben wird, ist es schlecht bestellt.

Anderswo ist das kein Problem: zum Beispiel in Estland ermöglichen Webcams eine Beobachtung der Tiere. Wer sie im Netz sucht, findet sie auch. Es ist einfach fantastisch, einem Seeadler-Pärchen beim Brüten zuzusehen. Die Seeadler sind gerade dabei, drei Eier auszubrüten. Ihre Arbeitsteilung, der liebevolle Umgang mit den Eiern und die Reinlichkeit im Horst sind beeindruckend.

Geschützte Arten dürfe nicht gestört werden

Der Oschatzer Ornithologe Steffen Spänig kennt die Aktion mit den Seeadlern in Estland. „Die Beobachtung dieser Greifvögel gehört zu einem Artenschutzprojekt. Damit werden wissenschaftliche Daten erfasst“, erklärte er auf Anfrage. Kameras in der Oschatzer Gegend anzubringen, sei so gut wie aussichtslos, und zwar finanziell und in der Umsetzung. „Es geht nicht nur um die Kamera, die Aufzeichnungen müssen in guter Qualität übertragen und das ganze Projekt gewartet werden. Das geht nicht nebenbei“, sagte er. Außerdem muss die Anbringung einer Kamera genehmigt werden. Der Sachgebietsleiter im Umweltamt Giso Damer sagt dazu: „Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, streng geschützte Arten und europäische Vogelarten während der Fortpflanzungszeit erheblich zu stören.“ Eine erhebliche Störung liege vor, wenn sich der Erhaltungszustand einer lokalen Population verschlechtert. Verstöße gegen dieses Störungsverbot müssten als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Im eigenen Garten Webcams möglich

„Das heißt nicht, dass man bei einem seiner Singvogelnistkästen, die man selbst errichtet hat und damit die Population der betreffenden Art im eigenen Grundstück zusätzlich stützt, keine WebCam installieren darf.“ Dabei sei jedoch darauf zu achten, dass das Brutgeschäft nicht gefährdet wird. Die biologischen Bedürfnisse der Arten an den Brutplatz oder die Fortpflanzungsstätte dürften durch die Kamera nicht verändert werden. „Bei selteneren Arten wie Greifvögeln oder Störchen ist jede Veränderung am Brutplatz verboten. Die lokalen Populationen dieser Arten sind in Deutschland und speziell in Sachsen nicht stabil.“

Die Reproduktion und die Bestände dieser seltenen Arten sei teilweise so gering, dass jede Beeinträchtigung bereits als „erheblich“ einzustufen ist. Deshalb mache sich grundsätzlich eine Abstimmung über die Zulässigkeit einer Webcam mit der zuständigen Naturschutzbehörde erforderlich.

Von Gabi Liebegall

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