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Oschatz Weihnachtsgeschenke in der Region Oschatz um 1860
Region Oschatz Weihnachtsgeschenke in der Region Oschatz um 1860
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19:05 19.12.2011

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Der ihm folgende Sonntag war der "Silberne", der letzte vorm Fest der "Goldene". Im Gegensatz zu heute waren die Vorweihnachtswochen viel öfter von Schnee und Kälte begleitet. Über den Straßen und Häusern lag ein Hauch von "Wintermärchen".

Nach dem Totensonntag wurde mit dem festlichen Dekorieren der Schaufenster begonnen. Eingehüllt in wundersames Flimmern und Blinken, erfreuten nun rotbäckige und weißbärtige Ruprechtfiguren, Tannenzweige, Watteschnee und allerlei hübsche und praktischer Dinge, die als Geschenke angeboten wurden, das Auge.

Was der Weihnachtsmann damals hinsichtlich der Geschenke zu bieten hatte, war zum Beispiel aus hiesigen Amtsblättern zu erfahren. Der Kuriosität wegen seien einige Dinge aufgeführt, die heute nicht mehr auf den Wunschzetteln stehen. Elegante Muffe, Manschetten, Fußdecken und Fußkörbchen, seidene Fransentücher, Häubchen in Flor, Tüll- und Filetdiademe, "feine und ordinäre Hemden" und Schnürleiber "mit Mechanik und Schnellzug" standen bei der Damenwelt hoch im Kurs. Für den Toilettentisch gab es Parfum royal zu 7 ¼ Silbergroschen ("nur wenige Tropfen genügen, gelinde verdampft den herrlichsten Wohlgeruch zu verbreiten"), Rosenpomade und Huile antique (Körperöl).

Zum Geschenkangebot für die Herren zählten Schlafröcke in Lama und Cassenet, Beinkleider "in den feinsten Stoffen und beliebtesten Farben", seidene Westen, buntkarierte seidene Taschentücher, Korkstiefel "gegen jede Feuchtigkeit und Kälte schützend", Wolf-Acting-Gummischuhe, ohne Gebrauch der Hände an- und auszuziehen, Rathenower Brillen, ungarische Bartcreme sowie im Schillerjahr 1859 sogar Schiller-Havanna-Zigarren "aus alten abgelagerten und noch billigsten Vorräten" und schließlich Varinas-Knaster (á Pfund 20 Neugroschen, eig. Fabrikat). Die Möbelindustrie rühmt in ihren Offerten das Neueste an Causeusen (Sessel für bequeme Unterhaltung zu zweit), Diwans in Mahagoni, Kirschbaum, Ruhe- und Drehstühle, Fauteuils (Sessel), deren Plüschmuster und Kordeln uns heute ein leichtes Grauen einflößen dürften. Unter den Spielsachen fallen dem kulturgeschichtlich Interessierten die Puppenleiber aus Leder und die Puppenköpfe aus feinstem Papiermaché auf.

Zur Stollenbäckerei nahm man wohl die gleichen Zutaten wie heute, nur dass die Caraburner Elemé-Rosinen - wohl etwa unseren Sultaninen entsprechend - und der rein indische Raffine- und Meliszucker "von großer Süßigkeit" uns jetzt kaum noch interessieren, wenn wir rechtzeitig unsere Korinthen und Sultaninen eingekauft haben. Eine Besonderheit für damalige Feinschmecker dürften die böhmischen und türkischen Pflaumen (wohl kandidierte Früchte?), der Batavia-Arrac, der westindische Rum und die Düsseldorfer Grog-Essenz gewesen sein. Was nicht "weit her" war, zog wohl nicht. Die Ursprungsbezeichnung der Waren musste die beabsichtigte Wirkung unterstreichen.

Die Kalenderflut scheint auch damals schon vorhanden gewesen zu sein. Der Oschatzer Kalender für das Schaltjahr 1860 wird neben dem Freiberger Stadt-, Land- und Bergkalender und dem seit 1838 in Grimma von Philippi herausgegebenen Ameisenkalender angeboten. Für die bürgerliche Empfindsamkeit gab es übrigens auch "die so sehr beliebten parfümierten Almanachs". Fotofreunde werden sich eines Lächelns nicht erwehren können, wenn sie die Anpreisung von Daguerrotyp-Porträts (Aufnahmen auf einer spiegelglatt polierten Metalloberfläche) als Weihnachsgeschenk entdecken.

Bei großem Angebot hatte es sich eingebürgert, dass die Kunden mit "Zugaben" der Konkurrenz weggelockt wurden. Um diese Geschäftsgebahren abzustellen, hatten beispielsweise die Oschatzer Kaufleute beschlossen, "sich in Zukunft jedes Zugebens oder Verabreichens von Waren - oder anderen Geschenken an jedweden - in welcher Form es auch sei - zu jeder Zeit und besonders zur Weihnachtszeit durchaus zu enthalten". Die dafür festgelegte Konventionalstrafe betrug 20 Taler. Quelle:

Walther Käseberg

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