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Weniger Menschen, die immer älter werden – die Region Oschatz gibt trotzdem nicht auf

Demografischer Wandel Weniger Menschen, die immer älter werden – die Region Oschatz gibt trotzdem nicht auf

Trotzdem die Menschen in der Region Oschatz – wie fast überall im ländlichen Raum – immer älter und immer weniger werden, gibt es einen Hoffnungsschimmer. Durch gezielte Gemeindearbeit sollen Bewohner gehalten und neue angelockt werden.

Die Grafik macht es sichtbar – die Menschen in der Region Oschatz werden immer älter und immer weniger.
 

Quelle: StaLa Grafik: Patrick Moye

Oschatz.  Immer älter und immer weniger – ungefähr so lässt sich die Entwicklung der Einwohnerstruktur im ländlichen Raum Deutschlands beschreiben. Die Region Oschatz bildet da keine Ausnahme – Grund genug für die Gemeinden, sich Gedanken darüber zu machen, wie man diesem Trend begegnen kann.

„Der große demografische Wandel lässt sich nicht aufhalten. Im Osten ist das Problem aber noch größer als im Westen“, sagt David Schmidt (CDU), Bürgermeister in Liebschützberg. Die Zahlen geben ihm Recht: Das Durchschnittsalter in der Bundesrepublik Deutschland liegt aktuell bei 46,2 Jahren – in Liebschützberg kann man knapp zwei Jahre drauf legen. Ähnlich sieht es in Wermsdorf mit einem Durchschnittsalter von über 47, in Oschatz sogar fast 49 Jahren, aus.

Wenig verwunderlich, wenn man einen Blick auf die Entwicklung der Altersstruktur wirft. Zur Wendezeit war rund ein Viertel der Einwohner in den drei Kommunen unter 18 Jahre alt. Fast die Hälfte war noch unter 30. Heutzutage steht die Alterspyramide Kopf. Mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung ist über 50 Jahre alt, ein Viertel ist sogar über 65.

Und das hat Folgen. „Für die Jugendlichen gibt es kaum noch Angebote, sie haben nichts zu tun. Sobald sie mobil sind, zieht es sie nach Leipzig oder Dresden“, klagt Alexander Beck. Der 32-Jährige ist seiner Oschatzer Heimat treu geblieben. „Ich hatte Glück, ich habe einen guten Job gefunden.“ Neben seiner Arbeit im örtlichen Baumarkt engagiert er sich ehrenamtlich im E-Werk, das eine der wenigen Anlaufstellen für die Teenager der Stadt ist. „Ein Problem ist auch, dass viele studieren, aber nicht pendeln wollen. Also ziehen sie nach dem Abi weg.“

 Oschatz hat in den letzten zehn Jahren acht Prozent seiner Einwohner verloren, im Vergleich zur Wendezeit sogar ein Viertel. Ähnlich sieht es in der Gemeinde Wermsdorf aus – zehn Prozent Einwohnerschwund in zehn Jahren. Seit 1989 ebenfalls ein Viertel. „Viele Leute haben damals ihr Glück im Westen gesucht und sind dann nicht zurückgekommen“, sagt Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller (CDU). „Wir versuchen alles, um unsere Ortsteile für junge Familien attraktiver zu machen.“ Dazu gehöre die Investition in Kitas und der geplante Grundschulneubau. „Außerdem braucht man bis Leipzig nur knapp über 30 Minuten, nach Dresden weniger als eine Stunde“, zählt Müller einen weiteren Standortvorteil auf. Ein anderer ist die Eröffnung eines Altenpflegeheims mit 73 Plätzen Anfang des Jahres. „Vorher sind die Einwohner weggezogen, die stationäre Hilfe brauchten“, erklärt Müller.

Genau das ist ein Problem, das Liebschützbergs Bürgermeister David Schmidt (CDU) gerade umtreibt. In der Gemeinde gibt es bisher keine derartige Einrichtung. „Wir setzen uns im Rahmen unserer Möglichkeiten für unsere Senioren ein. Aber wenn sie Pflege brauchen, müssen sie in die umliegenden Gemeinden ziehen“, bedauert der Bürgermeister. Deshalb stehe er seit einiger Zeit in Kontakt mit Investoren, er will das Problem angehen. „Nur bringt uns ein Luxus-Altenheim nichts. Das kann sich hier kaum jemand leisten, in Zukunft noch viel weniger als heute“, betont er. Er wünsche sich eine Lösung aus der Gemeinde heraus. „Ich kenne Beispiele, da haben sich Vereine gegründet, die ihre Einrichtungen selbst finanzieren“, sagt er. Dafür bräuchte es aber viele engagierte Menschen – und Geld.

Ein Teufelskreis. Denn je weniger Einwohner eine Stadt oder Gemeinde hat, desto weniger Geld hat sie in der Regel zur Verfügung. Ganz zu schweigen von der Bedeutung auf der Landkarte. Trotz aller Probleme blicken die Bürgermeister Schmidt und Müller positiv in die Zukunft. Sie hoffen darauf, von der Sogwirkung der Großstädte Leipzig und Dresden zu profitieren. „Es ist schön bei uns und es gibt Grundstücke zu vergleichsweise günstigen Preisen“, sagen sie unabhängig voneinander. Müller gibt sich kämpferisch. „Ich spüre einen leichten Aufwind – die Anfragen für Grundstücken mehren sich – und ich werde den ländlichen Raum um Leipzig nicht aufgeben!“

Von Nathalie Helene Rippich

Oschatz 51.300613 13.105982
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