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Oschatz Wer war Dr. Martin Blochwitz?
Region Oschatz Wer war Dr. Martin Blochwitz?
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15:18 08.07.2013

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Anschließend, von 1622 bis 1626, studierte Martin Blochwitz erfolgreich Humanmedizin an der Universität Leipzig.

Die Doktorwürde erhielt er am 4. Juli 1626 an der Medizinischen Fakultät der Universität Basel. Danach kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich als praktischer Arzt in Oschatz nieder.

Am 10. September 1629 starb Martin Blochwitz hier 27-jährig. Die Todesursache ist bisher nicht bekannt. In dieser Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) grassierte aber die Pest in Sachsen und möglicherweise war diese Infektionskrankheit auch die Ursache für den ungewöhnlich frühen Tod des jungen Arztes.

Die Oschatzer Jahre waren für Dr. Blochwitz eine sehr fruchtbare Zeit, schrieb er doch hier das erste umfassende Werk über die "Anatomia Sambuci" - die "Anatomie des Holunders" - das zwei Jahre nach seinem Tod vermutlich von einem Angehörigen der Familie, wahrscheinlich von seinem Bruder Johannes Blochwitz, in Leipzig 1631 in lateinischer Sprache veröffentlicht wurde.

In diesem Buch beschreibt Dr. Martin Blochwitz auf 298 Seiten in drei Abteilungen die alte Kulturpflanze. Die Botanik des Holunders mit Erläuterungen zur Herkunft des Namens, mit Ausführungen zu Standort, Wuchs und Eigenschaften führt er in der ersten Abteilung aus. Die Zubereitung von Holunderessig, Holunderkreide, Holundermus, Holunderöl, Holunderpillen, Holundersalben, Holundersäften, Holundersirup, Holunderspiritus, Holunderwasser, Holunderwein und Holunderzucker beschreibt Blochwitz ausführlich in sechs Kapiteln mit der Angabe von Rezepturen in der zweiten Abteilung des Werkes.

Den größten Raum der Abhandlungen nimmt aber die dritte Abteilung mit 33 Kapiteln zur Behandlung häufig auftretender Erkrankungen ein. Rezepturen mit exakten Beschreibungen zur Herstellung von Medikamenten aus Holunderblüten, Holunderbeeren, Holundermark und Holunderrinde sowie zahlreiche Literaturhinweise zu den Ansichten prominenter Ärzte der Antike und des Mittelalters gaben den praktischen Ärzten in seiner Zeit Anleitungen zur "innerlichen" und "äußerlichen" Behandlung mit den verschiedensten Holunderpräparaten. So gibt Blochwitz Empfehlungen zur Therapie unter anderem bei Brust- und Gebärmuttererkrankungen, Erfrierungen, Geschwulstleiden, Infektionskrankheiten, Lungen-, Magen-, Darm-, Milz- und Gallenerkrankungen, psychischen Erkrankungen, Schlaganfall und Lähmungen, Steinleiden, Schwindsucht, unklarem Fieber und Schmerzen, Vergiftungen, Verletzungen, Wurmbefall und Zahnschmerzen.

Dieses grundlegende Buch zum Holunder muss im ausgehenden Mittelalter wohl für erhebliches Aufsehen gesorgt haben, denn die Schrift gelangte nach ihrer Veröffentlichung in Deutschland zunächst nach England, wurde dort übersetzt und mehrfach, zuletzt 1677, auf Empfehlung der "British Royal Society" publiziert.

Die Bedeutung des Werkes wird auch daran erkennbar, dass der Königsberger Mediziner und Universitätsprofessor Daniel Beckhern der Ältere (1594 bis 1655) die "Anatomie des Holunders" 1642 in die von ihm wiederholt herausgegebene "Nützliche kleine Haus-Apotheke" deutschsprachig aufnahm und der Öffentlichkeit vorstellte. Dieser Weg des Werkes über England und zurück nach Deutschland erklärt auch die unterschiedlichen Schreibweisen des Namens Blochwitz.

Weitere Würdigungen erhielten die "Anatomie des Holunders" und ihr Verfasser in jüngster Zeit. Die BerryPharma AG veröffentlichte 2010 eine neue englische Übersetzung der 1677 in London erschienen "Anatomie des Holunders", die amerikanische "ProQuest-Company" legte ebenfalls 2010 ein Reprint der "Anatomie des Holunders" von 1677 vor, das sich im Original im Besitz der Bibliothek der Harvard-Universität befindet und Prof. Dr. Sepp Porta beschreibt in seiner 2012 erschienen "Holunder-Wunderwelt" die Bedeutung der Blochwitzschen Erkenntnisse für die aktuelle Medizin.

Die mittelalterlichen Erkenntnisse von Martin Blochwitz, insbesondere über die medizinische Wirkung des Holunders, sind in den folgenden Jahrhunderten erweitert, korrigiert und mit wissenschaftlichen Methoden erforscht, verfeinert und belegt worden.

Im Ergebnis der Nachforschungen erhielt die Neuzüchtung den korrekten Namen "Blochwitz". Die Taufe der neuen Holundersorte dokumentiert das wissenschaftliche Interesse der steirischen Holunderbauern an der Geschichte des Holunders, erinnert an den einst in Oschatz praktizierenden Arzt Dr. Martin Blochwitz sowie an sein Standardwerk "Die Anatomie des Holunders" und ergänzt damit die Holundergeschichte um einen wichtigen historischen "Baustein".

Dr. Manfred Schollmeyer

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