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Werkstatt als Muckibude

Werkstatt als Muckibude

Man könnte meinen, die Arbeit in einer Kfz-Werkstatt sei körperlich anstrengend genug, ein Besuch im Fitnessstudio überflüssig. Doch für Ronny Winkler, der in Wermsdorf seit zwei Jahren eine eigene Werkstatt betreibt, gilt das nicht.

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Gewichte stemmen mit Kurbelwelle: Ronny Winkler hält sich mit ausrangierten Autoteilen fit.

Quelle: Sebastian Fink

Im Gegenteil: Für ihn ist Kraftsport Stressabbau. Weil ihm die Zeit zum Besuch in der Muckibude fehlt, hat er sich kurzerhand selbst Trainingsgeräte gebaut - aus alten Autoteilen.

 

Von Sebastian Fink

 

Auf den ersten Blick sieht Ronny Winklers Hantelbank aus wie jedes herkömmliche Gerät gleicher Art. Eine silberne Querstange ruht auf einem schwarz lackierten Gestell mit Liegepolstern, runde Gewichte hängen links und rechts daran. Doch die sehen anders aus als gewohnt - schmal, gelocht, leicht angerostet. "Das sind alte Bremsscheiben aus einem Audi und einem VW Golf", erzählt Winkler, als er sich auf die Hantelbank setzt. Und auch die stammt nicht vom Sportgerätehersteller. "Aus Winkeln und Profilen habe ich mir die zusammengeschweißt und lackiert", sagt der 32-Jährige. Metallreste fallen in der Werkstatt, in der nicht nur Lackschäden repariert, sondern auch Karosserieteile ausgetauscht werden, jede Menge an. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich die Hantelstange als ungebrauchtes Edelstahl-Auspuffrohr. Rund 60 Kilogramm wiegt die Hantel mit den angeschweißten Bremsscheiben. "Edelstahl biegt sich nicht, da kann ich auch noch mehr Scheiben draufschieben, wenn es mir zu leicht wird", sagt Winkler.

 

Doch mit einer Hantelbank wollte sich der Wermsdorfer, der früher regelmäßig im Kraftraum seines ehemaligen Fußballvereins SG Ablaß/Mügeln trainierte, nicht zufriedengeben. Eine Kurbelwelle aus einem größeren VW-Motor hat er kurzerhand zur Kurzhantel für das Bizeps-Training umfunktioniert. Zwei kurze Rohrstücke links und rechts sind als Griffe angeschweißt. 15 Kilo kommen hier auf die Arme zu.

 

Die Klimmzugstange über dem Eingang fällt beim Gang durch die Tür des eigentlich als Lagerraum der Werkstatt genutzten Sportraums nicht sofort auf. Hier hat sich der findige Mechaniker eines Stoßstangenträgers aus einem verschrotteten Audi bedient. Zwar würde der Schrott beim Verkauf auch Geld bringen, aber längst nicht genug, um sich die gleichen Sportgeräte beim Händler zu kaufen. Die Fahrten nach Ablaß zum Training sind für ihn zeitlich nicht mehr machbar, das nächste Fitnessstudio in Oschatz sei ihm zu kostspielig.

 

Seit Weihnachten trainiere er daher regelmäßig am Arbeitsplatz, sagt Winkler. "Ich bin zu der Zeit mal am Spiegel vorbeigelaufen und war geschockt, wie dürr ich geworden war", erzählt er. Zwei bis drei Mal pro Woche schwitzt er jetzt im Kraftraum in der Werkstatt in der Sachsendorfer Straße, je nachdem, wie es die Zeit zulässt. "Ich brauche einfach diesen Ausgleich bei dem ganzen Stress", sagt der junge Familienvater, der sein Ein-Mann-Unternehmen im Februar 2011 eröffnet hat und versucht, noch genügend Zeit für Freundin und Sohn aufzubringen.

 

Dass die Teile, aus denen er seine Sportgeräte gebaut hat, allesamt aus dem VW-Konzern stammen, ist kein Zufall. Winkler ist VW-Liebhaber, baute sich in 15 Jahren einen Golf 2 auf und bastelt derzeit am historischen VW Caddy. Ausgefallene Sachen wie die Sportgeräte sind seine Spezialität, auch bei seinen Kunden. "Hier kommen auch Leute mit Rasenmähern und alten Mopeds. Sogar Schränke und eine Scheuerleiste für eine Küche habe ich schon lackiert", sagt er. Ein "normales" Sportgerät hat Ronny Winkler auch in seinem Kraftraum, einen Gewichtezug, geliehen von einem Freund - eine Ausnahme in seiner Werkstatt.

Sebastian Fink

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