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Wermsdorfer Bürgermeister hält an Grundschul-Neubau fest

Interview Wermsdorfer Bürgermeister hält an Grundschul-Neubau fest

Der geplante Neubau einer Grundschule beschäftigt die Wermsdorfer weiterhin. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten bereits begonnen haben. Doch komplizierte Förderprogramme und hohe Anforderungen haben die Pläne durchkreuzt. Bürgermeister Matthias Müller gibt sich kämpferisch.

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Der Wermsdorfer Bürgermeister Matthias Müller
 

Quelle: Dirk Hunger

Wermsdorf.  Komplizierte Förderrichtlinien für den Schulneubau, das Ringen um eine Nutzung für Schloss Hubertusburg und die Flüchtlingspolitik beschäftigen den Wermsdorfer Bürgermeister Matthias Müller (CDU). Im Neujahrsinterview gibt sich das Gemeindeoberhaupt kämpferisch und zuversichtlich, Ziele trotz widriger Umstände zu erreichen.

2015 war das Jahr Ihrer Wiederwahl. War es Ihnen klar, dass Sie im Amt bestätigt werden oder war es für Sie auch spannend?

Ich war mir schon recht sicher, dass ich wieder gewählt werde, weil ich denke, dass ich einen ordenlichen Job gemacht habe. Das hab ich auch in Gesprächen erfahren: Die Gemeinde hat sich positiv entwickelt, und viele bringen das dankenswerter Weise auch mit mir in Verbindung. Trotzdem war ich aufgeregt und froh, dass die Wahl so ausgegangen ist.

Wie fällt der Vergleich mit dem Beginn Ihrer ersten Amtszeit aus: Sind Sie schon desillusioniert oder immer noch voller Begeisterung bei der Arbeit?

Ich würde schon gerne Berge versetzen, weiß aber mittlerweile, dass nur das Wenigste wirklich schnell umsetzbar ist. Desillusioniert bin ich auf keinen Fall, immerhin können wir kontinuierlich arbeiten und haben auch 2015 Einiges geschafft.

Was zum Beispiel?

Wir haben weiter Maßnahmen zum Hochwasserschutz umgesetzt, im September haben die Arbeiten Am Anger in Wermsdorf begonnen – das war bei Starkregen bisher immer ein kritischer Punkt. Außerdem war der Höhepunkt in der Gemeinde sicher die Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses in Wermsdorf.

Eigentlich wollten Sie 2015 auch den Baubeginn der neuen Grundschule in Wermsdorf feiern, daraus ist aber nichts geworden.

Leider, ja, dabei war es meine feste Überzeugung, dass wir das schaffen. Wir sollen energetisch vorbildlich bauen und am besten ein Modellprojekt umsetzen, damit es Fördermittel gibt. Meines Wissens nach gibt es keine andere Schule im Freistaat, die mit diesem Programm entstehen soll. Aber die Schwierigkeiten werden uns nicht abhalten, dran zu bleiben. Aber wie hier im Freistaat Prioritäten gesetzt werden, halte ich für überdenkenswert. Es wird immer darüber geredet, wie wichtig Bildung für die Zukunft ist, dass der ländliche Raum tatsächlich auch als Lebensraum gestaltet werden soll und der Fokus nicht nur auf den großen Städten liegt. Wer aber hier etwas schaffen will, für den wird es kompliziert.

Fühlen Sie sich behindert durch den Freistaat?

An dieser Stelle, ja. Immerhin stehen wir seit mehreren Jahren in den Startlöchern, sind bereit und in der Lage, die nötigen Eigenmittel aufzubringen, doch die Unterstützung könnte besser sein. Für den Schulbau stellt der Freistaat insgesamt 7,5 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung – das reicht gerade mal für drei Häuser. Trotzdem: Wir zweifeln in Wermsdorf nicht daran, dass wir den Neubau bekommen.

Was ist denn jetzt ein realistischer Zeitplan?

Der Baustart 2017. Und wenn wir alles daran setzen, könnte die Schule zum Schuljahr 2018/2019 eröffnen. Aber jeder Jahrgang, der eher in einer neuen Einrichtung lernen könnte, wäre wünschenswert – auch, weil sich dann die Bedingungen für Lehrer und Horterzieher deutlich verbessern.

Gibt es 2018 überhaupt noch genügend Kinder für eine neu gebaute Schule in Wermsdorf?

Da bin ich ganz zuversichtlich. Die Nachfrage nach Bauland ist ungebrochen hoch. Junge Familien entscheiden sich bewusst für Wermsdorf. Das zeigt sich auch in der Einwohnerstatistik: Im Sommer 2015 hatten wir sogar ein leichtes Plus.

Und reicht es auch, um die Grundschule in Calbitz weiter zu erhalten?

Für Calbitz reicht es auch. Das bestätigt auch der Entwurf des neuen Schulgesetzes, der einen Betrieb selbst bei zwölf Schülern in der Klasse vorsieht, wenn insgesamt 60 Kinder in einer Einrichtung sind. Wir kommen hier also nicht in die Bredouille.

Sie haben die hohe Nachfrage nach Bauland angesprochen. Können Sie diese bedienen?

Aktuell nicht, jedenfalls nicht komplett. Das ist auch eine unserer Aufgaben, dafür Partner zu suchen, die mit uns Bauflächen zur Verfügung stellen, auch wenn es nicht ganz einfach ist. Denn unsere Natur ist etwas Wunderbares, begrenzt uns aber auch. Ich sage nur Naturschutzgebiet oder Vogelschutzgebiet. Abgesehen davon brauchen wir auch strategische Partner, die sich im Mietwohnungsbau engagieren.

Was wird Sie in diesem Jahr in Wermsdorf beschäftigen?

Natürlich alles, was mit dem Schulneubau zu tun hat. Allein die europaweite Ausschreibung wird uns viel Zeit kosten. Außerdem bereiten wir den Straßenbau in Reckwitz vor. Wenn das Landesamt für Straßenbau und Verkehr mit dem Horstseedamm und dem Anschluss nach Reckwitz fertig ist, werden wir die Ortsdurchfahrt in Angriff nehmen. Dazu sind drei Abschnitte bis zu Hubertusburg vorgesehen. Außerdem sind wir künftig für die Oschatzer Straße und die Clara-Zetkin-Straße zuständig. Hier ist mir wichtig, dass wir verkehrsberuhigte Bereiche im Ortskern schaffen, das Ganze aber so gestalten, dass nach wie vor Fahrten zum Einkaufen attraktiv sind, immerhin haben wir etliche Geschäfte im Zentrum.

Ihr Parteifreund, der Cavertitzer CDU-Chef Florian Stehl hat darauf hingewiesen, dass Cavertitz die Quote zur Aufnahme von Flüchtlingen übererfüllen wird und andere Kommunen zur Solidarität aufgerufen. Fühlen Sie sich angesprochen?

Nein, auch in Wermsdorf hat das Landratsamt Flüchtlinge untergebracht, hier wird also ebenfalls Verantwortung übernommen. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass uns das Thema weiter begleiten wird. Aber ich finde es ärgerlich und beschämend, wenn in Berlin fünf Tage darüber diskutiert wird, ob Herr Schäuble „Lawine“ sagen darf, wenn er von der Aufgabe spricht. Die Regierung sollte ihre Arbeit machen und sich nicht mit parteipolitischem Geplänkel aufhalten. Das gilt übrigens auch für Sachsen: Wenn die Integrationsministerin Petra Köpping beim Thema Flüchtlingsunterbringung von „sperrigen Bürgermeistern“ spricht, zeugt das von wenig Sachverstand und trägt nicht zur Solidarität unter den Bürgermeistern bei.

Jetzt sind ja in Wermsdorf und einigen Ortsteilen zum Teil schon länger Flüchtlinge untergebracht. Wie läuft das aus Ihrer Erfahrung?

Das geschieht sehr unaufgeregt, auch wenn es zuvor zum Teil Bedenken unter den Einwohnern gab. Ich bin allen sehr dankbar, die sich ehrenamtlich für das Zusammenleben engagieren. Das Thema beschäftigt die Menschen natürlich weiterhin. Ich bin sicher, dass die Regierung in Berlin handeln muss und der Zustrom nicht so weitergehen kann. Aber wir vor Ort versuchen, die Herausforderungen überlegt zu meistern – so wie sonst unsere Arbeit auch. Und es würde mit mir persönlich Ärger geben, sollte Flüchtlingen in unserer Gemeinde mit Hetze oder gar Gewalt begegnet werden.

Welchen Wunsch haben Sie für 2016 für die Gemeinde?

Dass wir unsere Aufgaben gut meistern. Ich wünsche mir, dass die touristische Nutzung von Schloss Hubertusburg weiter gelingt. Dieses Jahr wird das Landesamt für Archäologie hier eine Ausstellung präsentieren, und ich bin dem Freundeskreis sehr dankbar, dass er sich darum bemüht. Womöglich könnte man das mit einer Schau im Alten Jagdschloss verbinden, das ist eine Überlegung wert. Um dauerhaft Schloss Hubertusburg zu nutzen, wird es vielleicht ohne privates Kapital nicht gehen. Es darf dabei keine Denkverbote geben. Dieses Jahr wird das Sommerfest der sächsischen Union hier stattfinden, mit rund tausend Leuten aus Politik und Wirtschaft – für uns eine Gelegenheit, für das Schloss zu werben. Ganz abgesehen davon wünsche ich mir, dass unsere Gemeinde auf allen Ebenen weiter zusammenwächst. Ein schönes Beispiel dafür ist die Spielgemeinschaft der Luppaer und Wermsdorfer Fußballer, die es seit vorigem Jahr auch bei den Herren gibt. Vor Jahren schien das noch undenkbar, jetzt funktioniert das, und das ist wirklich wunderbar.

Von Jana Brechlin

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