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Oschatz Wermsdorfer Gesundheitstag informiert über Burnout und Depression
Region Oschatz Wermsdorfer Gesundheitstag informiert über Burnout und Depression
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00:29 13.03.2018
Dr. Peter Grampp Chefarzt Psychiatrie Fachkrankenhaus Hubertusburg in Wermsdorf Quelle: Jana Brechlin
Wermsdorf

Mit dem 1. Wermsdorfer Gesundheitstag will das Fachkrankenhaus Hubertusburg über Burnout und Depressionen informieren. Vorgestellt werden Hilfsangebote, es gibt Berichte von Ärzten, Betroffenen, Pflegepersonal und Therapeuten, an die sich die Besucher auch mit ihren Fragen wenden können. Dr. Peter Grampp, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, spricht im Interview über lohnende Pausen, wichtige Therapien und die Rolle der Angehörigen.

Von Depressionen ist seit einigen Jahren häufiger die Rede. Nehmen diese Erkrankungen tatsächlich zu oder wird einfach nur offener darüber gesprochen?

Es ist beides der Fall. Depressive Erkrankungen sind etwas entstigmatisiert worden. Galt eine Depression bis zur Jahrtausendwende noch als Makel oder gar als Schande, ist der Umgang mit der Krankheit offener geworden. Man steht dazu und es darf auch behandelt werden. Das führt natürlich dazu, dass sich mehr Menschen trauen, Hilfe zu suchen.

Wie erklären Sie sich, dass es immer mehr Betroffene gibt?

Das ist zum Teil auch ein gesellschaftliches Problem: Wir haben nicht verstanden, dass Menschen nicht ständig funktionieren können, wir sind keine Maschinen. Wir haben völlig vergessen, dass es lohnende Pausen gibt, und dann ist die Kraft eben irgendwann am Ende.

Aber was ist mit der Achtsamkeitsbewegung, mit Firmen, die ihren Mitarbeitern Entspannungskurse bezahlen?

Das Problem dabei ist, dass es hauptsächlich um Führungskräfte geht. Man versucht mit solchen Programmen auch, einer qualitativen Behandlung zu entgehen. Außerdem wird dabei vor allem an Leistungsträger gedacht, andere Menschen interessieren oft nicht.

Der Begriff Burnout hat zunächst als Manager-Krankheit die Runde gemacht. Was verbirgt sich tatsächlich dahinter?

Burnout ist bewusst unklar und meint zunächst eine Überlastungsreaktion durch ständigen Druck. Das geht durchaus über eine chronische Anpassungsstörung bis hin zur schweren Depression. Ein Burnout kann grundsätzlich alle betreffen, ich denke nur an den Spagat zwischen den Anforderungen im Job, wenn etwas noch dringend erledigt werden soll, die Uhr aber tickt, weil in der Kita schon die Kinder warten. Vor allem wenn so etwas permanent passiert und die Entscheidungsfreiheit fehlt, entsteht Stress, der dann tatsächlich auch zu Symptomen wie Unruhe, Magenproblemen oder Schlaflosigkeit führen kann. Kommt all das zusammen, kann eine ernsthafte Erkrankung entstehen.

Wie helfen sie dann im Fachkrankenhaus?

Wir helfen den Patienten, ihre Situation zu reflektieren und führen Muster vor Augen, die sich wiederholen und nicht guttun. Die Interaktion ist ein ganz wesentlicher Teil unserer Behandlung, es gibt Einzelgespräche und Gruppentherapien. Welche Ansätze wir verfolgen, stellen wir zum Gesundheitstag vor. Uns geht es darum, der Bevölkerung zu zeigen, dass es hier Möglichkeiten zur Hilfe gibt. Viele etablierte Behandlungen sind verfeinert und verbessert worden, so dass den Menschen gezielter geholfen werden kann. Unsere Psychiatrie ist nahezu durchgängig von deutschsprachigen Kollegen besetzt – ein ganz wichtiger Vorteil für die Feinheiten in der Behandlung.

Welche Rollen spielen Medikamente bei der Therapie?

Antidepressiva haben ihren Stellenwert. Gezielt, in der richtigen Dosierung eingesetzt, ist das ein Krückstock, mehr aber nicht.

Wie viele Betroffene werden bei Ihnen in Wermsdorf behandelt?

Wir haben in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie 1700 Patienten pro Jahr. Der Anteil der Menschen mit Depressionen beträgt dabei etwa ein Drittel. Bisher mussten wir noch niemanden, der dringend Hilfe brauchte, wegschicken. Das ist ein großes Glück, denn wir sind bei der Auslastung an der Grenze angelangt.

Schwierig wird es anschließend, wenn jemand ambulante Betreuung braucht, denn einen Termin beim Therapeuten zu bekommen, ist eine Geduldsprobe.

Das ist ein Problem. Bei Depressionen ist schnelle Hilfe gute Hilfe. Wenn es länger dauert, kann eine Erkrankung auch chronisch werden, das ist natürlich schlecht. Hinzu kommt der Frust, wenn jemand ein halbes Jahr auf einen Termin warten muss. Da sind Betroffene im ländlichen Raum mit weniger niedergelassenen Kollegen und weiteren Wegen benachteiligt. Deshalb haben wir auch die Institutsambulanz und die Tageskliniken in Torgau und Riesa eingerichtet, um das Angebot der Hilfen zu vergrößern.

Welche Rolle spielen Angehörige und Freunde in diesem Zusammenhang?

Angehörigenarbeit ist elementar, weil die Familie hilft, dass sich der Patient zuhause stabilisiert und emotionale Unterstützung gibt. Zwar fehlen niedrigschwellige Angebote im Landkreis, es gibt aber zum Beispiel beim Sozialpsychiatrischen Dienst in Oschatz eine Selbsthilfegruppe und weitere Beratungsangebote etwa bei der Diakonie. Letztlich wollen wir mit unserem Gesundheitstag auch Angehörige und Freunde ansprechen, über Depressionen aufklären, zu Hilfen informieren und Tipps zum Beispiel zur Stressbewältigung geben.

Der 1. Wermsdorfer Gesundheitstag für Betroffene, Angehörige und Interessierte findet am 14. März ab 16 Uhr in der Ergotherapie des Fachkrankenhauses statt.

Von Jana Brechlin

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