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Oschatz Wermsdorfer Kinderklinik ist Teil eines deutschlandweit einzigartigen Netzwerkes
Region Oschatz Wermsdorfer Kinderklinik ist Teil eines deutschlandweit einzigartigen Netzwerkes
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06:00 09.11.2018
Oberärztin Dr. Birgitt Meier von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Fachkrankenhaus Hubertusburg in Wermsdorf bei ihrem Vortrag zum Stammtisch Pädiatrie. Quelle: Jana Brechlin
Wermsdorf

Gute Aussichten für die Kinderklinik im Fachkrankenhaus Hubertusburg in Wermsdorf: Im neuen Landesbettenplan wurden der Einrichtung neben 22 Betten für die Akutpädiatrie auch 24 Betten für die Kinder- und Jugendpsychiatrie genehmigt. Das konnte Chefarzt Dr. Michael Borte zum Stammtisch Pädiatrie am Mittwoch in Wermsdorf verkünden. „Das ist eine gute Nachricht“, sagte er und fügte hinzu, die 24 Betten für Kinder- und Jugendpsychiatrie entsprächen nahezu einer eigenen Klinik neben der Akutpädiatrie. Man werde nicht sofort auf diese Bettenzahl aufstocken können, arbeite aber bereits an einem Konzept. „Wir freuen uns auf die Zukunft“, bekräftigte der Chefarzt.

Michael Borte, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Fachkrankenhaus Hubertusburg in Wermsdorf. Quelle: St. Georg

Das war ein verheißungsvoller Auftakt für den Pädiatrie-Stammtisch, zu dem das Krankenhaus bereits zum 20. Mal nach Wermsdorf eingeladen hatte. Dabei ging es um Psychosomatik in der Kinderheilkunde, Netzwerke, an denen die Klinik beteiligt ist, Spezialisierungen und Partnerschaften mit anderen Einrichtungen. Der Einladung waren neben Kinderärzten und Schwestern auch Therapeuten, Sozialpädagogen oder Lehrer gefolgt, für die die Wermsdorfer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Ansprechpartner ist.

In jüngerer Zeit setzt man am Standort, an dem es seit 1954 eine Kinderklinik gibt, zunehmend auf Spezialisierung verschiedener Erkrankungen. Oberärztin Dr. Birgitt Meier unterstrich, dass die pädiatrische Psychosomatik dabei eine Brücke zwischen der Akut-, Neuro- und Sozialpädiatrie sei. „In Zukunft kommt dann noch die Kinder- und Jugendpsychiatrie hinzu“, blickte sie voraus. Jährlich werden in den Spezialambulanzen der Kinderklinik 1500 Patienten versorgt, in der Notfallambulanz sind dies 2500 Patienten pro Jahr.

Wichtig sei stets die Zusammenarbeit mit anderen Bereichen. „Wir haben ein interdisziplinäres Team für die Behandlung psychosomatischer Erkrankungen“, erklärte sie. Dazu würden neben Ärzten und Pflegekräften auch Therapeuten und die betreuenden Einrichtungen wie Schulen gehören. Psychosomatik meint körperliche Beschwerden auf psychische Belastungen. Dazu gehören zum Beispiel Bauch- oder Kopfschmerzen, ausgelöst durch Schulstress oder Ängste. Zwar werde dann manchmal vom „Kranksein ohne Krankheit“ gesprochen, aber: „Die Patienten haben einen großen Leidensdruck“, machte Dr. Birgitt Meier deutlich.

Seit 1954 gibt es die Kinderklinik in Wermsdorf. Quelle: Dirk Hunger

Vorgestellt wurde am Mittwochabend das Betreuungsnetzwerk, dass die Wermsdorfer Klinik gemeinsam mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum Leipzig aufgebaut hat und in dem Kinder und Jugendliche behandelt werden, die unter fetalen Alkoholspektrumserkrankungen (FASD) leiden. Das sind Störungen und Einschränkungen, die auftreten, weil die Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat. Das Netzwerk, das sich auch um die Betreuungspersonen der Patienten kümmert, ist in dieser Form deutschlandweit einmalig, unterstrich Dr. Heike Hoff-Emden, die ärztliche Leiterin des Zentrums.

Laut Studien leiden zwei Prozent der Gesamtbevölkerung an FASD, das entspreche etwa 280 000 Kindern und Jugendlichen in ganz Deutschland und 1700 Kindern allein in Leipzig sowie 700 Neugeborenen jährlich in Sachsen. „FASD ist das häufigste angeborene Syndrom und zu 100 Prozent vermeidbar“, sagte sie. Die Folgen bei den Kindern reichten von fehlender Gewichtszunahme über angeborene Herzfehler bis hin zu Depressionen, Gaumenspalte oder früher Demenz. Außerdem sei dieser Nachwuchs häufig mit Aufmerksamkeitsproblemen oder Störungen des Kurz- und Langzeitgedächtnisses konfrontiert und hätte oft Probleme mit sozialen Regeln und später gar mit dem Gesetz.

Heike Hoff-Emden appellierte an alle Gäste des Pädiatrie-Stammtisches ihrerseits die Botschaft an junge Frauen und werdende Mütter weiterzutragen: „Wenn kein Alkohol in der Schwangerschaft zum Lifestyle wird, haben wir schon viel gewonnen.“

Von Jana Brechlin

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