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Oschatz Wermsdorfer Metallkünstler Steffen Bieler stellt in seinem Galerie-Haus aus
Region Oschatz Wermsdorfer Metallkünstler Steffen Bieler stellt in seinem Galerie-Haus aus
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00:34 09.04.2018
In seinem Vorgarten hat der Wermsdorfer eine Hommage an eines seiner weiteren Hobbys gestaltet. Der Drahtesel steht für seine Leidenschaft für das Radfahren. Quelle: Fotos: Sven Bartsch
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Wermsdorf.

Wermsdorf besitzt eine Galerie, eine besondere noch dazu. Vermuten würde man sie in einem der beiden Schlösser des Ortes. Doch das ist ein Irrtum. Sie befindet sich im „Schumannweg“. „Mein Haus ist eine Galerie“, sagt Steffen Bieler und bittet die Stufen am Eingang empor zu gehen. Auf halben Weg fällt eine in den Boden des Vorgartens gesteckte Figur auf: Ein „Drahtesel“ – eine Kombination aus Fahrrad und Esel für die volkstümliche Bezeichnung Fahrrad stehend. „Das steht für meine Leidenschaft Radfahren. Die Strecken dafür können nicht lang genug sein. Und dann unterstütze ich die Wermsdorfer Oberschule mit einem Ganztagsangebot Fahrrad, wo die Kinder lernen können, wie sie kleine Reparaturen an ihrem Rad selbst erledigen können“, sagt Steffen Bieler und bittet in sein Haus. Halt, seine Galerie, sein Galerie-Haus.

Mit 40 Metallbau studiert

Der 54-Jährige Ur-Wermsdorfer lernte nach der Schule den Beruf eines Maschinen- und Anlagenmonteurs. Mit 40 studierte er Metallbau und Metallgestaltung sowie 3D-Konstruktion an der Techniker-Fachschule Leipzig. Künstlerisch tätig war er da schon nebenbei, probierte sich an verschiedenen Dingen aus. 1995 gründete er seine Metallkunstwerkstatt. Hauptberuflich arbeitet er aber als Techniker in einem Unternehmen.

Kunst als Inspiration für Kunst

Gleich hinter der Eingangstür kommt jeder Gast aus dem Staunen nicht heraus, betritt eine ganz andere Welt, getragen von Inspirationen, schöpferischer Arbeit, handwerklichem Können und von viel Fantasie. Doch da ist noch mehr. Die einzelnen Kunstprojekte stehen ebenso für einen belesenen Mitmenschen, der gern reist, dann oft mit Skizzenblock und Fotoapparat unterwegs ist.

Der Drahtesel von Steffen Bieler. Quelle: Fotograf Sven BartschFotograf Sven Bartsch

Neben der Tür steht eine Mutter-Kind-Gestalt. Es ist eine Arbeit, bei der Steffen Bieler Kirschbaumholz und Metall in Kombination verwendet hat. Geschickt hat er dabei zum Beispiel die Maserung des Holzes genutzt. Geborgenheit, Schutz, Ruhe ausstrahlend – das wird dadurch noch mehr zur Geltung gebracht.

Motorrad aus 970 Teilen

Ganz anders das nächste Ausstellungsstück: Ein Motorrad im Raum stehend. „Das habe ich aus 970 Teilen gebaut“, erklärt der Künstler, der in diesem Fall nicht nur das, sondern auch Konstrukteur und Techniker war. „Moto Sound“ lautet der Titel des Objektes, das eine Kombination aus Chopper und Musikanlage ist. Bieler baute es für die Schlossherrin des Mutzschener Bikertreffs. „Ich hatte viele Ideen. Eine Herausforderung war dann, dies mit den technischen Anforderungen in Einklang zu bringen“, blickt der Künstler auf die Zeit zurück, als 2016 das ungewöhnliche Krad mit Musikstation entstand. Auf dessen rechter Seite sticht eine Gitarre ins Auge, auf der gegenüberliegenden stehen die technischen Raffinessen wie Zylinder und Zahnräder im Focus. „Alles ist hoch explosiv wie die Musik von ACDC, wie Rock’n’Roll. Ich hab jetzt das umgesetzt, wovon ich in der Jugend wie viele andere einmal geträumt habe“, wird Bieler nachdenklich. Das einmalige Krad habe in der Bikerszene schon für ganz viel Gesprächsstoff gesorgt.

Dieses Schiff besteht aus Metall. Quelle: bartschbartsch

Ganz anders dazu die Arbeiten mit dem Titel „Torero“ oder „Carmen“. Beim „Torero“ hat der Wermsdorfer es geschafft, die Bewegung ganz graziös zu gestalten. Er hat dabei trotzdem den dynamischen Moment eingefangen. Er zeigt den Stolz, den Mut und die Eleganz des Kämpfers in dem Moment, als der auf die gefährliche Kraft und die enorme Geschwindigkeit des Stiers trifft. Das alles mit Blech gestaltet – unglaublich! Minimalistisch gehalten ist die Carmen-Gestalt. Wenn man sie sieht, muss man augenblicklich an ihre Lebensgeschichte denken, spürt deren Schicksal und ist einfach von der Metallarbeit begeistert.

Handwerkliches Können in Vollendung

Der Fliegende Holländer und andere maritime Themen findet man in einem der unteren Zimmer. Historische Schiffsmodelle, Schlachten auf See wie die des Engländers Nelson 1805 waren hier Anregung. Eines der Kunstwerke trägt hier den Namen „Trafalger 1805“. Verstehen kann man die Intensität und die Raffinesse, mit der die Arbeiten angefertigt wurden erst recht, wenn man weiß, dass Steffen Bieler als Kind stets bei der Frage nach dem Berufswunsch mit „Kapitän“ oder „Chief“ geantwortet hat.

Blech hat Steffen Bieler für diese Kunstwerke in solch einer Perfektion getrieben, zugeschnitten und später auch mal geschweißt und mit anderen Techniken bearbeitet, dass sie so aussehen, als wehten beispielsweise die Segel im Meereswind, gezeichnet vom Kampf auf See. Das ganze historische Schiff, an dem sie angebracht sind, hat er dabei in ein Bartischchen so hineingebaut, dass es dank der genutzten physikalischen Gesetze beweglich ist. So bekommt der gemütliche Genuss von altem Whisky eine ganz spezielle, künstlerische Note.

Reste seines „Iron String Quartett“

Mittelalterlich wird es in einem der nächsten Räume. Und im Bielerschen Musikzimmer stehen noch die Reste seines „Iron String Quartett“, einem Streichquartett aus Eisen. 2014 hat er die ungewöhnlichen Instrumente gebaut und dann mit einer Installation im Horstsee so in Szene gesetzt, dass ein Teil davon Liebhaber fand. Mit einer speziellen Oberflächentechnik hat er auf Metall eine Holzmaserung eingeätzt und die Instrumentenkörper absichtlich nicht vollkommen gestaltet. „Ich wollte mit ,Der letzte Ton’ die Vergänglichkeit des Lebens darstellen. Denn nichts ist für die Ewigkeit, alles vergeht einmal, zerfällt“, erklärt er.

In der oberen Etage stellt Steffen Bieler verschiedene venezianische Himmelbetten zur Schau. Angeregt zum Beispiel von einer Italienreise haben die Unikate verschiedene venezianische Elemente. „Ich war eine Woche lang in den Gassen von Venedig unterwegs, dort, wo alles ursprünglich ist und habe auf dem Skizzenblock alles festgehalten, was ich entdeckte. Davon sind hier viele Dinge wieder zu finden“, so der Kunsthandwerker, der in diesem Jahr an den Europäischen Tagen des Kunsthandwerkes sein Galerie-Haus geöffnet hatte. Beim Rundgang weist der Künstler auch darauf hin, dass an den Betten wie auch bei fast allen seiner anderen Arbeiten nichts symmetrisch ist. „Ich verzichte bewusst auf Symmetrie, das ist meine Handschrift“, erklärt er.

Später, im Arbeitszimmer, liegen Zeichnungen auf dem Tisch, die nicht die Handschrift des Künstlers, sondern mehr des Technikers tragen. Knifflige Herausforderungen, die auch den Techniker und Konstrukteur fordern, mag er und tüftelt dann so lange daran, bis er die für ihn und seine Kunden optimale Lösung gefunden hat. Dass die dann außergewöhnlich und damit verblüffend ist, versteht sich von selbst. Noch ist die Kunst nicht das Hauptstandbein des Wermsdorfers. Dafür müsste Bieler überregional, ja international bekannter werden.

Zu wünschen wäre es dem Tausendsassa, denn seine Kunstwerke in seinem Galerie-Haus sind nicht nur Kunst allein, sie haben Botschaften, Funktionen und drücken Lebensgefühl aus. Und sie sind damit auch so wie Steffen Bieler selbst.

Von Bärbel Schumann

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