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Wermsdorfer Palisadenkreis steckt voller Rätsel

Wermsdorfer Palisadenkreis steckt voller Rätsel

Wo heute Autos über die neue Ortsumgehung rollen, bauten unsere Vorfahren einst eine geheimnisvolle Palisaden-Anlage. Die Überreste wurden vor Beginn der Bauarbeiten an der neuen Trasse der Straße zwischen Mutzschen und Wermsdorf von den Archäologen freigelegt.

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Eine Anlage aus ringförmig angeordneten Palisaden, die dieser Rekonstruktion eines Fundes in Dresden ähnelt, ist das spektakulärste Ergebnis der Ausgrabungen im Vorfeld des Neubaus der Staatsstraße bei Wermsdorf.

Quelle: Peter Weckbrodt

Wermsdorf. Von Axel Kaminski

Darüber berichtete jetzt erstmals Wolfgang Ender, Referatsleiter im Landesamt für Archäologie bei einer Informationsveranstaltung vor knapp 50 Besuchern in Wermsdorf.

Der Archäologe betonte, dass es keine Überraschung sei, entlang der neuen Trasse fündig geworden zu sein. "Es handelt sich hier um sehr fruchtbare Löß- und Lößlehmböden." Diese seien für die Menschen der Steinzeit leicht zu bearbeiten gewesen.

An einer Geländekuppe zwischen dem Abzweig nach Göttwitz und Mutzschen entdeckten die Archäologen neben Gruben und Gräben sowie Pfosten, die sich Häusern zuordnen ließen, noch Pfahllöcher, die sich zunächst nicht so klar interpretieren ließen. "Diese Pfahllöcher sind ungewöhnlich tief - mehr als einen halben Meter - und bilden Reihen, die eine leichte Krümmung aufweisen", schildert Ender den Fund. Im nächsten Schnitt, den die Forscher anlegten, fanden sie die Fortsetzung dieser Reihe mit dem gleichen Durchmesser.

Insgesamt habe man 81 Stellplätze solcher Pfosten sicher nachweisen können. Exakt kreisrund sei diese Anlage nicht gewesen, sondern leicht elliptisch, dem Gelände angepasst. Der innere Durchmesser in Ost-West-Richtung betrage zirka 100 Meter und in Nord-Süd-Richtung etwa 83 Meter. Der Außenring dehne sich von Ost nach West über 146 Meter von Nord nach Süd über 129 Meter aus. Insgesamt begebe es vier Palisadenkreise.

"Für die Region ist diese Anlage von herausragender Bedeutung", schätzt Ender ein. In der Archäologie seien solche Bauwerke durchaus bekannt. Bei Ausgrabungen für ein Gewerbegebiet in Dresden-Nickern habe man mehrere dieser Palisadenkreise gefunden. Allerdings wiesen diese zusätzlich Gräben auf, die bei Wermsdorf fehlen. Deshalb hielt sich Ender mit Aussagen zum Alter dieses Woodhenges, also eines mit Holzpalisaden eingekreisten Areals, zurück. Während die Dresdener Anlage etwa aus der Zeit um 4200 vor Christus stammt, wurde ein ähnlicher, bei Schönebeck (Sachsen-Anhalt) gemachter Fund auf die Zeit um 2200 vor Christus datiert. "Neben dem weltbekannten Stonehenge in England gibt es auf der Insel auch einige Woodhenges", erläutert der Archäologe.

Während er in seinem Vortrag Aussagen über die Funktion der Anlage bei Wermsdorf vermied, konnte er der Nachfrage dazu im Anschluss nicht ausweichen. "Wenn Sie im Gelände lange genug Linien ziehen, dann finden sie schon Verbindungen zu irgendwas", sagte Ender. Wenn das dann der Sonnenaufgang an einem bestimmten Tag oder die Mittagsstunde an einem anderen sei, beweise das bestenfalls, dass die Erbauer Kenntnis von diesen astronomischen Zusammenhängen hatten. Ob das Bauwerk damit in Zusammenhang stehe, bleibe dann immer noch eine Spekulation. "Sicher kann man sagen, dass sich die damaligen Siedler Fragen stellten, die über den Tag und die überlebenswichtigen Dinge hinaus gingen", erklärte der Referatsleiter. Ender informierte, dass eine Veröffentlichung der Funde zwischen Wermsdorf und Mutzschen im Band 5 der Reihe "Ausgrabungen in Sachsen" erfolgen werde.

Aus der Oschatzer Allgemeinen Zeitung vom 16.09.2015

Axel Kaminski

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