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Oschatz Wermsdorfer Profis retten beschädigte Dokumente
Region Oschatz Wermsdorfer Profis retten beschädigte Dokumente
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06:03 26.04.2018
Hier werden zunächst eingefrorene Unterlagen aus der Folie entfernt und für die Vakuum-Gefriertrocknung vorbereitet. Quelle: Foto: Jana Brechlin
Wermsdorf

Sie hüten das Gedächtnis von Städten, Institutionen und dem Freistaat und sollen es im Ernstfall retten helfen: Archivare aus verschiedenen sächsischen Einrichtungen haben sich im Archivzentrum Hubertusburg in Wermsdorf informiert, was im Notfall zu tun ist. Ganz konkret ging es um den Umgang mit Archivgut, das durch Wasser beschädigt wurde. Kommt zum Glück selten vor, ist aber schon passiert – und das nicht nur als 2009, als das Kölner Stadtarchiv durch Bauarbeiten einstürzte und Unterlagen durch zerborstene Leitungen und Grundwasser beschädigt wurden. „Auch in Sachsen hat das Elbehochwasser in Dresden Schäden an Archivgut angerichtet“, erinnerte Barbara Kunze, Restauratorin im Archivzentrum Hubertusburg. Außerdem können Leitungsschäden oder Sprinkleranlagen eingelagerten Dokumenten zum Verhängnis werden.

Oft wird Schmutz einfach auch von Büchern abgewaschen. Quelle: Jana Brechlin

Gängige Sicherungsmaßnahmen sind dann Reinigen, Verpacken und Einfrieren bis hin zur Vakuumgefriertrocknung, zählte Dr. Thomas-Sergej Huck, Referatsleiter im Archivzentrum, auf. Das hört sich ein bisschen nach Handgriffen im Haushalt an, und tatsächlich spielten auch Schwämme, Gefriertruhen oder Frischhaltefolie eine Rolle. Wie man damit nass gewordene Bücher und Papiere behandelt, erfuhren die Archivare zunächst theoretisch, bevor sie sich unter Anleitung der Fachleute in Wermsdorf in praktischen Übungen damit vertraut machten.

Einfrieren als Sofortmaßnahme

Dafür wurden Akten aus Wasserbecken gefischt und von grobem Schmutz gereinigt, bevor das sogenannte Einstretchen – also umwickeln – mit Folie folgte und anschließend das Archivgut in den Gefrierschrank kam. „Das Einfrieren ist eine gute Sofortmaßnahme, weil sich die Schadensprozesse bei dem nass gewordenen Archivgut nicht weiter verfestigen“, erklärte Barbara Kunze.

Hilfestellung für Kollegen in Köln

In Wermsdorf habe man mit der Vakuumgefriertrocknung auch große Mengen beschädigter Unterlagen aus dem Kölner Archiv behandelt. Dabei wird dem Material unter großer Kälte das Wasser entzogen. Mitunter müssen Unterlagen – vor allem gebundene Bücher – zuvor noch mit Mullbinden umwickelt werden. „Dadurch werden die Bücher zusätzlich fixiert, nichts verzieht sich“, erklärte Marcus Sallin vom Archivzentrum Hubertusburg.

Schmutz wird abgestrahlt

Sind die Unterlagen dann schließlich trocken, kann es mit der Reinigung der wertvollen Papiere weitergehen. Manchmal reicht dabei der Einsatz von Pinsel oder Radierschwamm. Sind die Verschmutzungen hartnäckiger, kommt das Archivgut in die Feinreinigung nach Wermsdorf. Hier können an speziellen Werkbänken Bücher und Dokumente mit Druckluft von Rückständen befreit werden. Eine besondere Filteranlage hinter der Glashaube sorgt dafür, dass Schmutzpartikel gleich abgesaugt werden. „Wir wenden das zum Beispiel bei Schlammablagerungen an. Diese haften sehr stark. Normales Abkehren oder Absaugen würde nicht reichen“, beschreibt Barbara Kern. Stattdessen würden die so verunreinigten Papiere mit Zellulosepulver abgestrahlt. „Das funktioniert sogar bei Schimmel“, so die Restauratorin.

Von Jana Brechlin

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