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Oschatz Wermsdorfer Schulleiterin hört auf – Nachfolger noch nicht in Sicht
Region Oschatz Wermsdorfer Schulleiterin hört auf – Nachfolger noch nicht in Sicht
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14:40 06.07.2016
Das war ihr „Reich“: Ilona Dathe im Informatikraum der Schule, wo sie besonders oft unterrichtet hat. Quelle: Foto: Dirk Hunger
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Wermsdorf

Ganz still ist es an diesem Tag in der Wermsdorfer Oberschule. Wo sonst ein Stimmengewirr über die Flure dringt und nur die Stundenklingel für Ruhe sorgen kann, hört man an diesem Morgen: nichts. Kein Wunder, schließlich sind Ferien, und auch die meisten Lehrer haben sich bereits in den Urlaub verabschiedet. Die Tür zum Sekretariat steht jedoch offen, in dem winzigen Büro dahinter wirbelt Ilona Dathe. 13 Jahre war das als Schulleiterin ihr Arbeitsplatz, jetzt geht sie in Altersteilzeit. Doch bis dahin müssen noch ein paar Kisten gepackt, Sachen sortiert und der Schreibtisch ausgeräumt werden. Das macht die 63-Jährige am liebsten in Ruhe, deshalb ist sie auch alleine in der Schule.

Nachfolger fehlt noch

In der ersten Ferienwoche hat sie mit Kollegen noch die Stundenplanung für das kommende Schuljahr erledigt, auch der Arbeitsplan steht soweit. „Die Übergabe ist geregelt“, sagt Ilona Dathe und nickt. Das war ihr wichtig, schließlich gibt es noch keinen Nachfolger für die Leitung der Schule. Erst einmal wird Dagmar Jakubeit, bisher ihre Stellvertreterin, die Geschicke lenken, unterstützt von weiteren Wermsdorfer Lehrern. Ilona Dathe wird zum neuen Schuljahr morgens nicht mehr von Mutzschen in den Nachbarort fahren, sondern vermutlich noch ein Weilchen am Frühstückstisch sitzen bleiben.

Abschied ohne große Feier

Ein großes Abschiedszeremoniell hat es nicht gegeben. „Ich mag große Feiern nicht besonders und habe versucht, alles klein zu halten“, sagt sie und verrät auch, warum: „Ich bin ein bisschen nah am Wasser gebaut.“ Also gab es eine Runde mit den Kollegen – und am letzten Schultag hat sie am Eingang allen Kindern und Jugendlichen schöne Ferien gewünscht.

Für die künftige Rentnerin war es ein Abschied vom Wunschberuf. Sehr gerne sei sie Lehrerin gewesen, versichert Ilona Dathe. „Raus aus dem Büro und rein in den Unterricht – das war immer das Schönste für mich.“ Zunächst wollte sie Deutschlehrerin werden, entschied sich aber noch vor Studienbeginn um und studierte in Halle schließlich Polytechnik und Werken. 1989 nahm sie dann zusätzlich ein Informatikstudium auf und unterrichtete fortan Mädchen und Jungen am PC.

Als Berufseinsteigerin arbeitete Ilona Dathe zunächst für einige Monate in Leipzig, bevor sie nach Mutzschen wechselte, wo sie schließlich bis 2004 – bis zur Schließung der Mittelschule – die Leitung übernahm. Chefin zu werden, damit hatte sie kein Problem. „Vorher fehlte mir dazu das Parteibuch, doch nach der Wende habe ich mich dann beworben“, blickt die Mutzschenerin zurück. Insgesamt hat sie es auf 26 Jahre als Schulleiterin gebracht. In Wermsdorf traf sie dann als Chefin auch auf ihren ehemaligen Klassenlehrer, denn als Schülerin lebte sie mit ihrer Familie bereits im Ort. „Das war irgendwie witzig. Die Kollegen haben mir das Ankommen leicht gemacht.“

Streng, aber gerecht

Ilona Dathe steht in dem Ruf, streng zu sein. „Ich denke schon“, stimmt sie zu, „aber man muss konsequent und gerecht sein, und das von Anfang an. Dann kann man Kinder sehr schnell für sich gewinnen.“ Da ist es eine schöne Bestätigung, wenn Abiturienten vom Beruflichen Schulzentrum noch einmal vorbeikommen und sich für das Rüstzeug, das ihnen die Wermsdorfer Schule vermittelt hat, bedanken. „Das macht uns auch ein bisschen stolz“, gesteht Ilona Dathe. Diese Bestätigung im Beruf wünscht sie auch jungen Kollegen.

Doch sie warnt gleichzeitig davor, Lehrer zu werden, weil es ein vermeintlich sicherer Job sei. „Das ist der falsche Ansatz. Wichtig ist, dass man ein Gespür für Kinder hat“, meint die vierfache Mutter. Deshalb seien Praktika so notwendig. „Wir hatten im Studium auch Psychologie und Pädagogik. In der Praxis hat das nicht viel geholfen. Das Rüstzeug für den Beruf muss man sich erarbeiten“, so ihre Erfahrung. Das klappe am besten durch die Zusammenarbeit junger und älterer Kollegen. „Jeder kann von jedem lernen – und als Lehrer muss man sich sowieso ständig weiterbilden.“

Jetzt Zeit für Hobbys

Auch wenn ihr Berufsleben nun vorbei ist, wird Ilona Dathe reichlich zu tun haben: Der Garten wartet, ein paar größere Reisen sind geplant, die 63-Jährige kegelt, geht gern wandern oder bergsteigen. Die Schule in Wermsdorf will sie dennoch nicht aus den Augen verlieren und vor allem von dort noch möglichst lange hören: „Ich wünsche unserer Schule, dass sie noch lange bestehen bleibt und die nächsten Jahrgänge vielleicht auch wieder zweizügig werden.“ Dafür sehe es gut aus, ist sie überzeugt: „Die Kinderzahlen steigen wieder.“

Von Jana Brechlin

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