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Oschatz Wermsdorfer Suchtklinik sucht Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen
Region Oschatz Wermsdorfer Suchtklinik sucht Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen
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15:00 10.09.2016
Corinna Glausch ist die leitende Psychologin der Wermsdorfer Suchtklinik.
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Wermsdorf

Berührungsängste abbauen, Kontakte herstellen und Chancen verbessern: Das will die Fachklinik für Drogenrehabilitation in Wermsdorf erreichen und veranstaltet deshalb nächste Woche einen Fachtag. Eingeladen sind Lehrer, Sozialpädagogen, Mitarbeiter von Arbeitsagentur und Polizei. Worum es geht und wie wichtig die Vernetzung vor Ort ist, erklärt die leitende Psychologin Corinna Glausch im Interview.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Fachtag am 14. September?

Wir wollen informieren und einen Austausch ermöglichen. Das ist unser dritter Fachtag, und dieses Mal richten wir uns nicht speziell an Suchtfachleute, sondern an Mitarbeiter von Jugendämtern und Arbeitsagenturen, Präventionsbeauftragte, Lehrer oder Polizisten. Wir wollen Netzwerkarbeit für andere Berufsfelder ermöglichen.

Wie gefragt sind solche Veranstaltungen wie der Fachtag?

Die Resonanz ist wirklich groß: Wir haben 90 Anmeldungen und konnten gar nicht alle Teilnahmewünsche berücksichtigen. Dabei gibt es von uns auch noch andere Angebote wie spezielle Präventionstage oder Informationsveranstaltungen für Schulen. Doch gerade im Umgang mit Konsumenten von Crystal herrscht eine große Unsicherheit – da wollen wir aufklären.

Ist Aufklärung immer noch nötig? So jung ist das Thema Crystal schließlich nicht mehr.

Bei der Berichterstattung über Crystal beobachten wir oft einen regelrechten Negativ-Hype. Es wird viel Angst gemacht und der Eindruck erweckt, dass es gar keine Möglichkeit zur Hilfe gibt. Es stimmt, bei Crystal haben wir es mit einem sehr komplexen Suchtbild zu tun, aber so ist es bei Abhängigkeiten oft. Ich will das weder bagatellisieren und noch sollte man das unterschätzen, aber wir haben auch schon seit Jahren Erfahrungen im Umgang mit Crystal-Abhängigen und es gibt tatsächlich Therapiemöglichkeiten. Wir wollen lösungsorientiert arbeiten und Vorurteile abbauen.

Was können die Teilnehmer Ihres Fachtages dazu mitnehmen?

Der erste Schritt ist, zunächst erkennen, ob jemand abhängig ist. Wenn einer ständig Termine bei der Arbeitsagentur verstreichen lässt oder in der Schule zu spät kommt, kann das ein Hinweis sein. Wir wollen Berührungsängste nehmen und ermuntern, das Problem anzusprechen. Uns geht es darum, dass Mitarbeiter in Behörden und Einrichtungen mit ihren begrenzten Möglichkeiten trotzdem Veränderungsprozesse ansteuern.

Was kann ein Berater in der Arbeitsagentur überhaupt tun, wenn sein Gegenüber ein Suchtproblem hat?

Er hat durchaus Handlungsspielraum und kann zum Beispiel den Leistungsbezug streichen. Dadurch entsteht ein Leidensdruck, in Therapie zu gehen. Man muss dem anderen Grenzen deutlich machen, wenn man langfristig helfen will. Wer sich nicht an Termine und Vereinbarungen hält, muss mit Konsequenzen rechnen.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Behörden und anderen Einrichtungen?

Die brauchen wir unbedingt. Vernetzung ist für alle hilfreich, auch für uns. Wir pflegen zum Beispiel eine Kooperation mit der Agentur für Arbeit, dass unsere Rehabilitanden schon zwei Monate vor Therapieende zur Beratung gehen. Damit wird die Wartezeit für den Eintritt in einen neuen Job oder eine Umschulung verkürzt.

Womit können die Teilnehmer des Fachtages rechnen?

Es gibt Vorträge, wir zeigen einen Film, der hier in der Klinik entstanden ist und binden auch die Rehabilitanden in den Tag ein. Außerdem gibt es zum Beispiel Workshops zu den Themen Prävention, Vernetzungsmöglichkeiten, Hintergründe der Sucht und Heilung. Und es wird die Möglichkeit zu Gesprächen untereinander geben.

Zur Arbeit in der Sucht gehört viel Engagement, wenn es dann jemand trotzdem nicht schafft, kommt der Frust – oder?

Rückfälle und Rückschläge gehören zu unserer Arbeit. Damit umzugehen, ist auch ein Thema des Fachtages. Ich rate, sich auf kleine Schritte zu konzentrieren und sich an kleinen Erfolgen zu freuen. Auf einer Null-Toleranz-Grenze zu bestehen, halte ich für schwierig. Nicht jeder wird es schaffen, ganz abstinent zu leben. Wir haben 40 Plätze für Menschen von 18 Jahren bis open End, unsere älteste Patientin war bisher 56, es gibt aber de facto keine Grenze. Mitunter behandeln wir schon die zweite Generation von Abhängigen. Wer in einem Drogenmilieu groß geworden ist, hat es besonders schwer, dem zu entkommen. Da wollen wir Schadensbegrenzung betreiben, Menschen ins Arbeitsleben integrieren und ein lebenswertes Leben ermöglichen helfen. Das zu erreichen, halte ich für realistisch. Interview: Jana Brechlin

Von Jana Brechlin

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