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Wermsdorfer Unternehmer warnt vor Risiken der Kleinbahn-Erweiterung

Kleinbahn Wermsdorfer Unternehmer warnt vor Risiken der Kleinbahn-Erweiterung

Der Wermsdorfer Unternehmer Hartmut Bruder fordert, dass sich die Kommune mit ihren Ausgaben auf eigene Projekte in den Ortteilen konzentriert, bevor Geld für die Erweiterung der Döllnitzbahn ausgegeben wird. Außerdem warnt er vor einer Fokussierung auf Fördermittel.

Der Wilde Robert soll nach Wünschen der Döllnitzbahn GmbH bis Wermsdorf fahren können.

Quelle: Roland Schreiber

Wermsdorf. In die Diskussion um die Erweiterung der Döllnitzbahn schaltet sich auch der Wermsdorfer Unternehmer Hartmut Bruder ein. Der Geschäftsführer der Deutsche Philatelie Service GmbH warnt davor, zu sehr auf den Fördermittel-Joker zu setzen, wenn es um den Ausbau der Strecke geht und rät, vor allem die Folgekosten nicht aus dem Blick zu verlieren.

Hartmut Bruder

Hartmut Bruder

Quelle: Dirk Hunger

Wie gefällt Ihnen die Vorstellung, dass der Wilde Robert auf der alten Strecke wieder bis Wermsdorf dampft?

Grundsätzlich finde ich es schön, wenn so Nostalgisches wie die Kleinbahn gepflegt wird, und der Gedanke, damit die touristischen Möglichkeiten in Wermsdorf zu nutzen, ist gut. Aber es ist eine sehr riskante Angelegenheit, den Ausbau zu forcieren, nur weil es dafür möglicherweise gerade Fördermittel gibt. In einem Unternehmen muss man sich jede Investition genau überlegen und prüfen, ob man sich diese leisten kann. Wenn es Zuschüsse gibt, ist das sicher eine sehr hilfreiche Unterstützung. Die Voraussetzung für Investitionen ist aber grundsätzlich, dass auch ausreichend eigene Mittel vorhanden sind.

Die Befürworter verweisen nachdrücklich darauf, dass die Gelegenheit für Subventionen günstig ist.

Zur Gesamtinvestition gehören neben den Fördermitteln wie gesagt ausreichend Eigenmittel, und die muss auch die Gemeinde aufbringen. Hier bin ich der Meinung, dass wir in Wermsdorf gegenwärtig bereits genügend Aufgaben haben, für die wir Geld brauchen: Wir sind dabei, eine neue Grundschule zu bauen und anschließend müssen wir uns um die alte Poststation kümmern. Außerdem wird der Albertturm schrittweise saniert und dort sollten wir uns darauf konzentrieren, den Turm künftig nachhaltig nutzen zu können. Die Gemeinde ist für alle Ortsteile verantwortlich, und für mich ist es wichtiger, auch Vorhandenes – wie die Feuerwehren oder Vereine – zu unterstützen. Es gibt vieles in unseren Ortsteilen, das durch den Einsatz vieler Freiwilliger bereits gut läuft, zum Beispiel das Vereinshaus Lämmchen in Calbitz oder die Mühle in Luppa. Es wäre aus meiner Sicht sinnvoller, mit den Mitteln der Gemeinde solche Projekte, die sich bereits bewährt haben, intensiver zu unterstützen.

Aber was ist mit dem Argument in der Region touristisch mehr bieten zu können, wenn der Kleinbahn-Betrieb ausgeweitet wird?

Seit einigen Jahren wird schon darüber diskutiert und sich darum bemüht, eine intakte Radverbindung zwischen Mulde und Elbe durch die Region zu führen. Das sollte zunächst zum Abschluss gebracht werden. Eine funktionierende Radroute hätte sicher auch Effekte für die Region, die Radler müssen ja irgendwo einkehren, einkaufen und übernachten. Ich wünsche mir, dass hier erst einmal etwas zu Ende gebracht wird, bevor das nächste Fass aufgemacht wird.

Ist es am Ende ein Geldproblem für Wermsdorf?

Wir haben hier kein Geldproblem, aber immer dafür gesorgt, dass die Pro-Kopf-Verschuldung nicht so hoch ist und die Gemeinde kreditwürdig bleibt. Das hat auch mit einer funktionierenden Firmenstruktur zu tun. Als Unternehmer unterstütze ich zukunftsorientierte Investitionen wie das Projekt Grundschule gern, aber mir ist es wichtig, dass das Geld nur ausgegeben wird, wenn vorher alles gründlich durchdacht ist. Deshalb brauchen wir im Vorfeld weiterer Diskussionen eine Machbarkeitsstudie, die auch die Folgekosten einer Kleinbahn-Erweiterung berücksichtigt. Ich möchte wissen, was der Unterhalt für Strecke, Loks, Wagen, Haltepunkt und der Zubringer einer möglichen Endhaltestelle nach Wermsdorf kostet und wie viele Jahre die Bahn erfolgreich fahren muss, damit sich die Investition rechnet. Das wären sicher nicht nur für mich legitime und notwendige Informationen. Meiner Meinung nach ist Wermsdorf nicht dafür bekannt, sich freiwillig an Projekten zu beteiligen, die aller Voraussicht nach ein ständige Zuschussgeschäft bleiben werden.

Jana Brechlin

Von Jana Brechlin

Wermsdorf 51.2803708 12.940642
Wermsdorf
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