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Oschatz Wermsdorfer Verein will sich für Regionalität beim Essen engagieren
Region Oschatz Wermsdorfer Verein will sich für Regionalität beim Essen engagieren
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17:28 05.10.2016
Lorenz Eskildsen ist Präsident des Vereines Fein und Sächsisch.
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Wermsdorf

Lorenz Eskildsen ist Präsident des 2014 gegründeten Vereines Fein & Sächsisch, der jetzt in die Offensive geht. Ziel der Mitglieder ist es, besondere Landwirtschaft mit besonderer Gastronomie zu verknüpfen und den Verbrauchern auf diese Weise echt sächsischen Genuss zu ermöglichen.

Herr Eskildsen, welche feinen Sachen aus Sachsen möchte der Verein unter einen Hut bringen?

Es geht uns darum, in Sachsen produzierte Agrarprodukte auf die Speisekarten sächsischer Gasthöfe zu bringen – nicht als Randnotiz, sondern als Standard. Konkret kann Mitglied werden, wer 50 Prozent der Produkte, die in seinem Haus angeboten werden, aus Sachsen bezieht – oder mehr. Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass das Kloßmehl von hier ist. Es geht darum, dass die Kartoffeln darin aus dem sächsischen Boden kommen.

Ist das überhaupt eine Herausforderung angesichts der vielen landwirtschaftlichen Betriebe in Sachsen?

Eine sehr große sogar, vor allem auf Seiten der Gastronomie. Sie können in manchen Gaststätten ein Leipziger Allerlei bekommen, in dem fast keine Zutat aus Sachsen verwendet ist. Die Bezeichnung „Sächsischer Kartoffelpuffer“ ist keine Garantie dafür, dass die Kartoffeln von hier sind.

Wie wollen Sie das kontrollieren?

Das ist der falsche Ansatz. Unser Verein will niemanden zu etwas verpflichten. Wir wollen kein Kontrollorgan sein oder Bürokratie aufbauen. Wir suchen nach geeigneten Mitgliedern und nehmen Bewerber auf. Diesen stellen wir Paten aus dem Verein an die Seite, die den Betrieben helfen, diese Ziele zu erfüllen und sie dabei zwei Jahre lang begleiten.

Wie groß ist der Verein?

Wir sind noch ein Start-up-Vereinchen. An dieser Initiative beteiligen sich sieben Landwirte und drei Gastonomen.

Und diese Landwirte können absichern, dass bei den Gastronomen mindestens zur Hälfte Regionales auf den Teller kommt ?

Definitiv ja. Wir haben einen Warenkorb mit Grundnahrungsmitteln definiert. Den können die im Verein mitwirkenden Agrarbetriebe komplett abdecken. Über weitere Erzeuger müssen wir nachdenken, wenn weitere Gastronomen in noch nicht von uns erschlossenen Regionen zu uns stoßen.

Sind die beteiligten Landwirte und Tierhalter schon an der Kapazitätsgrenze?

Nein. Unser Ziel ist tatsächlich Regionalität. Dazu gehören kurze Transportwege. Ein neuer Partner in der Gastronomie soll nicht von einem Hof am anderen Ende Sachsens beliefert werden.

Zur Vermarktung sächsischer Produkte gibt es schon eine Reihe von Initiativen und Siegeln. Warum wird noch ein neues gebraucht, was bezwecken die Vereinsmitglieder mit ihrem Engagement?

Diese Sachsen-Label hatten ihre Höhen und Tiefen. Aus Schleswig-Holstein kenne ich die Initiative „fein und heimisch“. Das ist ein gut funktionierendes System, bei dem wir uns einiges abgeschaut haben. Ich lebe inzwischen lange genug hier – da fühle ich mich schon verpflichtet, mich einzubringen. Ziel ist es, bewussten Verbrauchern Qualität aus der Region zu bieten. Dabei sind Sachsens Grenzen unser Gartenzaun.

Dieses Bewusstsein muss man sich aber auch leisten können...

... aber vor allem wollen. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes. Heute ist vor allem die Zeit der Faktor, der über die Qualität des Essens bestimmt. Wer sein Büro nur für eine kurze Mittagspause verlassen kann, möchte doch, dass seine Mahlzeit schnell auf dem Tisch steht. Und ist dann bei all unseren Aktivitäten am Wochenende tatsächlich die Zeit da, aus hochwertigen regionalen Produkten etwas frisch zuzubereiten? Hier muss ein Sinneswandel her. Dafür wollen wir trommeln und handeln. Der finanzielle Aspekt spielt eine Rolle. Aber da muss man sich zum Beispiel auch darüber klar werden, wie oft den ein Braten auf den Tisch kommen muss.

Wenn es nach Ihnen geht, sollte das dann ein Gänsebraten sein?

Natürlich freue ich mich über jeden, der bei mir einkauft. Aber Fein & Sächsisch dient nicht der Gänsevermarktung. Mein wichtigstes Standbein ist der Gänseverkauf hier auf dem Hof. Und ich verstehe mich auch als Gastronom, stelle mich der Herausforderung, unseren Gästen überwiegend regionale Erzeugnisse auf den Teller zu bringen.

Mit drei Gasthöfen sind die feinen und sächsischen Häuser derzeit eher Exoten. Welche Mitgliederzahlen will der Verein in diesem Sektor erreichen?

Auf jeden Fall mehr. Aber Klasse, also die Einhaltung unserer Kriterien, steht vor Masse. Ich denke, dass hier – ein Umdenken bei vielen Verbrauchern vorausgesetzt – sogar eine Chance für viele Landgasthöfe liegt. Ja, wir hoffen, mit unserer Initiative bei der Gestaltung der ländlichen Räume mitwirken zu können. Ich glaube außerdem, dass die Massenproduktion von Agrargütern ihren Zenit bereits überschritten hat.

Der Verein ist bereits zwei Jahre alt. Wieso spricht er erst jetzt mit so deutlicher Stimme?

Wir waren anfangs einigermaßen naiv und blauäugig. Wir haben viel Kraft darauf verwendet, Möglichkeiten zu suchen, wie wir eine hauptamtliche Struktur aufbauen können. Dazu waren wir auch ermutigt worden. Jetzt haben wir erkannt, dass das ehrenamtlich funktionieren muss, sind da mit neuem Elan dabei. Ich habe gelernt, dass ein Verein, wo jedes Mitglied überzeugt und mitgenommen werden will und muss, deutlich anders funktioniert als ein Unternehmen. Dieses Ehrenamt ist angesichts eines bisher schon ausgefüllten Arbeitstages eine große Herausforderung, bereitet mir aber auch viel Spaß.

Von Axel Kaminski

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