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Wermsdorfer Wald wird offiziell Waldgebiet des Jahres 2018

Forst Wermsdorfer Wald wird offiziell Waldgebiet des Jahres 2018

Am Mittwoch wird der Wermsdorfer Wald offiziell zum Waldgebiet des Jahres 2018 gekürt. Das 5100 Hektar große Gebiet, das zuletzt vom Sturm „Friederike“ stark getroffen wurde, soll dadurch bundesweite Aufmerksamkeit erfahren.

Immer wieder ein Erlebnis, den Wermsdorfer Wald per Pedes oder Fahrrad zu durchstreifen.

Quelle: Uwe Zabell

Wermsdorf. Was haben der Frankenwald, der Usedomer Küstenwald und der Grunewald gemeinsam? Alle drei Flächen waren bereits „Waldgebiet des Jahres“. Jetzt reiht sich der Wermsdorfer Wald in diese bundesweite Auszeichnung ein: Am Mittwoch wird das Areal um die Landeswaldreviere Collm, Horstsee und Wermsdorf offiziell zum Waldgebiet des Jahres 2018 gekürt. Vergeben wird diese Ehrung durch den Bund Deutscher Forstleute, dessen Vorsitzender Ulrich Dohle die Auszeichnungsveranstaltung im Schloss Hubertusburg eröffnen wird.

Hier, im Schloss Hubertusburg, wird die Auszeichnung übergeben

Hier, im Schloss Hubertusburg, wird die Auszeichnung übergeben.

Quelle: Axel Kaminski

Nach dem Festakt mit geladenen Gästen folgt ab 16.30 Uhr ein öffentlicher Teil für alle interessierten Besucher: Am Kirchenteichparkplatz, im Wald zwischen Wermsdorf und Sachsendorf, treffen sich Gastgeber, Einwohner und Gäste zur Enthüllung eines Gedenksteines. Ursprünglich sollten die Anwesenden dann zum Spaten greifen und zahlreiche junge Bäume in die Erde bringen, diese Pflanzaktion wird jedoch auf den April verschoben. Nach dem jüngsten Wintereinbruch und anhaltenden Minusgraden ist der Boden noch gänzlich gefroren, so dass die jungen Eichen noch geschützt im Einschlag bleiben, erklärte Sprecherin Christiane Wolfram. Dennoch bereitet sich der Forstbezirk heute auf viele Besucher vor. „Neben Jagdhornmusik wird es bei einer gemeinsamen warmen Mahlzeit genug Anlass geben, den Wermsdorfer Wald als Waldgebiet des Jahres 2018 zu würdigen“, lädt Andreas Padberg ein, Leiter des Forstbezirkes Leipzig, zu dem der Wermsdorfer Wald gehört.

Menschen der Region einbeziehen

Man wolle zur Eröffnung und während des folgenden Aktionsjahres immer auch die Menschen aus der Region einbeziehen. „Denn sie sind es, die hier seit Generationen mit dem Wald leben, sich mit freuen, wenn sich etwas Tolles entwickelt und mitleiden, wenn Stürme ihrem Wald schwer zusetzen.“

Bewerbung vor einem Jahr

Als sich der Forstbezirk vor einem Jahr um den Titel „Waldgebiet des Jahres“ bewarb, hatte man für das Aktionsjahr Familienwanderungen, Fotoexkursionen und Ausstellungen im Sinn. Dabei, so der Plan, sollten die Besucher aus der ganzen Bundesrepublik erfahren, wie sich der Wald um Wermsdorf über Generationen entwickelt hat, wie Kurfürsten hier ihren Spielplatz für Jagden gestalteten, wie Bewirtschafter auf schnell wachsendes Nadelholz setzten und wie Forstinspektoren erste Schritte hin zu einem Waldumbau unternahmen. „Am Wermsdorfer Wald kann man ganz wunderbar ablesen, wie ein Ökosystem mit sich wandelnden klimatischen Bedingungen und Nutzungsanforderungen zurechtkommen kann“, beschreibt Andreas Padberg. Ideen zur Gestaltung des Waldjahres gab es bereits viele.

Planänderung nach „Friederike“

Doch dann fegte am 18. Januar Sturmtief „Friederike“ über Deutschland und richtete auch im Wermsdorfer Wald massive Schäden an: 45 000 Festmeter Holz – das entspricht über 100 000 einzelnen Bäumen – gingen dabei zu Bruch. Der Sturm selbst dauerte nur ein paar Stunden, seine Auswirkungen dagegen werden noch lange zu spüren sein. „Viele Flächen sind richtig kahl, da ist das Werk von Generationen zerstört. Selbst unsere älteren Kollegen im Forst können sich an nichts Vergleichbares erinnern“, erzählt Padberg, „wer als Förster oder Forstarbeiter hier jahrelang seine Arbeitskraft investiert hat, für den war dieses Ereignis zutiefst niederschmetternd. Da wurde ein Stück Lebenswerk zerstört.“

Mit Erntemaschinen schaffen Forstarbeiter das Bruchholz aus dem Wald

Mit Erntemaschinen schaffen Forstarbeiter das Bruchholz aus dem Wald.

Quelle: Axel Kaminski

Anstatt an Programmen für das Aktionsjahr zu basteln, galt es nun, schnell Aufräumarbeiten zu koordinieren. Über ein Jahr, so die ersten Schätzungen, werden diese dauern. Das liegt auch daran, dass nicht genügend Arbeitskräfte und Gerätschaften zur Verfügung stehen. „Der Sturm hat überall in Deutschland seine Spuren hinterlassen, entsprechend ausgebucht sind jetzt die Forstbetriebe.“ Zuletzt hatte man sich im Wermsdorfer Wald auf das Areal um den Kirchenteich konzentriert, damit die Eröffnung heute und weitere Veranstaltungen an dem beliebten Treffpunkt stattfinden können. Ganz in der Nähe befindet sich auch ein Kulturlandschaftsmuseum, das von der Friedrich-Gustav-Klemm-Gesellschaft gepflegt wird. Neben Besichtigungen finden Sommerlager statt, bei denen sich Freiwillige, oft Schüler und Studenten, um die Reste einer jahrtausende alten Siedlung kümmern und weitere Funde zu sichern.

Die Waldjugendspiele im Wermsdorfer Wald finden im Juni statt

Die Waldjugendspiele im Wermsdorfer Wald finden im Juni statt.

Quelle: Jana Brechlin

Außerdem kommen jedes Jahr im Frühsommer mehrere hundert Grundschüler an den Kirchenteich im Wermsdorfer Forst, um hier an den Waldjugendspielen teilzunehmen. Diese soll es auch in diesem Jahr – Sturmschäden hin oder her – wieder geben, versichert Forstdirektor Andreas Padberg. „Die Schulen hatten bereits ihre Zusagen“, sagt er, „die Spiele ausfallen zu lassen, war keine Option.“ So werden auch dieses Jahr wieder Dritt- und Viertklässler an einem ganzen Tag im Wald viel über Forstwirtschaft, Tiere und Pflanzen oder die Jagd erfahren. Gestaltet wird das Ganze mit Spielen, Rätselaufgaben und praktischen Einheiten, bei denen Geschick und Teamgeist der Kinder gefordert sind. Und sicher spielt dabei auch der Sturm „Friedrike“ eine Rolle, denn es ist unmöglich, bis dahin alle umgestürzten Bäume aus dem Wald zu bekommen, auch wenn die Aufräumarbeiten bereits laufen.

Borkenkäferplage soll verhindert werden

„Im Revier Horstsee zum Beispiel haben wir zwei Maschinensysteme im Einsatz, denn jetzt drängt die Zeit“, so Padberg. Zwar sei es momentan noch winterlich kalt, doch mit steigenden Temperaturen droht eine Borkenkäferplage, wenn viel Nadelholz im Wald liegt. „Bei 10 bis 15 Grad beginnen die Käfer zu schwärmen und finden in liegendem Material genügend Bruträume“, beschreibt Padberg. Deshalb gelte es jetzt, zuerst Fichten und Lärchen aufzuarbeiten und aus dem Wald zu schaffen.

Unterstützung für private Waldbesitzer

Das ist nicht nur ein Problem des Landeswaldes, sondern betrifft auch die privaten Besitzer mit ihren Flächen. Hier leistet der Forstbezirk Unterstützung, bietet Beratungen und Schulungen an. Deshalb soll das Aktionsjahr im Wermsdorfer Wald auch genutzt werden, um Eigentümern Risikomanagement und Risikovorsorge zu vermitteln. „Damit erhält unsere 9. Regionaltagung am 20. April einen aktuellen Schwerpunkt“, blickt der Forstbezirksleiter voraus. Gemeinsam mit dem Sächsischen Waldbesitzerverband, dem Deutschen Forstwirtschaftsrat und dem Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft werden Teilnehmer dann über den Schutz vor Sturmschäden, Aufforstung und Fördermittel informiert.

Umbau zu Laubwald

Bei der Wiederbewaldung von beschädigten Flächen setzen Forstexperten auf einen gesunden Mix, der durch Laubbäume geprägt ist. Zwar hat „Friederike“ selbst Buchen entwurzelt, jedoch sind Nadelhölzer in Größenordnungen betroffen. „Wenn uns der Sturm eines gezeigt hat, dann dass Nadelbäume hier nicht standortgerecht sind. Der Waldumbau ist keine Modeerscheinung, sondern dringende Notwendigkeit.“

Experten zu Gast

Darin dürften sich auch die Experten, die heute zur offiziellen Eröffnung des Waldjahres nach Wermsdorf kommen, einig sein. Neben Umweltstaatsminister Thomas Schmidt begrüßt auch der Vorsitzende des Bundes Deutscher Forstleute, das das Aktionsjahr ausgelobt hat, Ulrich Dohle die Gäste. Außerdem ist der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates Georg Schirmbeck zu Gast. Darüber hinaus kommen heute auch Menschen aus der Region zu Wort – die auch in den nächsten Monaten zu eigenen Veranstaltungen einladen werden.

Effekte für Region

So hatte sich das der Bund Deutscher Forstleute gedacht, als nach dem Internationalen Jahr der Wälder 2011 das Aktionsjahr „Waldgebiet des Jahres“ ausgelobt wurde, um die Aufmerksamkeit auf herausragende Forstregionen zu lenken, die für ihre Regionen besondere Funktionen erfüllen und deshalb auch überregionales Interesse verdienen. Auf solche Effekte hoffen jetzt auch die Wermsdorfer. Bürgermeister Matthias Müller bezeichnet es als große Ehre, dass mit dem Wermsdorfer Wald der Titel erstmals nach Sachsen geholt werden konnte. „Unser Wald ist auf jeden Fall einen Besuch wert – der übrige Ort und die Umgebung aber auch“, findet er. Das sehen die Mitglieder von Heimatverein und Freundeskreis Schloss Hubertusburg ähnlich: Sie warten mit Wanderungen, einem Lehrpfad und Führungen durch das barocke Jagdschloss Hubertusburg auf interessierte Gäste.

www.waldgebiet-des-jahres.de

Von Jana Brechlin

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Landkreis: Nordsachsen

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