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Wermsdorfer singt Heiligabend bei Dresdner Kapellknaben in der Hofkirche

Musik Wermsdorfer singt Heiligabend bei Dresdner Kapellknaben in der Hofkirche

Michael Kunze ist eines von 60 Mitgliedern des Knabenchores der Dresdner Kathedrale. Am Heiligabend singt der Junge aus Wermsdorf in der Hofkirche der Landeshauptstadt. Und am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages fährt er zu seinen Eltern nach Wermsdorf.

Michael Kunze (roter Pfeil) singt heute mit den Dresdner Kapellknaben in der Hofkirche der Landeshaupstadt.

Quelle: Bärbel Schumann

Wermsdorf/Dresden. Auf eine über 300-jährige Geschichte blickt der Knabenchor der Dresdner Kathedrale, im Volksmund als Hofkirche bezeichnet, zurück. Die Sänger sind nicht nur bei Freunden des Chorgesangs als „Dresdner Kapellknaben“ bekannt. Einer der derzeit 60 Chormitglieder kommt aus Wermsdorf und heißt Michael Kunze. Als Sänger der Kapellknaben ist es ihm nicht möglich, den Heiligen Abend und auch den ersten Weihnachtsfeiertag daheim zu verbringen. Die Kapellknaben gestalten seit fast 20 Jahren das Krippenspiel in der Katholischen Hofkirche. Am gleichen Ort hat ihre Mitwirkung gemeinsam mit der Sächsischen Staatskapelle beim Festgottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag, der vom Landesbischof abgehalten wird, seit Jahrzehnten Tradition. Erst danach geht es für die Chorknaben nach Hause.

„Ich war damals mächtig stolz, als mein Sohn es schaffte, bei dem Chor Mitglied zu werden. Als Mutter war es aber auch nicht leicht, das Kind schon so früh ins Internat zu geben. Aber er wollte es, hat sich für Musik schon immer begeistert“, erzählt die Wermsdorferin Monika Kunze. Schon von Kinderbeinen an habe Michael – wann immer sich Gelegenheit bot – gesungen, auch bei Veranstaltungen der katholischen Kirchgemeinde in seinem Heimatort.

Einladung nach der Erstkommunion

Eines Tages flatterte nach der Erstkommunion eine Einladung des Kapellknabenchores bei den Kunzes zum Tag der offenen Tür ins Haus. „Aus Neugier haben wir uns das mal angesehen und Michael war schnell begeistert“, blickt seine Mutter zurück. Schließlich wagte es der damalige Grundschüler sozusagen auf Probe, ein Kapellknabe zu werden. Da war er Drittklässler. Reichlich ein halbes Jahr bekam er Grundlagen in Musiktheorie, Notenkunde und Gesang neben dem normalen Schulbesuch vermittelt. Wohnen im Internat, neue Freunde finden, war ebenso eine Herausforderung.

„Nach Ostern legen dann die Jungs eine Prüfung ab. Wer sie besteht, wird bei uns als echter Kapellknabe aufgenommen und erhält die Chorkleidung“, erzählt Internatsdirektor und Geschäftsführer des Chores Michael Hirschmann. Der Wermsdorfer Junge schaffte diese Prüfung und singt seitdem im Chor, ist einer der derzeit 60 Kapellknaben.

Von ihnen leben 15 im Internat, andere im Tagesinternat, weitere daheim bei ihren Familien in Dresden. Das Lob Gottes und die Pflege des kulturellen Erbes der Hofkirchenmusik sind die Hauptaufgaben der Dresdner Kapellknaben, die dem Chorverband „pueri cantores“ angehören, kulturelle Botschafter der Europäischen Union sind und 2014 zum immateriellen Weltkulturerbe nominiert wurden.

Ausbildung am Kapellknabeninstitut der Kathedrale

Die Sänger im Alter von acht bis 19 Jahren werden am Kapellknabeninstitut der Kathedrale musikalisch ausgebildet. Chordirektor ist Kirchenmusikdirektor Matthias Liebich. Konzertreisen führten den Chor in der Vergangenheit in viele europäische Städte, den Vatikan, nach Kuba und in die USA. Doch ihre Konzertreisen sind nicht ganz so intensiv wie die des Dresdner Kreuzchores. Der verfügt über mehr Sänger und kann so leichter Stimmbrüche oder das Ausscheiden von Solisten verkraften. „Wir können deshalb oft nicht so langfristig Konzerte planen“, erklärt Hirschmann.

Wer im Internat wie Michael Kunze wohnt, besucht am Tag eine Schule. Viele gehen auf das St. Benno-Gymnasium, aber auch andere Schulen stehen offen. Jeden Tag, außer Donnerstags, wird nach dem Erledigen der Hausaufgaben im Chor geprobt. Zudem erlernt jeder der Kapellknaben ein Instrument. Auch am Sonnabendvormittag steht Proben auf dem Programm. „Aller drei bis vier Wochen sieht das aber anders aus. Da fahren die Internatsschüler am Heimfahrwochenende bereits am Freitagmittag nach Hause“, erzählt der Internatsdirektor.

Trotz der Chorvorgaben bleibt für die Jungs Zeit, Hobby und Freundschaften zu pflegen, in der Stadt unterwegs zu sein oder auch auf dem Fußballplatz am Internat zu toben. „Wir legen viel Wert auf eine familiäre Atmosphäre bei uns. Das heißt zum Beispiel, dass die Größeren die Jüngeren unterstützen.“ Und Michael Hirschmann weist darauf hin, dass eine Mitgliedschaft in der Katholischen Kirche kein Muss ist, wenn ein Junge Kapellknabe werden möchte. „Wir sind offen für alle.“

Jungs beim Straßenbahnsingen unterwegs

In der Weihnachtszeit haben die Sänger besonders viel zu tun. Einmal warten ihre Pflichten als Chor an der Hofkirche. Zu Weihnachten gehört dazu auch das Krippenspiel. Außerdem wird der Chor zu Adventskonzerten eingeladen und die Sänger sind auch auf Benefizkonzerten gern gesehen. Nach dem Krippenspiel am Heiligen Abend geht es für die Internatsschüler wie Michael Kunze zurück ins Internat. Gemeinsam wird festlich gegessen, ehe es eine Bescherung mit Geschenken vom Chor und unter den Mitgliedern gibt. „Später pflegen wir die Tradition, dass die Jungs beim sogenannten Straßenbahnsingen in Bussen und Straßenbahnen unterwegs sind. Mit Liedern und kleinen Geschenken erfreuen sie die Fahrer“, erzählt Hirschmann. Um 22 Uhr werden die Stimmen vor allem der großen Sänger wieder in der Kathedrale zur Christnacht gebraucht. Michael Kunze, der inzwischen 15-jährig ist, wird dort ebenso mitsingen. Am ersten Feiertag geht es um 10 Uhr schon wieder zum Einsingen in die Kathedrale. Erst danach beginnen die Weihnachtsferien. „Ich freue mich immer, wenn ich meinen Sohn bei einem Auftritt erleben kann. Er ist mit vollem Herzen Kapellknabe. Ich denke als Mutter, dass wir damals vor sieben Jahren alles richtig gemacht haben.“

Viele der Kapellknaben singen nach ihrer Chorzugehörigkeit, auch wenn sie andere Berufe ergreifen, in anderen Chören weiter. Denn das eint sie: Liebe zu Musik und Gesang sowie die Freude, anderen Menschen Freude zu bereiten.

Von Bärbel Schumann

Wermsdorf 51.2803708 12.940642
Wermsdorf
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