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Wermsdorfs Bürgermeister will verlässliche Zahlen zur Erweiterung der Kleinbahnstrecke

Schmalspurbahn Wermsdorfs Bürgermeister will verlässliche Zahlen zur Erweiterung der Kleinbahnstrecke

Der Wermsdorfer Bürgermeister Matthias Müller steht der Erweiterung der Kleinbahnstrecke bis an den Döllnitzsee skeptisch gegenüber. Er fordert eine Machbarkeitsstudie, bevor weiter über die Pläne diskutiert wird und kritisiert, dass keine verlässlichen Zahlen für die Kostenschätzung genannt werden.

Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller verlangt eine Machbarkeitsstudie, bevor die Erweiterung der Kleinbahn-Strecke nach Wermsdorf weiter forciert wird.

Quelle: Sven Bartsch

Wermsdorf. In die Erweiterung der Schmalspurbahn nach Wermsdorf soll Bewegung kommen. Das erklärten der Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar und der Geschäftsführer der Döllnitzbahn GmbH Ingo Neidhardt (wir berichteten): Die Zeit für das Millionenprojekt sei besonders günstig. Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller (CDU) sieht das anders.

Matthias Müller

Matthias Müller

Quelle: Dirk Hunger

In Oschatz herrscht große Begeisterung wenn es um die Wiederbelebung der Kleinbahnstrecke bis Wermsdorf geht. Ist die Welle der Euphorie auch bis ins Alte Jagdschloss geschwappt?

Das ist durchaus eine interessante Idee. Allerdings sind aus meiner Sicht noch viele Fragen offen, wir entscheiden im Wermsdorfer Gemeinderat nicht aus dem Bauch heraus, sondern aufgrund von verlässlichen Zahlen. So lange die fehlen, gibt es keinen Anlass zur Euphorie.

Der Döllnitzbahngeschäftsführer hat darauf verwiesen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen für eine Realisierung günstig sind.

Es ist aber unklar, welche Rahmenbedingungen gemeint sind. Was für Förderprogramme kommen infrage, um die Strecke zu erweitern? Darauf gab es bis jetzt keine Antwort. Das ist alles noch sehr vage.

Immerhin gibt es im Projektvorschlag zur Streckenerweiterung eine Kostenschätzung, die Gesamtinvestitionen sollen demnach bei 4,5 Millionen Euro liegen – eine ganz konkrete Zahl oder wie sehen Sie das?

Ich kenne Kostenschätzungen aus Ingenieurbüros, die dazu aktuelle Baupreise zugrunde legen. Das ist hier nicht passiert, deshalb halte ich es für vermessen, in diesem Zusammenhang von einer Kostenschätzung zu sprechen.

Die Döllnitzbahn GmbH hat bereits anderswo an der Strecke gebaut und Investitionen umgesetzt und hat demnach Erfahrungswerte.

Das ist richtig, und das will ich auch niemandem absprechen. Und ich sage ganz offen, ich kenne mich im Bahnbetrieb nicht aus. Gerade deshalb ist es mir wichtig, belastbare Zahlen auf dem Tisch zu haben, bevor über eine so große Investition entschieden wird.

Was ist also Ihr Vorschlag?

Für ein Projekt in dieser Größenordnung – mehrere Millionen Euro – sollten wir zunächst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Darin müssen Fragen der Bürgerbeteiligung, Nutzungskonflikte mit Streckenanliegern und naturschutzrechtliche Belange geklärt werden, immerhin würde sich der Endpunkt der Strecke am Döllnitzsee in einem Vogelschutzgebiet befinden. Das heißt, bauliche Maßnahmen – für Parkplatz, Imbiss oder Fahrradverleih – brauchen ein Planfeststellungsverfahren. Außerdem ist der Döllnitzsee eine Talsperre, hier geht es also auch um Hochwasserschutz, der womöglich berührt wird. Und dann gehören eine seriöse Kostenschätzung und touristische Effekte in eine solche Studie.

Die wiederum auch Geld kostet.

Ja, allerdings können solche Untersuchungen bis zu 75 Prozent gefördert werden. Und wir als Gemeinde wären bereit, unseren Anteil beizutragen, wenn die anderen Kommunen ebenfalls mitziehen. Aber immerhin wären anschließend die Herausforderungen geklärt und wir hätten Ergebnisse, die Hand und Fuß haben. Unter diesen Voraussetzungen kann man dann eine Entscheidung guten Gewissens treffen.

Sie haben bei der ersten Präsentation zur Erweiterung der Schmalspurbahn vor zwei Jahren keinen Hehl daraus gemacht, dass Ihnen die Idee nicht besonders gefällt. Bleiben Sie dabei?

Um das klarzustellen: Ich möchte hier nicht den Bremser vom Dienst geben, auf keinen Fall. Schließlich haben wir bisher in Wermsdorf einige große Projekte realisiert, zum Beispiel Feuerwehrgerätehäuser oder die Turnhalle neu gebaut und derzeit sind wir dabei, den Grundschulneubau umzusetzen. Auch zu touristischen Projekten bekennen wir uns, nicht umsonst sanieren wir gerade den Albertturm auf dem Collm. Es muss aber immer machbar und finanziell auch überschaubar sein. „Die Fördertöpfe sind so voll wie noch nie“ ist eine Pauschalaussage und kein Garant, dass Geld für diesen Zweck auch wirklich ausgeschüttet wird. Ich weiß, dass in diesen Größenordnungen allein Planungskosten mindestens sechsstellig sind. Auch bei Umweltverträglichkeitsstudien und Ausgleichsmaßnahmen fallen schnell sechsstellige Summen an – da sind mir die 4,5 Millionen Euro Gesamtkosten doch sehr optimistisch angesetzt. Wir haben viel zu tun und können jeden Euro nur einmal ausgeben, denn ohne Eigenmittel der beteiligten Kommunen wird es nicht gehen.

Ein wichtiges Argument für die Erweiterung ist, dass die Döllnitzbahn mit Schloss Hubertusburg ein attraktives Ziel hat und es auch Effekte für Dienstleister wie in der Gastronomie geben soll. Das wäre doch auch im Wermsdorfer Interesse, oder?

Das Schloss Hubertusburg ist zweifellos ein attraktives Ziel, eine hochwertige Dauerausstellung gibt es leider allerdings immer noch nicht. Dafür sind wir weiter mit möglichen Partnern im Gespräch und hoffen auch auf den Freistaat, immerhin haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2013 hier eine überaus erfolgreiche Sonderausstellung kuratiert. Solange eine solche Nutzung fehlt, fehlt auch ein Anziehungspunkt im Schloss. Und dann muss man einen Blick auf den möglichen Fahrplan werfen: Demnach braucht die Schmalspurbahn vom Oschatzer Bahnhof bis zum Endpunkt Döllnitzsee fast zwei Stunden. Dann müssen die Fahrgäste von dort noch zum Schloss Hubertusburg kommen, sich hier etwas anschauen, im Ort essen gehen und zwei Stunden zurückfahren – ein straffes Programm für den ganzen Tag. Verweilen an der Strecke fällt dabei flach.

Können Sie der Idee so gar nichts abgewinnen?

Doch, aber, und da wiederhole ich mich jetzt, nur mit einer soliden Kostenschätzung und mit einem für uns bezahlbaren Einsatz. Warum reden wir nicht darüber, die Strecke lediglich bis nach Mahlis zu reaktivieren? Dort steht sogar noch das Bahnhofsgebäude, im Dorf gibt es tolle Veranstaltungen, zu denen man mit der Bahn fahren könnte und letztlich könnte von Mahlis aus die Weiterfahrt organisiert werden. Damit wären wir planungsrechtlich auch auf der sicheren Seite.

Von Jana Brechlin

Wermsdorf 51.2803708 12.940642
Wermsdorf
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