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"Wie lang hält man es aus, ohne verrückt zu werden?"

"Wie lang hält man es aus, ohne verrückt zu werden?"

Gerade das Abitur in der Tasche ist Elisa Walter aus Oschatz gemeinsam mit dem Student Robert Pauli aus Clanzschwitz nach Nepal aufgebrochen: Hier wird das junge Paar vier Monate verbringen, auf ökologisch bewirtschafteten Bauernhöfen arbeiten und natürlich wandern.

In der OAZ berichten sie über ihre Erlebnisse. Hier der erste Teil, den beide kurz nach ihrer Ankunft gesendet haben:

 

"Nepal? Wo liegt das eigentlich?", wurden wir in den Wochen vor unserer Abreise oft gefragt. Diese Frage sei verziehen, denn groß ist das Land wirklich nicht. Auf der Landkarte zwischen den Riesen Indien und China gequetscht, wird es leicht übersehen. Nähert man sich jedoch selbst aus der Luft, erheben sich die beeindruckenden Achttausender des Himalaya weit sichtbar über die Gangesebene.

 

Der einzige internationale Flughafen Nepals in der Hauptstadt Kathmandu scheint wie dafür geschaffen, die Reisenden aus Hightech-Frankfurt oder auch Delhi vorzuwarnen: Ab hier ist Nepali-Style, ab hier läuft alles ein wenig anders- Ein klappriger Bus, dessen Türen nicht mehr schließen und dessen Lack man kaum noch erahnen kann, bringt uns zum Flughafengebäude. Dort gibt die Visavergabe einen trefflichen Eindruck, was man in Nepal unter Bürokratie versteht: Im Antrag mehr Lücken als Informationen, keine Unterschrift? Kein Problem, sobald die 80 Euro auf dem Tisch liegen.

 

Nach den ersten Schritten hinaus auf Kathmandus Straßen müssen wir die Köpfe einziehen vor den "Need a taxi?"-Rufen, die uns von allen Seiten bombardieren. Nein, danke. Wir wollen laufen, auch mit 15 Kilo Gepäck auf dem Rücken und über 30 Grad bei stechender Sonne. Jeder Tropenkenner wird uns belächeln angesichts dieser Spätseptemberwärme auf 1400 Meter, aber Jetlag und 22 Stunden Aufenthalt in Delhi stecken uns in den Gliedern. Die Mühe lohnt sich aber auf jeden Fall, will man alles hautnah kennen lernen. Wir wandern durch schmale Gassen, die mit Müll gepflastert sind und deren Rinnen vom vergangenen Monsun zeugen. Man könnte die Häuser als russisch bezeichnen, doch es ist russischer als russisch, wie Bretter kreuz und quer liegen, Stromleitungen in wildem Durcheinander gezogen sind und überstehende Baustahlelemente einen provisorischen Abschluss des Hauses bieten - die nächste Aufstockung kommt bestimmt!

 

Wer bis jetzt nicht glaubt, dass die Stadt boomt, wird von den Verkehrsströmen eines Besseren belehrt. Es herrscht scheinbar wildes Chaos und Linksverkehr, das einzig Verlässliche dabei sind die lauten, von überall her dröhnenden Hup-Geräusche. "The car horn is our way to express ourselves" - die Hupe als Selbstverwirklichung - war uns schon am Flughafen prophezeiht worden.

 

Die Frage, die uns nach einem Tag in Kathmandu bleibt, ist nur: Wie lang hält man es hier aus, ohne verrückt zu werden?

Elisa Walter

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