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Oschatz „Wilder Robert“ dampft wieder bis zum Kaolinwerk Kemmlitz
Region Oschatz „Wilder Robert“ dampft wieder bis zum Kaolinwerk Kemmlitz
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06:00 10.09.2018
Werner Springer in der Uniform eines Obersekretärs fährt die 99584 bei ihrem ersten Einsatz von Mügeln nach Kemmlitz. Quelle: Axel Kaminski
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Mügeln

Das geflügelte Wort, etwas in vollen Zügen zu genießen, konnte beim Bahnhofsfest am Wochenende ohne Häme oder Ironie gebraucht werden. Die Veranstalter durften sich über zumeist gut besetzte Züge freuen und die Fahrgäste in Richtung Glossen und Kemmlitz über jede Menge Rauch. Die geladenen Gäste auf dem Aussichtswagen nahmen den Ruß der altgedienten 99574 und ihrer frisch rekonstruierten Kollegin 99584 auf der ersten fahrplanmäßigen Fahrt zum Bahnhof Kemmlitz nach rund zwölf Jahren locker hin.

Bevor der Festzug mit beiden Dampfloks am höchstgelegenen Punkt des Mügelner Netzes ankam, boten die Döllnitzbahner, verstärkt durch Personal der Zittauer Schmalspurbahn, den Besuchern im Zug und an der Strecke ein Spektakel. Nur Insider dürften wissen, wann zum letzten Mal ein Zug mit zwei vorgespannten Dampfloks den Mügelner Bahnhof in Richtung Nebitzschen verlassen hat. Dort trennten sich die Wege der Lokomotiven. Während es für die Gäste der Eröffnungsfahrt mit der „neuen Lok“, die ebenfalls über 100 Jahre alt ist, nach Kemmlitz ging, konnten die Fahrgäste des anderen Zuges dann in Glossen auf die Züge der Feldbahn umsteigen.

Seit Sonnabend kann die Strecke nach Kemmlitz wieder komplett, also bis zum Bahnhof am Kaolinwerk befahren werden. Außerdem ist die rekonstruierte Lok 99584 nun offiziell wieder im Dienst.

Mit Sekt angestoßen

Bereits vor der Abfahrt in Nebitzschen war mit Sekt angestoßen und das Band zerschnitten worden, um den kompletten Weg zum Kemmlitzer Bahnhof freizugeben. Dort erläuterte Bahnmitarbeiter Uwe Jachmann, dass es sich bei der in Dienst gestellten 99584 um eine Ur-Mügelnerin handelt, die im Jahr 2000 abgestellt worden war. Bürgermeister Johannes Ecke dankte der Sparkassenstiftung, die mit ihrem Engagement die Grundlage für die Wiederinbetriebnahme der Strecke gelegt habe sowie dem Landkreis und der Döllnitzbahn, die dieses Werk vollendet hätten. Holger Schilke zeigte sich an diesem Tag unzufrieden damit, dass vom Naturbad in der ehemaligen Kaolingrube „Frieden“ keine Rede war.

Blasmusik und Tanz

In der Zwischenzeit hatte sich in Mügeln der Platz zwischen Güterboden, Bahnsteigen und künftigem Geoportal weiter gefüllt. Die Besucher konnten sich am Wochenende bei Blasmusik und Tanzvorführungen unterhalten lassen, alte Trecker bestaunen oder einfach bei kühlen Getränken das Spätsommerwetter und den regen Zugbetrieb genießen.

Marianne Weigel, die gegenüber dem Bahnhof aufgewachsen ist, besucht das Bahnhofsfest jedes Jahr. Die 83-jährige gebürtige Mügelnerin hat früher täglich die Züge gesehen, gehört und gerochen und sich daran nicht gestört. „Ich freue mich, dass heute auf dem Bahnhof so viel Leben ist“, sagte sie.

Technisches Problem

Peter Kunze aus Suhl ist zufällig auf das Bahnhofsfest geraten. Er hatte gerade in seinem Heimatort Wermsdorf Quartier genommen. Bei einem Termin in Oschatz entdeckte er einen Handzettel zum Bahnhofsfest. Der Entschluss, dorthin zu fahren, sei schnell gefasst gewesen. Als 55er Jahrgang kenne er den Wermsdorfer Bahnhof noch.

Nach dem Fest-Zug nach Kemmlitz gab es am frühen Sonnabendnachmittag noch ein seltenes Bild. Die 99584 mit ihrem Zug aus Kemmlitz musste wegen eines technischen Problems mit einer Diesellok nach Mügeln geschleppt werden. Dank des vielen kompetenten Personals vor Ort war die Lok aber bereits wenige Stunden später wieder einsatzbereit und stand am Abend bei der Lokparade schon wieder in Positur.

Von Axel Kaminski

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