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Wirtschaftsminister nimmt Dachdeckerbetrieb aufs Korn

Wirtschaftsminister nimmt Dachdeckerbetrieb aufs Korn

Wenn Henry Korn (35) den Hauseigentümern aufs Dach steigt, dann um dafür zu sorgen, dass es nicht hineinregnet. In nunmehr fünfter Generation kraxelt die Familie Korn steil aufwärts, damit Bauherren für ihre Häuser eine schützende Hülle erhalten.

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Staatssekretär Roland Werner (l.) und FDP-Landtagsabgeordneter Torsten Herbst (r.) überreichen Henry (2.v.l.) und Ralf Korn eine Anerkennungsurkunde.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. von benjamin winkler

 

Als Anerkennung für diese Tradition hat Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) den Dachdeckerbetrieb aufs Korn genommen. In Morloks Auftrag überreichte gestern Staatssekretär Roland Werner an Henry Korn eine Urkunde. Unter dem Titel "Meisterleistung" zeigt das Wirtschaftsministerium bis 29. August eine Ausstellung zum sächsischen Handwerk, für die sich alte, familiengeführte Betriebe melden konnten. Die Dachdeckerei Korn zählt zu den 75 ausgewählten Firmen.

 

Viele Dächer in der Oschatzer Innenstadt tragen die Handschrift der Dachdecker-Dynastie - auch die St. Aegidienkirche haben die Fachleute eingedeckt und Gotteshäusern in Collm, Merkwitz, Dahlen, Borna, Ganzig, Liebschütz und Terpitz eine Haube verpasst.

 

Schieferdeckerei 1896 gegründet

 

Doch auch die größten Dachdecker-Meister fangen mal klein an. 118 Jahre reicht die Firmengeschichte zurück, als sich zu jener Zeit der Thüringer Geselle Albin Korn - der Ururgroßvater von Henry Korn - auf die Walz begab und sich 1896 in der Döllnitzstadt niederließ, um hier eine Schieferdeckerei zu gründen. "Er brachte die Schieferdeckung nach Oschatz", sagt Ralf Korn. "Vorher waren viele Dächer mit Stroh gedeckt, wodurch sich Brände rasch ausbreiten konnten." Ralf Korn, 58, übergab im Dezember 2010 den Dachdecker-Betrieb an seinen Sohn Henry. Als neue Aufgabe widmet er sich seitdem seinem Modellbahn-Fachhandel.

 

"Mit Blick auf die lange Tradition hoffe ich natürlich, die Firma auch in der Größe weiterzuführen", sagt Henry Korn. "Und das mit moderner Technik", ergänzt er. 16 Mitarbeiter beschäftigt sein Unternehmen an der Theodor-Körner-Straße 5b, das nicht nur Dachdecker- und Dachklempnerarbeiten, sondern auch den Gerüstbau- und demnächst auch Kran- und Hubsteigerarbeiten bis 30 Meter ausführt. 70 Prozent des Kundenstamms kommt aus Oschatz und Umgebung, aber auch Häuslebauer aus Leipzig und Dresden kommen auf den Familienbetrieb zurück. Volle Auftragsbücher gibt es immer nach schweren Stürmen und Hagelschlägen. Allein 450 Reparatur-Einsätze seien im Januar 2007 nach Orkan "Kyrill" zu bewältigen gewesen, auch der Pfingst-Tornado 2011 in Großenhain sorgte beim Berufsstand für Sonderkonjunktur, erzählt Ralf Korn.

 

Einsatz wurde auch zu DDR-Zeiten großgeschrieben. "Die SED-Führung hat immer wieder versucht, unseren selbstständigen Betrieb zu verstaatlichen oder einer Genossenschaft einzuverleiben", sagt Ralf Korn. Trotz der Steine, die ihnen in den Weg gelegt wurden, konnten sie die Firma in privater Hand halten. Allerdings machten ihnen die Reglementierungen der DDR-Obrigkeit zu schaffen. "Alles wurde zu Jahresbeginn festgelegt, wie viele Dächer man decken durfte, in welcher Gemeinde, wie viel Material man bekam, und wie hoch die Löhne waren", so der 58-Jährige.

 

Nach Wende Arbeit ohne Ende

 

Mit der Wende war auch die Mangelwirtschaft Geschichte. "In der Marktwirtschaft war vieles einfacher", sagt Ralf Korn. "Wir hatten Arbeit ohne Ende, die Aufträge haben sich nahezu verdreifacht, da es genug Wohnungen gab, die repariert werden mussten." Dachdecker wird es vermutlich so lange geben, wie es Dächer gibt. Dennoch kämpft die Zunft auch mit Zukunftssorgen. "Viele junge Leute haben offenbar keine Lust mehr, den Dachdecker-Beruf zu erlernen, weil sie sich die Hände schmutzig machen könnten", kritisiert Henry Korn. "Andere wiederum wandern in die Großstädte ab." Fachkräftemangel droht. "Bei uns zum Glück weniger, denn wir sind von den Mitarbeitern her ein sehr junger Betrieb, uns wird das erst in ein paar Jahren treffen", so Korn.

 

Generation Nummer sechs steht bereits in den Startlöchern, um in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. "Meine Söhne wachsen in den Betrieb voll mit rein, kommen manchmal auch mit zu den Terminen", sagt Henry Korn. Allerdings haben Adrian (3) und Bastian (7) noch ein wenig Zeit, bis sie ihren ersten Dachfirst erklimmen müssen. Neun Dachdeckermeister hat das Unternehmen seit seiner Gründung ausgebildet - es sollen nicht die letzten gewesen sein.

 

www.dachdecker-korn.de

Benjamin Winkler

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