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Wohnen unter einem Dach

Wohnen unter einem Dach

Aus zwei mach eins: Die Mitglieder der Wohnungsgenossenschaften Oschatz/Mügeln und Wermsdorf haben sich zusammengeschlossen und wohnen jetzt unter einem Dach.

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So sehen die vier Wohnhäuser in Wermsdorf aus.

Quelle: Wohnungsgenossenschaft

oschatz/Mügeln/wermsdorf. von frank hörügel

 

"Wir sind eine kleine Genossenschaft mit 72 Wohnungen und haben uns seit zwei Jahren Gedanken gemacht, wie es weitergeht", sagt Gerd Richter, Aufsichtsratsvorsitzender der Wermsdorfer Genossenschaft "Frieden" mit vier Wohnhäusern an der Oschatzer Straße. Der Leerstand in Wermsdorf ist genau wie in Oschatz und Mügeln relativ niedrig und liegt bei drei Prozent.

 

Im Prinzip hätten die Wermsdorfer eigenständig bleiben können, denn sie schreiben schwarze Zahlen (2013: 40 000 Euro Gewinn). Das Problem ist aber: Laut Gesetz muss selbst die kleinste Genossenschaft zwei Vorstandsmitglieder und drei Mitglieder im Aufsichtsrat vorweisen können. Und hier stoßen die Wermsdorfer mit ihrem ausschließlich ehrenamtlich tätigen Personal an Grenzen. Die nun erfolgte Fusion mit Oschatz/Mügeln bewertet Gerd Richter durchweg positiv: "Ich habe da keine Bedenken."

 

Als Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Oschatz/Mügeln ist Sven Petzold nun auch für die Wermsdorfer zuständig. Der Bestand der neuen Genossenschaft erhöht sich auf 843 Wohnungen und 875 Mitglieder. "Wir haben uns hier mit einem kerngesunden Unternehmen zusammengetan. Durch die Fusion wird es Synergieeffekte in der Bewirtschaftung und eine bessere Betreuung der Mitglieder in der zentralen Oschatzer Verwaltung geben", zählt Petzold die Vorteile aus seiner Sicht auf.

 

Die Genossenschaft Oschatz/Mügeln schreibt nach seinen Angaben seit zehn Jahren schwarze Zahlen, im Vorjahr konnte ein Plus von 540 000 Euro verbucht werden (Mieteinnahmen: 3,2 Millionen Euro). Petzold: "Das sind Zahlen, auf die wir stolz sind." Den Gewinn steckt die Genossenschaft nach Angaben des Vorstandes in den Wohnungsbestand und baut gleichzeitig Schulden ab. Pro Jahr werden dafür laut Petzold zwischen 500 000 und 700 000 Euro aufgewendet. "Mit unseren Investitionen wollen wir vor allem der demografischen Entwicklung Rechnung tragen. Unsere älteren Mitglieder sollen sich in unseren Wohnungen so lange wie möglich wohl fühlen", sagt Petzold. Deshalb würden zum Beispiel Wannen durch altersgerechte Duschen ersetzt.

 

Neubauten von Wohnhäusern seien in absehbarer Zeit nicht vorgesehen. "Wir halten unseren Bestand in Schuss und werten die vorhandenen Wohnungen auf", umreißt Petzold die Strategie.

 

"Ich bewerte diese Fusion positiv", sagt Dr. Axel Viehweger. Als Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften ist er für 240 Genossenschaften mit einem Gesamtbestand von rund 280 000 Wohnungen im Freistaat zuständig und erlebt pro Jahr ein, zwei Zusammenschlüsse von Genossenschaften. "Eine große Welle von Fusionen hat es wegen der befristeten Befreiung von der Grundwerbsteuer in den Jahren 2004 und 2005 gegeben. Jetzt betrifft es nur noch die ganz kleinen Genossenschaften", weiß Viehweger.

 

Nach seiner Einschätzung steigen im Zusammenhang mit dem Klimawandel, der Energiewende und dem barrierefreien Bauen die Anforderungen an die Genossenschaften. Die Ehrenamtlichen in kleinen Einheiten könnten diese Aufgabenfülle kaum noch bewältigen. "Da ist es besser, wenn ein Profi in einer größeren Genossenschaft das übernimmt", schätzt Verbandsvorstand Viehweger ein.

 

Die Fusion wollen die Genossenschaftsmitglieder am 19. Oktober in Oschatz feiern.

Frank Hörügel

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