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Oschatz Wolf reißt am Stadtrand von Dahlen ein Reh
Region Oschatz Wolf reißt am Stadtrand von Dahlen ein Reh
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09:44 10.01.2018
Der Wolf ist in der Dahlener Heide heimisch geworden.Das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen geht inzwischen nicht mehr nur von einem Paar, sondern von einem Rudel aus. Quelle: Foto: dpa
Region Oschatz/Dahlen

Der Wolf ist auf dem Vormarsch. Meldungen zum Auftauchen des Raubtieres in der Region Oschatz häufen sich. Jüngstes Beispiel: Zum Jahresende hat Familie Heiles in Dahlen auf ihrem Grundstück unterhalb des Burgberges eine unappetitliche Entdeckung gemacht. „Auf der Wiese lagen Knochen. Alles war total blutig“, berichtet Bärbel Heiles. Da es keinen Zweifel mehr daran gibt, dass in der Dahlener Heide ein Wolfsrudel heimisch ist, hatte das Ehepaar eine Vermutung, wer hier seinen Appetit gestillt hatte.

„Mein Mann hatte erst vergeblich versucht, die Stadtverwaltung zu informieren und dann einen Jäger angerufen“, berichtet Bärbel Heiles. Ihr Mann habe schon mehrmals erzählt, von einem großen Tier mit stechendem Blick angesehen worden zu sein. Dafür sei er fast ebenso oft ausgelacht worden. Sie selbst habe den Wolf bisher weder gesehen noch gehört. Allerdings habe man früher vom Grundstück aus auch viel öfter Rehe gesehen. „Die sind jetzt weg“, betont Barbel Heiles.

Wolf sorgt für scheues Rehwild

Heinz Jurzok, der hinzugerufene Jäger, ist sich sicher, dass das von Familie aufgefundene Reh Beute mindestens eines Wolfes wurde. „Das ist für mich eindeutig“, sagte der Dahlener. Er selbst hat den Wolf kürzlich, im November, bei einer Drückjagd zu sehen bekommen. In rund 20 Meter Entfernung sei er an ihm vorbeigelaufen. Da die Jäger da quasi in einer Reihe sitzen, um das Wild zu schießen, habe es noch mehr Augenzeugen gegeben. „Ich habe den Wolf auch schon ein Jahr zuvor gesehen, als er über eine Straße wechselte“, erzählt der Dahlener Jäger. Das sei schon ein außergewöhnlicher Anblick.

Nein, Angst habe ich nicht“, betont Heinz Jurzok. Aber es sei seiner Meinung nach nicht in Ordnung, wie viel Geld für den Schutz des Wolfes ausgegeben werde. Die Gegenwart des großen Raubtieres verändere alles. „Das Wild ist scheu geworden, sichert ausgiebig, verweilt nicht lange zum Fressen“, schildert Jurzok die Auswirkungen. Ob der Wolf ein scheues Tier sei, könne er nicht sagen. Angst scheine er nicht zu haben. „Auf den Wolf ist noch nie ein Schuss abgefeuert worden. Deshalb verhält er sich ganz anders als zum Beispiel das Schwarzwild, das oft unter Feuer steht“, schätzt der Jäger die Situation ein.

Wolf vom Bus aus gesehen

Bärbel Heiles weiß von Nachbarn, die den Wolf auch schon gesehen haben. Dazu gehört Gabriele Bergmann, die als Busfahrerin arbeitet. Im Sommer und im Herbst habe sie bei Fahrten von Dahlen nach Lausa einen Wolf am Straßenrand gesehen – ebenso wie die Fahrgäste. „Im Profil könnte das auch ein großer Hund sein. Aber wenn die Augen im Scheinwerferlicht glühen, ist schon klar, dass da ein Wolf steht“, schildert Gabriele Bergmann ihre Beobachtungen. Ein Angsthase sei sie nicht, aber in der Dämmerung vertrete sie sich die Füße nun nicht mehr im Wald. Es überrasche sie nicht, dass der Wolf am Dahlener Stadtrand zu sehen sei. Schließlich stamme sie aus Senftenberg, da sei das keine Neuigkeit. „An der Dahle, unterhalb des Burgberges spielen oft Kinder“, weiß Bärbel Heiles. Deshalb halte sie es für wichtig, dass man in der Nachbarschaft weiß, dass der Wolf hier unterwegs sei.

Rudel statt Paar in der Dahlener Heide

Bis Mitte 2017 ging das beim Kontaktbüro Wölfe in Sachsen angesiedelte Wolfsmonitoring von einem Paar in der Dahlener Heide aus. Seit Ende Oktober hat man diese Einschätzung geändert. „In der Dahlener Heide konnte 2017 ein Rudel bestätigt werden, nachdem im Juli 2017 Welpen fotografiert wurden“, heißt es auf der Internetseite des Kontaktbüros. Seit Jahresbeginn 2017 hätten aus diesem Bereich einzelne Wolfsnachweise vorgelegen. Aufgrund dessen sei das Vorkommen rückwirkend für das Monitoringjahr 2016/2017 als neues Wolfspaar geführt worden. Zuletzt hatte der Wolf Anfang Dezember in Ochsensaal seine Spuren hinterlassen und zwei Schafe gerissen.

Von Axel Kaminski

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