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Worte, die man kaum noch hört

Worte, die man kaum noch hört

Deutschland braucht eine Revolution. Ein Revolutionär ist schwierig zu finden. Die Suche nach einem Anführer ist der rote Faden des Kabarettprogramms "Hempels Sofa".

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Ein rotes Samtsofa und drei spitze Zungen - mehr braucht es nicht für das Chemnitzer Kabarett-Trio Andreas Zweigler, Martin Berke und Gerd Ulbricht, um in der Stadthalle zu überzeugen.

Quelle: Dirk Hunger

Darin zünden die drei Lästermäuler Andreas Zweigler, Martin Berke und Gerd Ulbricht ein Feuerwerk an scharfzüngigen Pointen.

 

"Karl-Theodor zu Guttenberg ist wie Herpes: Er kommt immer wieder, sieht aber besser aus." Dieses markantes Urteil fällt "Hempels Sofa" über den Ex-Verteidigungsminister. Im Laufe des Abends wird er das Lieblingsopfer der Chemnitzer Kabarettisten, sei es ob seiner Plagiatsaffäre oder allem, was davor oder danach war.

 

Als Kopf einer Revolution, so Martin Berke, sei Guttenberg ebenso ungeeignet wie viele Vertreter der deutschen Spitzenpolitik, die in Amt und Würden sind oder waren. Apropos Amt und Würde: Ex-Bundespräsident Christian Wulff ist Ende 2011 von einem Besuch in Afghanistan heil zurückgekehrt, bevor Kredit- und Medienaffäre ihn zum Rücktritt zwangen. "Man kann es nicht anders sagen: Anschläge treffen immer die Falschen", kommentiert Berke.

 

Ursula von der Leyen scheint als "Messias" überqualifiziert "weil sie zu keinem Thema ihre Schnauze halten kann". Das sind harte Worte, wie man sie vom politischen Kabarett erwartet, aber kaum noch hört. Das Assoziieren zwischen Hartz-IV-Reform, Bildungsmisere und demografischem Wandel ist Stärke des Programmes. Trotz der Vielfalt schleicht sich selten Belangloses und niemals Austauschbares ein. Austauschbar seien die allabendlichen Talkshow-Gäste bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, spottet Andreas Zweigler: "Da sitzen links die Rechten und rechts die Linken und nach zehn Minuten heißt es immer: 'Wir brauchen Wachstum, das sichert Wohlstand und schafft Arbeitsplätze'". Das ist genau beobachtet! Weil das Trio kein Blatt vor den Mund nimmt, ist der Abend kurzweilig. Man wünscht ihm mehr als eine halb gefüllte Stadthalle.

 

Das Männergespann braucht weder Kostüme noch Requisiten und Zoten so gut wie gar nicht, um zu überzeugen. Brillant analysieren sie in Monologen und Dialogen. Messerscharf, meist massentauglich meckernd nehmen sie sich Kapitalismus, Katholizismus und Kommunismus zur Brust und belassen es bei letzterem nicht dabei, dass "früher alles besser" gewesen sei. So etwas wie Pubertät hätten alle drei niemals gehabt. Bei ihnen habe das damals schlicht "FDJ" geheißen.

 

Gerd Ulbricht ist unter den drei Vollblut-Lästerern der wütendste und authentischste. Durch seine rasende, nuschelnde Stimme verspielt er sich Sympathien und nimmt in Kauf, dass manche Pointen untergehen, weil man sie einfach nicht versteht - akustisch!

Christian Kunze

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