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Wunsch der "Igel-Mama"

Wunsch der "Igel-Mama"

Ein Igel im Garten bleibt selten unbemerkt. Es raschelt, hustet, schnieft und wuselt im dichten Laub und in Hecken.Problemfälle pflegt und über den Winter bringt.

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Annett Hegewald mit einem ihrer Lieblinge. Die Igel-Mutter wünscht sich mehr Akzeptanz und Hilfe für ihren nebenberuflichen Job.

Quelle: Dirk Hunger

Region Oschatz. Region Oschatz. Ein Igel im Garten bleibt selten unbemerkt. Es raschelt, hustet, schnieft und wuselt im dichten Laub und in Hecken. "Gerade jetzt, wo es beginnt kalt zu werden, bekommt man als Mensch, der sich im Herbst gern in die warme Wohnung zurückzieht, Angst um die zierlichen Tiere", so Annett Hegewald, die seit über zehn Jahren Igel-

 

Problemfälle pflegt und über den Winter bringt.

 

Von Janett Petermann

 

"Man kann sich da schnell verschätzen und denkt, das kleine Tier wird den Winter nicht überleben." Damit man es sich besser vorstellen kann, zeigt sie zwei der Igel, die momentan bei ihr zu Gast sind.

 

Ines und Susi sehen beide etwas schmal aus, unterscheiden sich aber um etwa 200 Gramm im Gewicht. Annett Hegewald rät daher, in solchen Fällen einfach die Küchenwaage zu nehmen und zu schauen, wie es aussieht. "Die Igel werden im August geboren. Ist es wie in diesem Jahr, und die Kälte kommt schnell, dann haben sie nur wenig Zeit, sich für den Winter zu rüsten", erklärt sie. Doch nicht jedes Federgewicht muss gleich im heimischen Keller überwintern. "Entscheidend ist die gesamte Konstitution. Wie bewegt sich das Tier? Ist es teilnahmslos? Ist es kalt?", gibt Hegewald zu bedenken.

 

Der Igel darf rein rechtlich nicht einfach in private Hände gelangen, denn er ist vor dem Gesetz ein Wildtier und zählt zu einer besonders geschützten Art. Ziel einer Hilfsaktion für in Not geratene Igel sollte daher sein, ihn so bald wie möglich wieder auszuwildern.

 

"Wir raten für den Fall eines Igelfundes, eine Igelstation aufzusuchen und sich dort Rat zu holen", empfiehlt Yvonne Jasinski, Mitarbeiterin des Ostrauer Tierheims. Solche Einrichtungen, speziell für Igel, seien in Leipzig und Arzberg zu finden. Wem das zu weit ist, der könne sich aber auch einfach an den Tierarzt seines Vertrauens wenden.

 

"Oft verfügen die Ärzte über ein gutes Netz an Kontakten, was dem Finder dann weiterhelfen kann", beschreibt Annett Hegewald ihre Erfahrungen.

 

Sie selbst nimmt nur ungern selbst Tiere auf. "Zwar bin ich gut ausgerüstet und aufgrund jahrelanger Erfahrung fast selbst Igel-Experte, doch die vielen Tiere sind im Alltag kaum zu bewältigen", erklärt die Oschatzer Tierfreundin.

 

Oft wurden ihr in der Vergangenheit einfach Kisten mit Tieren vor ihre Tür gestellt oder sie wurde mit den Worten: "Na, wenn du sie nicht nimmst, dann müssen sie eben sterben" dazu gedrängt, die Findlinge zu behalten. "Abgesehen von dem Zeitfaktor ist es ja auch eine finanzielle Belastung, sich um so viele, oft kranke Tiere zu kümmern."

 

Zu Spitzenzeiten beherbergte sie bis zu 15 Tiere. Das ist ein Vollzeit-Job als Igel-Mama. "Das ist aber nicht Sinn und Zweck", so Hegewald. Ihrer Meinung nach sollten Leute, die wissen, dass sie Igel im Garten haben, den Gartenbewohnern Hilfestellungen geben, sich für den Winter zu rüsten. "Eine alte Obstkiste mit einem schweren Stein katzensicher gemacht und mit Katzenfutter bestückt, reicht vollkommen aus, damit die Igel satt werden.

 

Außerdem mögen sie Ecken, in denen sie sich zurückziehen können und auch den Winterschlaf in Ruhe halten können."

 

Dafür eignen sich besonders dichte Hecken. Es gilt also nicht jeder Igel, der im Herbst durch den Garten stromert als hilfsbedürftig.

 

"Verwaisten Igel-Babys, verletzten Igeln oder solchen, die noch nach dem ersten Schnee durch den Garten spazieren, muss aber auf jeden Fall geholfen werden", rät sie. Erste-Hilfe-Maßnahmen für solche Fälle sind Futter, Flüssigkeit und eine Wärmflasche.

 

Vor Krankheiten muss man als Mensch allerdings keine Angst haben. "Zwar haben die Igel oft Flöhe, doch diese gehen nur sehr selten auf den Menschen über. Viel gefährlicher sind Krallen und Gebiss", warnt die Igelpflegerin. Zum Beweis zeigt sie, wie spitz die Zähne der Igel-Dame Ines sind.

 

Gefundene Tiere sind also keine Spielgefährten, sondern auch in menschlicher Obhut noch kleine Jäger. Wichtig sei vor allem, dass niemand denkt, sie hätte eine professionelle Igelstation. "Ich mache das seit Jahren in Eigenregie aber nur, weil mir oft keine andere Wahl gelassen wurde und ich die Tiere so mag. Lieber wäre es mir, wenn die Finder einfach zu den offiziellen Stellen gehen und sich dort Hilfe suchen."

 

Sie versteht auch, dass sich nur wenige Privatpersonen auf die Pflege eines Igels einlassen. "Da der Igel als Wildtier gilt, verstehe ich nicht, warum man keinerlei Unterstützung für die Hilfe bekommt. Man sitzt auf Futterkosten und den Rechnungen für die Ärzte und ist allein auf deren Kulanz angewiesen", erklärt Igel-Mama Annett Hegewald.

 

Sie könne sich gut vorstellen, dass Tierärzte, die die Kosten für die Behandlung bei Naturschutzorganisationen abrechnen können, effektiver helfen können und eine Aufwandsentschädigung für private Helfer die Bereitschaft erhöht, die Tiere bis zur Auswilderung zu betreuen.

Janett Petermann

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Landkreis: Nordsachsen

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