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Zehn Monate nach Giftalarm in Oschatzer Arbeitsagentur: Verdächtiger gesteht

Weißes Pulver Zehn Monate nach Giftalarm in Oschatzer Arbeitsagentur: Verdächtiger gesteht

Ein Brief mit einem weißen Pulver hatte Ende des vergangenen Jahres in der Oschatzer Agentur für Arbeit und im Jobcenter einen Giftalarm ausgelöst – nun, knapp zehn Monate später, wurde der mutmaßliche Täter gefasst. Das teilte die Polizeidirektion Leipzig am Dienstag mit.

Ein verdächtiger Brief löste einen Großeinsatz bei der Oschatzer Feuerwehr und Polizei aus.
 

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz.  Vor zehn Monaten hatte ein verdächtiger Brief mit einem weißen Pulver in der Oschatzer Agentur für Arbeit und im Jobcenter einen Giftalarm ausgelöst. Wie die Polizei in Leipzig am Dienstag mitteilte, sei der mutmaßliche Täter nun gefasst worden.

In kriminalistischer Kleinarbeit wurde ein Verdächtiger ermittelt, der für die Versendung des Briefes sowie für einen vorangegangenen Drohanrufes verantwortlich sein soll. Offenbar brachte vor allem der Anruf die Ermittler auf die Spuren des mutmaßlichen Täters. Der Mann, ein 63 Jahre alter Oschatzer, gab sich jedoch zunächst unwissend. Er erklärte, dass er sich nicht daran erinnern könne, das Jobcenter angerufen zu haben, und im Grunde könnte es auch sein, dass jemand anderes in seiner Wohnung gewesen war, um zu telefonieren. Die Ermittler hätten sich mit diesen Ausflüchten jedoch nicht abspeisen lassen und weiterermittelt, berichtete die Polizei. So sei der 63-Jährige Mitte September erneut vernommen worden – und habe diesmal die Tat gestanden.

Das Gebäude der Bundesagentur für Arbeit in der Oschatzer Oststraße 3 musste am Dienstagvormittag wegen eines verdächtigen Briefes vorsorglich geräumt werden.

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Konkret wurde der Fall übrigens als Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten angezeigt. Und wie die Polizeidirektion Leipzig weiter erklärte, sei es nicht nur für die Ermittler wichtig gewesen, den Fall aufzuklären. Auch für die Mitarbeiter der Arbeitsagentur stelle die Klärung eine Erleichterung dar und werde wohl bei der psychischen Verarbeitung des Geschehens behilflich sein.

Der verdächtige Brief war am 1. Dezember 2015 in der Poststelle des für ganz Nordsachsen zuständigen Jobcenters und der Agentur für Arbeit in der Oschatzer Oststraße eingegangen. In dem Brief kam dann ein weiterer Umschlag zum Vorschein. Durch das Sichtfenster sei dabei das weiße Pulver zu erkennen gewesen, so die Polizei. Auf dem Briefumschlag stand „Grüße aus Tschernobyl“. Die Reaktion: Das Gebäude – betroffen waren die Agentur für Arbeit, das Jobcenter sowie der Operative Service der Agentur – wurde evakuiert und abgesperrt, etwa 180 Mitarbeiter wurden in Sicherheit gebracht, Polizei und Feuerwehr waren vor Ort im Einsatz. Mehrere Mitarbeiterinnen der Poststelle, die mit dem Brief in Berührung kamen, mussten sich einer Dekontaminierung (Entgiftung) unterziehen. Dazu wurden von den Einsatzkräften direkt vor dem Eingang der Arbeitsagentur zwei Zelte für die chemische Behandlung aufgebaut. Das Pulver selbst wurde durch Spezialkräfte der Oschatzer Feuerwehr in einem besonderen Behälter gesichert und mit einen Transporter der Einsatzkräfte sowie mit Polizeibegleitung in ein Labor zur Analyse gefahren.

Die Substanz entpuppte sich später als harmlos. Doch wer der Täter war, der den Brief versandte und damit für so viel Chaos sorgte, das blieb zunächst ungeklärt. Bis jetzt! Weitere Einzelheiten teilte die Polizei aber zunächst nicht mit. Der Sachverhalt selbst unterliege noch weiteren Ermittlungen. „Es ist ein Trugschluss, dass Akten augenblicklich geschlossen werden, wenn die Täter ermittelt wurden oder gestanden haben“, heißt es in der offiziellen Mitteilung der Polizei. Vielmehr beginne meist erst danach die Arbeit der Kriminalisten. „Denn dem Täter muss die Tat auch mit Beweisen zweifelsfrei nachgewiesen werden! Die Annahme, dass der Beschuldigte später vor Gericht ebenso redselig erscheint wie gegenüber der Polizei, ist schlichtweg ein naiver Gedanke. In diesem Sinne wird die Oschatzer Polizei die Akte gerichtsfest machen, bis sie endgültig an die Staatsanwaltschaft übergeben wird.“

Von Kay Stolle

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