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Oschatz Ziegelputzen in Dresden und Aufbau in Oschatz
Region Oschatz Ziegelputzen in Dresden und Aufbau in Oschatz
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15:45 11.11.2013
Originalausschnitt des Berichtes. Quelle: Privat

Die Überschrift des Artikels macht mich neugierig: "Kinder einer neuen Zeit" Autor: Olaf Badstübner. Mein Interesse ist geweckt, lese ich doch, dass es hier um Oschatzer Kinder geht. Hier etwas gekürzt einige Auszüge aus diesem Artikel von Olaf Badstübner.

"Im Wald wird gelacht und gesungen. Mädchen und Jungen klettern auf die Felsen. Dann verstummt der Gesang, weil man die Aussicht genießt.

Es sind Kinder aus Oschatz. Ihre Eltern leiden Not und ihre Schule hat kein Geld. Aber sie wollten auf Fahrt gehen. Drum machten sie mit ihrer Leiterin Lotte Seidelmann einen Plan. Jeder sparte etwas, und dann zogen sie mit dem Handwagen los und fragten bei den Bauern nach Kartoffeln, Gemüse und Mehl. Sie gingen durch viele Dörfer, und sie bekamen nicht sehr viel, aber es würde eine Woche reichen. Die Eltern brauchten nichts zuzusteuern; sie konnten es sowieso nicht. Die Kinder nahmen ein Lastauto und fuhren in die Sächsische Schweiz.

Nun sind sie am Ziel. Sie unternehmen große Wanderungen. Es gibt ja so viel zu entdecken, in den Schrammsteinen, auf der Bastei, bei den Schwedenlöchern!

Die Kinder werden gute Kameraden. Sie haben zusammen Reisegeld und Proviant beschafft, auf eigene Faust und mit eigenen Ideen, und genauso fangen sie an, die Streithähne und Schnattergänse zu ändern. Und sie geben sich den Namen "Kinderlandgruppe Einheit". Als der Sommer vorbei ist, haben sie etwas Großes vor. Es wird von vielen Leuten zunächst nicht verstanden.

Sie nehmen im Oktober 1946, in den Herbstferien, dasselbe Lastauto und fahren nach Dresden. Nicht in den Zwinger - der ist ausgebombt. Nicht auf die Brühlsche Terrasse - die ist zerstört. Die Kinder wollen Ziegel putzen.

Die Aufbauleitung besieht sich die einundzwanzig Stupsnasen. 'Ihr wollt enttrümmern, ja was sagen denn Eure Eltern dazu?' - 'Ooch, die sind jetzt auch einverstanden!' - 'So, so: und woher habt ihr die Kartoffeln, das Gemüse und das Mehl?' -"Gesammelt! Darin haben wir Erfahrung!'

Die Aufbauleitung schüttelt die Köpfe. 'Spaß beiseite. Wer hat Euch geschickt?' - 'Wir selber! Als wir in der Sächsischen Schweiz waren, sind wir doch über Dresden gefahren. Da haben wir die Trümmer gesehen, und wir dachten, dagegen müssen wir doch etwas tun!'

Die Aufbauleitung schüttelt die Köpfe nicht mehr. Sie quartiert die Kinder in der Gohliser Windmühle ein (nicht ohne zu berechnen, dass die Verpflegung wenig kosten wird) und gibt ihnen eine Ruine. 'Hier könnt ihr putzen - und passt auf, dass nichts passiert, sonst müsst ihr nach Hause!' Es passiert nichts, das heißt, die Kinder gehen den Trümmern zu Leibe wie Erwachsene.

Es spricht sich in Dresden herum, dass Kinder aus Oschatz Ziegel putzen. Leute kommen vorbei und sehen zu, aber nicht lange, denn die Kinder rufen 'Nicht zugucken! Anfassen'. Wenn die Leute schmunzeln, necken die Kinder 'Singt wenigstens mit!' Die Aufbauleitung bemerkt, dass vielmehr Teilnehmer zu den freiwilligen Arbeitseinsätzen kommen.

Die Kinder bleiben sieben Tage in Dresden und putzen 6000 Ziegel. 'Was, nur so wenig? Wir haben gedacht, wir würden wunder wie viel leisten!' Dann fahren sie in den Sommerferien 1947 noch einmal nach Dresden. Jetzt putzen sechsundzwanzig Kinder 20 000 Ziegel. Jetzt sind sie zufrieden. Im Jahre 1948 bleiben sie zu Hause. Die Kinder putzen Dachziegel und Mauerwerk im Oschatzer Postgut. Die Leute staunen. Den ganzen Tag geht es im Postgut: ping, ping, ping - und am nächsten Tag wieder ping, ping, ping. Manche Zuschauer rümpfen die Nase: 'In die Schule geht ihr wohl gar nicht mehr?' 'Doch. Vormittags kommen die Kinder, die am Nachmittag Schule haben, und nachmittags helfen die anderen.' Sie putzen in wenigen Tagen 6000 Dachsteine und 2000 Ziegel für die Neubauern.

Man beschließt in Berlin, die Oschatzer Kinder auszuzeichnen. Sie erhalten den Wanderwimpel für die beste Kinderlandgruppe der sowjetischen Zone." Hier ein paar Namen von den Oschatzer Kindern: Karin Baumgart, Gerhard Schädel, Willi Neugebauer, Regina Pfund, Horst Flehl, Ernst Jentzsch.

Der Autor schließt seinen Artikel mit folgenden Sätzen: "Man sollte eine Tafel an dem Hause anbringen, das sie enttrümmert haben. Oder eine Straße nach ihnen benennen. Oder ihnen ein Denkmal setzen, aus weißem Marmor. Man müsste, man sollte... Die Kinder haben sich selbst ein Denkmal gesetzt: Ihre Ziegelsteine, die längst vermauert worden sind."

Werner Breitenborn

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