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Oschatz Zur Bildfeier in Malkwitz sind viele private Schätze zu sehen
Region Oschatz Zur Bildfeier in Malkwitz sind viele private Schätze zu sehen
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14:03 29.04.2018
Lutz Frenzel zeigt Sohn Johann das Foto von seiner ersten Bildfeier. Der 16-Jährige durfte erstmals teilnehmen. Die Tradition gestattet das ab diesem Alter. Quelle: Fotos: Bärbel Schumann
Malkwitz

Traditionsgemäß hatte Ortschronist Günter Grosch alle männlichen Einwohner von Malkwitz ab dem 16. Lebensjahr an diesem Wochenende zur alljährlichen Bildfeier einzuladen. Ein Fest, das seit 114 Jahren begangen wird und dessen Ursprung in einer der früher vorhandenen Gaststätten liegt. Damals ließen sich alle Männer des Dorfes aus Anlass des Geburtstages der Gaststätte von einem Wanderfotografen ablichten. In den Folgejahren wurde daraus die Bildfeier und in Abständen von fünf Jahren wird seitdem ein Foto mit allen männlichen Dorfbewohnen angefertigt. Im nächsten Jahr ist wieder ein solcher Fototermin. Die alljährliche Bildfeier fand am Sonnabendabend statt.

Mit 16 Jahren das erste Mal dabei

Erstmals bei der Bildfeier dabei war Johann Frenzel. Der Schüler wurde in den vergangenen zwölf Monaten 16 Jahre alt und durfte so dabei sein. Damit sind nun drei Frenzel-Generationen bei der Malkwitzer Bildfeier vertreten, denn auch Opa Günter und Vater Lutz nahmen an der diesjährigen Bildfeier teil. Auf den von Ortschronist Günter Grosch mitgebrachten Fotos vergangener Bildfeiern war auch jenes dabei, auf dem Lutz Frenzel erstmals mit abgelichtet wurde. Grosch hatte aber auch andere Materialien und Alben mit dabei, die er in den vergangenen fast 50 Jahren gesammelt, angelegt und notiert hatte. Denn zur jährlichen Bildfeier wird gemeinsam überlegt und schließlich auch aufgeschrieben, was im gerade beendeten Jahr alles im Dorf an wichtigen, für die Nachwelt später nachlesenswerten Dingen geschehen ist.

Malkwitz hat derzeit 213 Einwohner

Diesmal konnte notiert werden, dass Malkwitz per 1. Februar 2018 213 Einwohner besitzt. Vor einem Jahr waren es 210. Das Durchschnittsalter der 118 männlichen und 95 weiblichen Einwohner beträgt zusammen 49 Jahre. Zwei neue Erdenbürger konnten begrüßt werden. Leider, so der Ortschronist, waren es zwei Mädchen, so dass die Bildfreunde weiter auf Zuwachs hoffen müssen. Übrigens, der älteste Bildfreund ist Robert Apostel. Er ist 93 Jahre alt. Notiert wurde in der Dorfchronik für 2017 zum Beispiel auch, dass ein Storchenpaar auf dem Horst am Friedhof nistete. Von den drei geschlüpften Jungtieren überlebten zwei und verließen Anfang August das Nest in Richtung Süden. Ein Kapitel wird von Sektkorken erzählen. Die knallten bei der Feuerwehr besonders, denn nicht nur die Männermannschaft, sondern auch die der Frauen, siegten 2017 beim Gemeindewehrausscheid. Aufgeschrieben wurde aber auch, dass gleich zwei langjährige erfolgreiche Geschäftsleute im Ort ihr Gewerbe aufgaben. Nach knapp 40 Jahren schloss der Reifenservice Blümel, ohne einen Nachfolger gefunden zu haben.

Die Malkwitzer Männer konnten zu ihrer diesjährigen Bildfeier einen Gast begrüßen. Gerhard Otto war aus Borsdorf gekommen. Im Gepäck hatte er Alben mit Familienbildern und Ansichtskarten von Malkwitz sowie einige Dias seines Vaters mit Fotos, die in und bei Malkwitz entstanden waren.

Organisator Gerhard Grosch hört 2019 auf

Einer von Ottos Großvätern, nämlich Friedrich Robert Otto war gebürtiger Malkwitzer. Später ging er nach Leipzig, war dort Buchhändler, doch Liebe zu seinem Heimatort blieb und so legte er den Grundstock für eine kleine Sammlung mit verschiedenen Zeitdokumenten an, darunter auch einige der ersten Postkarten, die es von Malkwitz gibt. Anschließend sorgen die von Gerhard Otto mitgebrachten Dias für Gesprächsstoff und auch einiges Rätselraten. Denn nicht mehr jeder der älteren Männer ist sich an diesem Abend zum Beispiel sicher, ob zu DDR-Zeiten der Fernreisebus zwischen Leipzig und Dresden, der auch über Oschatz führte, an der Bundesstraße 6 auch in Malkwitz eine Haltestelle besaß. Lange saß die Männerrunde an diesem Abend noch im Agrargut beieinander.

Günter Grosch -. Bildfeierorganisator und Ortschronist - will 2019 zum letzten Mal die Feier organisieren. Dann macht er das seit 50 Jahren, ebenso die Führung der Malkwitzer Chronik. Quelle: Bärbel Schumann

Auch etwas trauriges sorgte für Gesprächsstoff. Die 115. Bildfeier im nächsten Jahr will Günter Grosch noch organisieren und bis dahin Ortschronist bleiben. „Aber dann ist Schluss. Dann habe ich 50 Jahre voll“, sagt er.

Von Bärbel Schumann

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