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Oschatz Zuschauer schlägt Fußballtrainer aus Merkwitz krankenhausreif
Region Oschatz Zuschauer schlägt Fußballtrainer aus Merkwitz krankenhausreif
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Der Merkwitzer Trainer Marco Leigsring im Gespräch mit seinen D-Jugend-Spielern. Das Foto entstand in besseren Zeiten. Quelle: Dirk Hunger/Archiv
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Oschatz

"Ich bin seit 22 Jahren Fußballtrainer, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt Falk Zschäbitz, Abteilungsleiter Fußball beim SV Merkwitz. Zschäbitz habe dieses Spiel persönlich nicht gesehen. Er stütze sich auf die Aussagen von SV Merkwitz Co-Trainer Steffen Weber und von Eltern der Spieler: Danach sei es ein ganz normales, gutklassiges Punktspiel gewesen.

Es habe offenbar eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Trainer Marco Leigsring und dem Vater eines Süptitzer Spielers gegeben. Was sich daraus entwickelt hat, was genau passierte, das weiß der Trainer nicht mehr. Er musste im Torgauer Krankenhaus behandelt werden. "Er soll wohl gesagt haben, dass er plötzlich eine Hand gesehen habe. Mehr weiß er nicht."

Zschäbitz erklärte, dass der Merkwitzer Trainer "ein im positiven Sinn verrückter Fußballer ist", keiner der ausrastet. Er sei sachlich, sonst wäre er auch nicht im Vorstand des SV Merkwitz.

"Wir Merkwitzer sind entsetzt, die Jungs deprimiert. Das geht sogar so weit, dass einige Spieler mit dem Fußball aufhören wollen. Sollte der Trainer zum Beispiel seinen Posten nun aufgeben, bekommt der SV Merkwitz ein großes Problem. Wir würden nicht nur einen guten Trainer verlieren, sondern auch unseren Nachwuchsleiter", so Zschäbitz. Diesen Gedanken möchte er gar nicht zu Ende denken. "Ich hoffe sehr, dass er bleibt."

Aber es gibt noch etwas, was dem Abteilungsleiter auf den Nägeln brennt: "Sehr schlimm finde ich, dass das alles vor den Augen der Kinder passiert ist. Ausraster wie dieser - das geht gar nicht. Wie soll man so ein Verhalten den Kindern erklären?"

Gewalt auf Sportplätzen darf es einfach nicht geben. Die ist im Sport die schlechteste Ratgeberin. "Vereinsmitglieder und Zuschauer sollten ihre Haltung vor, während und nach den Spielen überdenken. Oft durfte ich schon erleben, dass die Spiele viel zu Ernst genommen werden." Er denke, gerade auf Kreisebene sollte der Spass am Fußball im Vordergrund stehen und nicht in erster Linie der Erfolg.

Der 28-jährige, der am Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen wurde, muss weiter ambulant behandelt werden. Gegenüber dieser Zeitung erklärte er, dass es ihm so "einigermaßen" gehe. Am Donnerstag erfahre er von seinem Hausarzt, wie es weiter geht. Seinen Beruf als Kraftfahrer kann er jetzt nicht ausüben. Wer ihn so zugerichtet hat, weiß er nicht. "Es muss ein Zuschauer gewesen sein. Und ich war auch kurz bewusstlos." Allerdings entschuldigt habe sich bisher niemand bei ihm. Der Ehrenamtliche spiele schon mit dem Gedanken, ganz aufzuhören.

Die Merkwitzer erwägen eine Zivil-Klage gegen den jungen Mann, der den Trainer so verletzt hat. In den nächsten Tagen werden der Merkwitzer Sportverein, wie auch die Süptitzer, ihren Bericht und ihre Einschätzung zu den Dingen bei Reinhard Gronau, dem Vorsitzenden des Sportgerichtes des Nordsächsischen Fußballverbandes (NFV), einreichen. Der Fortgang beziehungsweise Ausgang des Spieles wird vom NFV-Sportgericht beurteilt und entschieden.

Von Gabi Liebegall

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