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Oschatz Zustand von Dahle und Döllnitz „mäßig bis schlecht“
Region Oschatz Zustand von Dahle und Döllnitz „mäßig bis schlecht“
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00:48 28.04.2018
In Dahle und Döllnitz, wo der Heimatverein Mogelin Kanufahrten veranstaltet, ist derzeit keine Besserung der Biodiversität zu erkennen. Quelle: Foto: Lutz Dalchow (Archiv)
Collm-Region

Weniger als sieben Prozent aller Flüsse in Deutschland sind in einem „einigermaßen natürlichen Zustand“. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag zur biologischen Vielfalt (Biodiversität) deutscher Gewässern hervor.

Demnach seien in 93 Prozent aller Flüsse keine „typischen Gemeinschaften von Tieren und Pflanzen“ mehr zu finden. Ein Fünftel sei sogar in schlechtem Zustand.

In der Collm-Region werden Dahle und Döllnitz überprüft

Regelmäßige Analysen der biologischen Vielfalt in und an Oberflächengewässern mit einer Mindestgröße von zehn Quadratkilometern finden seit 2000, dem Jahr des Inkrafttretens der Wasserrahmenrichtlinie der EU (WRRL), statt.

In der Collm-Region betrifft dies die Dahle sowie die Döllnitz, die an jeweils drei Messpunkten regelmäßig untersucht werden. Ziel der WRRL war es ursprünglich, dass möglichst viele Gewässer und Grundwasservorkommen bis 2015 einen „guten Zustand“ erreicht haben, Struktur und chemische Zusammensetzung vom Menschen also nur gering beeinflusst sein sollten. Sollte dies bis 2015 nicht erreicht werden, gelten Fristverlängerungen bis 2021 und 2027.

Nur geringfügige Verbesserungen

Dem Umweltamt Nordsachsen zufolge lasse der Vergleich aktueller Werte mit den bis 2015 ermittelten aber nur eine geringfügige Verbesserungen erkennen.

Das Vorkommen von Wasserpflanzen (Makrophyten), Bodenorganismen (Makrozoobenthos) und Fischen sei „in den Untersuchungen immer zwischen mäßig und schlecht bewertet worden“, teilt das Umweltamt auf OAZ-Anfrage mit. Die Vorgaben der WRRL sind also noch lange nicht erreicht.

Verbesserungen erwartet das Umweltamt aufgrund bereits umgesetzter Maßnahmen vor allem im Bereich der Abwasserbehandlung. „Zu berücksichtigen ist jedoch die Langfristigkeit der Prozesse und dass es sich bei betrachteten Parametern um Kenngrößen handelt, welche sich auch bei günstigen Bedingungen erst langsam wieder etablieren können.“

Maßnahmen müssen mit Anliegern in Einklang gebracht werden

Notwendige Veränderungen in der Unterhaltung der Gewässer seien besprochen, ihre Umsetzung stellenweise bereits begonnen worden. „Jedoch sind dies nur kleine Maßnahmen, welche auch immer mit den Anliegern und Bewirtschaftern der umliegenden Flächen in Einklang gebracht werden müssen.“

Die Grünen fordern in diesem Zusammenhang die Stärkung des Vorsorgeprinzips. „Noch immer spüren wir die Auswirkungen von Giften, die bereits seit den 70er Jahren verboten sind. Rückstände von Chlorpestiziden werden noch heute in unseren Fischen nachgewiesen“, schreibt die Fraktion in einer Pressemitteilung.

„Für einen ambitionierten Artenschutz brauchen wir dringend eine Agrarwende: weg von einer Vergüllung der Landwirtschaft, weg vom Gift auf dem Acker. Es bedarf außerdem einer besseren Umsetzung und Finanzierung des Naturschutzes.“

Keine Daten zu Mikroplastik in Dahle und Döllnitz

Für Aufsehen sorgten zuletzt auch die Ergebnisse einer Testreihe an 25 Flüssen in Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen, in denen Plastik und Mikroplastik gefunden wurde: 19 000 Partikel wurden untersucht, knapp ein Viertel davon waren Kunststoffteilchen.

Die Forscher sprachen von einer „zivilisatorischen Grundlast“. In den Gewässern der Collm-Region fanden solche Untersuchungen bisher jedoch nicht statt. „Aus diesem Grund können dazu leider keine Aussagen getroffen werden“, so das Umweltamt.

Alle aktuellen Daten zum Zustand der sächsischen Gewässer sind einsehbar unter www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/9089.htm.

Von Christian Neffe

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