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Zwei Esel auf Pilgertour - Vortrag im "O"

Zwei Esel auf Pilgertour - Vortrag im "O"

So viele Pilger wie am Sonnabend sind selten auf den verstaubten Wegen zwischen Istanbul und Jerusalem unterwegs. Die neugierigen Zuschauer im "O" des O-Schatz-Parks begaben sich mit Roland Marske aus Berlin auf den 4000 Kilometer langen Marsch - ganz bequem per Diavortrag.

Oschatz. Von Janett Petermann

 

 

 

Wer nun die Vorstellung von Omas verstaubten Urlaubsbildern und langweiligen, tonlosen Ausführungen im Kopf hat, irrt. Es war viel mehr eine multimediale Show. Die fesselnden Ansichten unterlegte der Fotograf mit Tonaufnahmen. So konnte man das Durcheinander eines Basars hören, anstatt es nur zu sehen. Und auch die orientalische Musik, die die Reise begleitete, verbreitete einen Hauch 1001 Nacht im "O". So will es der Veranstalter Thomas Barth von der Agentur Landleben in Cavertitz. Die Vorträge in seiner Reihe "Rund um den Globus im O" sollen Unterhaltung für alle Sinne sein.

Die biblische Wanderung von Roland Marske begann im ehemaligen Konstantinopel. Die Reize der Millionenstadt am Bosporus hatte Marske in den schillerndsten Farben eingefangen. Doch nachdem er die Metropole hinter sich gelassen hatte und der Rucksack anfing zu drücken, kreuzte ein neuer Gefährte seinen Weg. Inspiriert durch eine Insel für alternde Packesel erstand er auf einem Markt seinen Begleiter Yussuf. Von diesem Moment an waren es "zwei Esel auf dem Weg nach Jerusalem", so Marske.

Bei seinen Kommentaren zu den Bildern wurde schnell klar, dass ihm der Schalk im Nacken sitzt. Nicht nur die Anekdoten um das störrische und aufmüpfige Verhalten Yussufs, sondern auch seine Art über seine eigenen kleinen Schwächen - wie für Ikea-Hotdogs - zu sprechen, sorgte oft für Lacher im Publikum.

Doch der Esel Yussuf stahl ihm zwischen dem antiken Troja und der israelischen Grenze oft die Show. Als Publikumsliebling sah man ihm dann auch sein unschickliches Verhalten in der Herberge eines Bekannten nach. "Er trank den halben Pool leer und benahm sich unmöglich." Allerdings war er nicht nur Gepäckträger und "Büßerhemd" für Marske, sondern auch eine Art Brücke zu den Menschen. Durch ihn kam er immer wieder ins Gespräch mit Einheimischen. Die Gastfreundlichkeit der Bewohner Vorderasiens verschaffte den beiden dann auch immer wieder ein reichliches Abendessen und Obdach für die Nacht.

Zwischen den Anekdoten über seinen Scheisel - eine Wortneuschöpfung aus Scheiße und Esel - wanderten die Zuschauer mit Siebenmeilenstiefeln von einer antiken Sehenswürdigkeit zur nächsten. Trotz der vielen geschichtlichen Ausführungen und religiösen Erläuterungen wurde es aber keine Sekunde langweilig. Dafür waren die Landschaft zu faszinierend und die Menschen auf den Bildern zu fremdartig. Faszinierte Stille herrschte aber vor allem angesichts der Aufnahme einer Nonne im Kloster der heiligen Thekla, die das Vaterunser auf Aramäisch, der Muttersprache von Jesus, betete. Das zauberte so manchem eine Gänsehaut.

Den ganzen Weg aber schaffte Yussuf nicht. Die Einreise nach Israel blieb ihm verwährt und er reiste zurück in die Türkei. Die Enttäuschung darüber war groß. "Jesus reiste ja schließlich auch mit einem Esel", so, Marske, der sich allein in das religiöse Durcheinander Jerusalems stürzte. Zum Schluss verabschiedete Yussuf dann die Oschatzer mit einem lauten "Iaaaah" vom Tonband, und auf dem Heimweg war keiner so knülle wie Esel und Marske, aber um einige schöne Erinnerungsbilder reicher.

Der letzte Vortrag in der Reihe findet am 10. März ab 18 Uhr im "O" des Oschatzer Parks statt. Thema ist dann: Südamerika - zweieinhalb Jahre mit dem Rad.

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