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Zwei Oschatzer Obdachlose nehmen an Armutskonferenz in Düsseldorf teil

Zwei Oschatzer Obdachlose nehmen an Armutskonferenz in Düsseldorf teil

Angemessenes Wohnen ist ein Menschenrecht. Diese Erkenntnis haben Jan Thiele und Johann Schwarz aus dem Oschatzer Obdachlosenheim von der Tagung der Nationalen Armutskonferenz in dieser Woche aus Düsseldorf mitgebracht.

Oschatz/Düsseldorf.

 

Von Frank Hörügel

 

 

 

Als Johann Schwarz noch in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) Geld verdiente, konnte er sich eine Plattenwohnung Am Langen Rain leisten. Diese Zeiten sind lange vorbei. Seit elf Jahren - mit Unterbrechungen - bewohnt der Hartz-IV-Empfänger im Obdachlosenheim in der Ambrosius-Marthaus-Straße ein einfaches Zimmer. "Die Chancen von Obdachlosen, eine Wohnung zu bekommen und damit in ein normales Leben zurückzukehren, müssen verbessert werden", sagt der 52-Jährige.

Jan Thiele sieht das ähnlich. Der 45-Jährige ist seit zehn Jahren arbeitslos und bezieht Hartz IV. "Als mich meine Freundin im November vergangenen Jahres aus der Wohnung geschmissen hat, vermittelte mir das Ordnungsamt einen Platz im Obdachlosenheim", sagt der gelernte Melker und Viehpfleger. Thiele bezieht nach eigenen Angaben den Hartz IV-Regelsatz von 374 Euro im Monat. "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel", kommentiert der gebürtige Großenhainer diese Summe. Am liebsten würde er wieder in einer eigenen Wohnung leben. "Doch eine vernünftige Ein-Raum-Wohnung kostet 300 Euro - das ist zu teuer", sagt er.

Johann Schwarz und Jan Thiele haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie eines Tages das Obdachlosenheim verlassen können. Auf Initiative des Deutschen Roten Kreuzes, von dem das Heim betrieben wird, fuhren die zwei Männer in dieser Woche zum siebenten Treffen der Nationalen Armutskonferenz (siehe Kasten) nach Düsseldorf mit über 100 Teilnehmern. Thema: "Armut und Wohnen - Wohnen, ein Menschenrecht?" In Düsseldorf vertraten die beiden Oschatzer auch die Interessen der anderen 16 Heimbewohner. Nach den Diskussionsrunden und Vorträgen am Dienstag und Mittwoch steht für Jan Thiele fest: "Es müssen mehr Wohnungen für arme Menschen wie uns gebaut werden, wo die Mieten nicht so hoch sind." Und Johann Schwarz sagt: "Der Staat sollte sich mehr um arme Leute kümmern."

Mit diesen Forderungen liegen Schwarz und Thiele auf einer Wellenlänge mit Carola Schmidt, Geschäftsführerin der Nationalen Armutskonferenz. "Es gibt immer noch zu viel Armut in Deutschland, und das Thema Wohnen ist zu wenig im Blick", sagte sie gestern auf OAZ-Anfrage. Als eine Kernforderung der Armutskonferenz formuliert Schmidt deshalb: Der soziale Wohnungsbau müsse deutlich verstärkt werden.

Nationale Armutskonferenz

- In der Nationalen Armutskonferenz (Nak) sind Verbände der Wohlfahrtspflege wie Deutsches Rotes Kreuz und Arbeiterwohlfahrt, Fachverbände wie die Tafeln für Bedürftige und der Deutsche Gewerkschaftsbund zusammengeschlossen. Die Nak ist Mitglied im Europäischen Armutsnetzwerk.

- Die Nak will nach eigenen Angaben mit ihrer Arbeit dazu beitragen, das Armutsproblem zu überwinden und die Selbsthilfeansätze der von Armut betroffenen oder bedrohten Menschen unterstützen. Die Organisation will einen Beitrag zu einer veränderten Politik leisten, um die Lebenslage armer Menschen zu verbessern.

- Kontakt: Die Geschäftsstelle der Nationalen Armutskonferenz befindet sich in 10961 Berlin, Blücherstr. 62/63, Tel. O30/26 30 92 06, E-Mail: info@nationale-armutskonferenz.de

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