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Zwei Tage Boxsport pur im Oschatzer "O"

Zwei Tage Boxsport pur im Oschatzer "O"

Eine bunte Mischung von Boxern aus der ganzen Republik tummelte sich am Wochenende im "O". Schon auf den ersten Blick wurde klar, dass es bei dem Boxturnier um die Pokale des Oberbürgermeisters nicht um Schickimicki ging, sondern es an beiden Tagen Boxsport pur geben würde.

Oschatz.

 

Der Zuschauerraum war ein buntes Durcheinander von Sportlern, Zuschauern, Trainern und Vereinsmitgliedern des SV Fortschritt Oschatz, die alle Hände voll damit zu tun hatten, die zahlreichen Kämpfe reibungslos über die Bühne zu bringen. Zwar ging es erst am Sonntagvormittag in die Finalrunde, doch die Vorkämpfe am Sonnabendabend erfreuten sich bei den Oschatzer Zuschauern ebenso großer Beliebtheit.

 

"Zum ersten Mal gibt es bei diesem Turnier sieben Kämpfe der Klasse "Elite". Das ist ein gutes Programm", stellte Ringarzt Rainer Rauschenbach mit einem Blick auf die Kampfaufstellung fest. Insgesamt hieß es ganze 35-mal "Box" im Ring. Wer aber glaubte, nur die Männer liefern eine gute Show, der irrte sich. Wie René Hentschel bereits im Vorfeld ankündigte, so wird beim Oschatzer Boxverein auch viel Wert auf die Nachwuchsarbeit gelegt. Die Kadetten bekamen eben soviel Aufmerksamkeit, wie ihre erwachsenen Vorbilder. Im Gegenzug dazu saßen die Nachwuchsboxer dann auch bei den Kämpfen ihrer erwachsenen Vereinskameraden um den Ring und feuerten sie kräftig an.

 

An Ehrgeiz mangelte es den Kadetten im Ring nicht, doch so mancher warf nach ein paar Sekunden im Ring mit einem starken Gegner lieber das Handtuch, als sich zu verletzen. Ein kurzer Blick in das Programmheft des Vereins erklärte auch warum. "Zu große Leistungsunterschiede sind echte Gefahren im Boxsport", kann man dort nachlesen und so war es für viele Trainer vernünftiger, ihren Schützlingen den Rest der Runde zu ersparen. Obwohl auch die jungen Sportler kräftig austeilten, war nach den Schlussgong alles wieder gut und man beglückwünschte sich freundschaftlich zum Sieg.

 

Zwischen den männlichen Boxern aller Altersklassen tummelten sich aber auch zwei Boxerinnen. Sie zeigten, dass sie auch nicht zimperlich sind, wenn es darum geht, die Fäuste zu schwingen. Kurz nach der Pause standen sich die Junioren Estella Werner (SV BW Könnern) und Melanie Liebe (BC Döbeln) unter der Lichtkugel im Zentrum der Halle gegenüber. Mit Biss und Technik siegte nach zwei Runden die junge Döbelnerin über die enttäuschte Gegnerin aus Könnern. Doch schon nach wenigen Minuten waren die Tränen getrocknet und die nachfolgenden Kämpfe lenkten Estella Werner schnell wieder ab. Melanie Liebe hingegen bekam nicht nur viel Lob von ihrem Trainer, der sie nach dem Kampf stolz empfing - auch Rainer Rauschenbach hatte Spaß beim Zusehen. "Ich habe sie schon vor einer Weile boxen gesehen und muss sagen, dass Melanie sich wirklich sehr gut weiterentwickelt hat. Ein schöner Kampf war es auf alle Fälle".

 

Erfreulich war der Start der Mutzschener Boxer. Aber ausgerechnet der mit Spannung erwartete Kampf von Michael Poits endete schneller, als es dem Sportler lieb war. Ein ungünstiger Treffer aufs Kinn brachte Poits ins Wanken und so siegte Maximilian Mahr vom SV PG Bautzen bereits in der ersten Runde durch K.o. des Gegners.

 

Vor allem das Kämpfen ohne Helmschutz bei den Männern versprach schon im Voraus spannende Kämpfe mit viel Körpereinsatz, brachte allerdings auch einige Blessuren mit sich. "Die Bewegungsfreiheit ist eine ganz andere und die Boxer gehen viel freier aufeinander zu", erklärte Hentschel die Neuerung.

 

Der wohl spannendste Kampf des Abends gegen 21 Uhr zog die Blicke aller Anwesenden auf sich. Gegenüber standen sich Florian Humboldt aus Rostock und Frederic Pöthig aus Bautzen. Über drei Runden verlangten sich die Sportler alles ab. Nach einigen heftigen Treffern am Kopf mischten sich bei beiden Boxern Blut und Schweiß. Die fachkundigen Zuschauer erwarteten mit Spannung, welches Urteil der Ringrichter nach dem Schlussgong fällen würde. Als der Ringrichter die Faust von Frederic Pöthig in die Höhe riss jubelte die Menge und feierte den lädierten Sportler. Glücklicherweise war das aber der einzige Kampf des Bautzeners, denn am nächsten Tag hätte Ringarzt Rauschenbach ihn nicht noch einmal in den Ring gelassen. "So ein Cut kann schnell wieder aufreißen und heilt nicht über Nacht zu. Da wäre ein Kampf am nächsten Tag nicht möglich", so der Mediziner.

 

Das Pokalturnier der Oschatzer besticht eindeutig mit viel Atmosphäre. Die außergewöhnliche Austragungsstätte, die freundliche Bewirtung durch die Mitarbeiter der Lebenshilfe und die zahlreichen Sportler haben auch dieses Jahr wieder bewiesen, dass das berühmte Zitat von Max Schmeling auch auf den Oschatzer Boxsport zutrifft. "Wir boxen nicht, um einen Gegner zu schlagen, sondern um einen Freund zu gewinnen".

Janett Petermann

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