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Zwillinge aus Calbitz ein Jahr in Australien und Frankreich

Auslandsjahr Zwillinge aus Calbitz ein Jahr in Australien und Frankreich

Die Zwillinge Mara und Marc Henschel aus Calbitz haben nach dem Abitur ein Jahr im Ausland verbracht – Marc arbeitete in Australien in der Landwirtschaft und Mara war als Au Pair in Südfrankreich. Manche Wünsche haben sich dabei erfüllt, anderes hat sie überrascht und einmal schlug fies das Heimweh zu.

Und Absprung: Marc Henschel beim Skydiving über Australien.

Quelle: Marc Henschel

Calbitz. Es war für beide Zwillinge ein großes Abenteuer. Für Marc Henschel ging es im Juli 2015 für zehn Monate nach Australien, mit einem Abstecher nach Bali und Neuseeland. Er reiste als Work and Traveler mit seinem Freund William Paulsen. Seine Schwester Mara entschied sich dagegen für ein elfmonatiges AuPair in Südfrankreich, in Montpellier am Mittelmeer. Dort kümmerte sie sich um drei Jungs. Zwillinge im Alter von drei Jahren und ein Siebenjähriger.

Work and Travel ist das Arbeiten und Reisen in einem fremden Land. Von dem Geld, was man sich dort erarbeitet, reist man und bezahlt sich seinen Unterhalt.

Die Calbitzerin mit ihren drei „Gastbrüdern“

Die Calbitzerin mit ihren drei „Gastbrüdern“.

Quelle: Mara Henschel

AuPair zu sein bedeutet: In einer Gastfamilie zu leben, dort auf Kinder aufzupassen und leichte Hausarbeiten zu übernehmen. Die Familie stellt im Gegenzug Unterkunft, Essen, Auto und zahlt ein wöchentliches Taschengeld.

Die Vorbereitung

Work and Travel: Vier bis Fünf Monate vor Reisebeginn sollte man für Australien das „Working Holiday Visa“ beantragen, denn es gibt eine Wartezeit. Das Visum hat ein Jahr Gültigkeit und ist gleichzeitig die Arbeitserlaubnis. Um einreisen zu dürfen, muss man den Besitz von 5000 Australischen Dollar oder ein Rückflugticket nachweisen können. „Ebenfalls ist es ratsam, sich mit eventuellen gesetzlichen Besonderheiten, Mindestlöhnen und Jobmöglichkeiten auseinanderzusetzen“, so Marc. Bei eigener Organisation muss man sich auch um Reisekranken-, Reisegepäck-, Reisehaftpflicht- und Reiseunfallversicherung, sowie um ein Bankkonto und eine Steuernummer kümmern.

AuPair: Es ist empfehlenswert, sich spätestens drei Monate vor Reisebeginn bei einer Organisation zu bewerben oder im Internet nach einer potenziellen Gastfamilie zu suchen. So kann man schon vorab Kontakt aufnehmen und herausfinden, ob man zusammenpasst oder nicht.

Ebenfalls muss an eine Reisekranken-, Reisegepäck-, Reisehaftpflicht- und Reiseunfallversicherung gedacht werden. Einen Nachweis über finanzielle Mittel braucht man in EU-Ländern nicht. Allerdings sollte man sich mit der Frage auseinandersetzen, wie man im Ausland bezahlen will. „Mit der EC-Karte fallen Gebühren an. Ich und mein Bruder nutzten die Visa-Karte, mit welcher wir überall kostenlos Geld abheben und bezahlen konnten“, erzählt Mara.

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Die Zwillinge Marc und Mara Henschel aus Calbitz (Nordsachsen) haben nach dem Abitur ein Jahr im Ausland verbracht. Marc über Work and Travel in Australien und Mara als AuPair in Frankreich.

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Mit oder ohne Organisation?

„Die eigene Planung ist meist günstiger, beansprucht aber mehr Zeit“, so die Geschwister. Zudem stehe bei einer organisierten Tour die Organisation auch während der gesamten Reise für Fragen oder eventuelle Hilfestellungen zur Verfügung. Beispielsweise kümmern sich manche Anbieter um Flugtickets, eine erste Unterkunft vor Ort oder ein Bankkonto und bieten Versicherungspakete oder nette Zusatzleistungen wie zum Beispiel Ausflüge oder eine Sim-Karte fürs Telefon an. „Ist man AuPair, steht die Organisation außerdem bei Problemen mit der Gastfamilie hinter einem und sorgt auch für eine Ersatzfamilie, wenn es zu einem Wechsel kommen sollte“, sagt Mara.

Allein oder zu zweit?

Reist man ohne einen Partner, lernt man die Sprache besser, knüpft schneller Kontakte, hat mehr Privatsphäre und Entscheidungsfreiheiten. „Auch hat man die Möglichkeit, sich selbst zu finden“, meint Mara. „Allerdings ist die Eigenmotivation auch schwierig.“ Hat man einen Partner dabei, könne man sich gegenseitig motivieren, etwas zu tun, es sei immer jemand zum Reden da und man könne sich gegenseitig helfen. „Nachteil ist, dass man sich ab und an streitet, weniger Zeit für sich hat und die Sprache etwas kürzer kommt“, so ihr Bruder.

Marc Henschel (rechts) bereiste Australien mit seinem Kumpel William Paulsen

Marc Henschel (rechts) bereiste Australien mit seinem Kumpel William Paulsen.

Quelle: Marc Henschel

Vorstellungen und Realität

Vor seiner Reise dachte Marc, dass man in Australien meist warmes Wetter hat, dass er mit aufwendigen Behördengängen und anstrengenden Jobsuchen zu kämpfen habe, und dass er monatelang kaum deutsch sprechen werde. „Doch als ich dort angekommen bin, war alles ganz anders.“ Gerade zu Beginn war es nachts bis minus 5 Grad kalt. „Es war der kälteste Winter seit 20 Jahren, so hat man uns berichtet.“ Die Arbeitssuche gestaltete sich dagegen leichter als gedacht. „Mit nur ein paar Telefonaten haben wir schon viel erreicht. Wir arbeiteten stets auf Farmen“, erzählt Marc. Die Behördengänge erwiesen sich ebenfalls als einfach, da die Australier sehr gelassen, gastfreundlich und auch hilfsbereit waren. Allerdings war es mit der Sprache nicht so wie erhofft. „Man könnte sagen, wir haben mehr Deutsch als Englisch gesprochen, da sich wirklich viele Deutsche in Australien aufhielten.“

Seine Schwester hingegen hatte sich nicht wirklich eine Vorstellung von dem gemacht, was sie mit drei Kindern in einer fremden Familie erwarten würde. „Ich wollte alles auf mich zukommen lassen“, so Mara. Allerdings hatte sie Ängste. Sie glaubte, mit den Kindern überfordert zu sein und nicht mit ihnen zurechtzukommen. Doch die Realität sah anders aus. „Die Kinder liebten mich und sie wurden zu kleinen Brüdern“, schwärmt sie. „Die Kleinen hörten am Ende sogar besser auf mich, als auf die eigenen Eltern.“

Erfahrungen

Für die Work and Traveler war das Leben im Auto und in den Hostels eine besondere Erfahrung. „Mit Luxus war da nichts. Man musste mit dem, was man hatte, zurechtkommen, improvisieren und spontan Entscheidungen treffen“, sagt Marc. Überrascht war er von der Gastfreundschaft der Australier: „Als Neuling wurde man in der ländlichen Region sofort erkannt und angesprochen.“ Zudem genoss er die Besichtigungen vieler einzigartiger Orte wie zum Beispiel Ayers Rock, Fraser Island, zahlreiche Wasserfälle oder die Blue Mountains. „Am Great Barrier Reef sind wir tauchen gewesen. Einen Fallschirmsprung haben wir auch gemacht, und wir sind mit einem Walhai geschwommen. Einige Attraktionen waren jedoch nur zu Fuß erreichbar – so hieß es für uns wandern“, berichtet der 20-jährige.

Für AuPair-Mädchen Mara war allein schon der Umgang mit den Kindern eine besondere Erfahrung. Aber auch die Mentalität der Franzosen bekam sie stark zu spüren. „Sie waren sehr höflich, gelassen und großzügig, jedoch teilweise auch faul und unordentlich.“ Franzosen würden Dinge wie Autos als Gebrauchsgegenstände und nicht als Wertbesitz sehen – dementsprechend sahen die Autos auch aus, berichtet Mara. Vor allem aber liebte sie es, die Gegenden zu erkunden. „Ich habe Lavendelfelder gesehen, bin Delfinen hautnah gekommen, war in provenzalischen Dörfern und in den schönsten pittoresken Städten Südfrankreichs“, schwärmt sie. Auch besuchte sie viele Schlösser, Wein- und Olivenfelder. „Ich erkundete die Berge und die Strände und gleichzeitig genoss ich die vielfältigen Freizeitangebote der Stadt“.


Sprache

„Als ich nach Frankreich kam, dachte ich, ich könne bereits die Sprache, aber das Gegenteil war der Fall“, erzählt Mara. „Ich konnte im Grunde nur Brocken.“ Doch nach und nach – mithilfe einer Sprachschule, viel Fleiß und neugewonnen Freunden – erlernte sie die Sprache sehr schnell. Auch bei ihrem Bruder haben sich die Sprachkenntnisse verbessert.

Heimweh

Heimweh ist für viele Deutsche im Ausland ein Thema. „Ich hätte allerdings niemals gedacht, dass ich auch mal welches bekomme“, so Mara. Doch Heimweh kam dann auch bei ihr auf – durch ungelöste Probleme mit der Gastfamilie und den zu Hause verbrachten Weihnachtsferien. „Zum Glück haben wir alles klären können“. In dieser Zeit brauchte sie viel Kontakt nach Hause. „Gleichzeitig musste ich aber auch raus und Ablenkung suchen“. Man darf sich nicht in seinem Zimmer verkriechen. „Auch, wenn diese Zeit nicht schön war, machte gerade das mich stärker und mutiger“, so ihre Erfahrungen. Für ihren Bruder war Heimweh übrigens kein Thema.

Kosten

An die Work-and-Travel-Organisation musste Marc 2700 Euro und für die ersten zwei Wochen ohne Arbeit 700 Euro zahlen. Während des Aufenthaltes hatten die beiden Jungs zudem ein Auto komplett zu finanzieren sowie das Essen, die Unterkünfte und ihre Freizeitaktivitäten. „Allerdings konnten wir wirklich von dem leben, was wir verdient hatten und auch somit unsere Reise finanzieren“, so Marc.

Seine Schwester wiederum zahlte 165 Euro an die Agentur und musste noch die Reise- und Versicherungskosten übernehmen. Die Gastfamilie stellte ihr ein Auto, Essen, Unterkunft, die Telefonkarte und zahlte ihr ein wöchentliches Taschengeld. „Von diesem Geld konnte ich mir meine Freizeitaktivitäten finanzieren“, erzählt Mara.

Was hat es gebracht?

Beide können sagen, dass die Zeit im Ausland sie stärker, selbstbewusster, selbstständiger, erfahrener und hilfsbereiter gemacht hat. Ganz zu schweigen von den enormen Fortschritten in der Sprache. „Ich weiß jetzt, was ich will, wer ich bin und was ich kann“, so Mara. „Außerdem schätzt man die Dinge mehr, die man hat“, sagt Marc. Sicher ist: Für beide wird das eine Jahr eine der schönsten Erinnerungen ihres Lebens sein.

Und jetzt?

Seit ein paar Wochen sind die Zwillinge nun wieder in Deutschland. Mara strebt ein Lebensmittelchemie-Studium an der TU Dresden mit einem Studienjahr in Frankreich an. Marc hingegen zieht es in die wirtschaftliche Richtung. Er will in Halle studieren.

Wer mehr von Mara und Marc Henschel erfahren will, kann über E-Mail Kontakt aufnehmen. Mara: h.mara94@yahoo.de Marc: Mrc_Hnschl@t-online.de

Von zusammen gestellt von Jana Brechlin

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