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Oschatz Zwischen Chaos und Freude
Region Oschatz Zwischen Chaos und Freude
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17:24 08.08.2012

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Von Janett Petermann

So dramatisch sich die Ereignisse vor einer Dekade auch gestalteten, eine gute Seite hatten sie doch: Denn so schlossen die Helfer aus den Partnerstädten Oschatz und Filderstadt zwischen Sandsäcken und Feldküche Freundschaft."Hier hätten wir damals gar nicht stehen und grillen können", stellte Gastgeber Kretschmar fest. Aus den schlammigen Wellen der Döllnitz hätten damals nur die Oberkörper geragt.

So wie damals stand auch am Dienstag wieder Teamarbeit auf dem Programm. Der Grill wurde in Gemeinschaftsarbeit angeschmissen - und schon bald wehte der Duft von Würsten und Steaks durch die Luft. Das weckte besonders bei den Damen Erinnerungen, die vor zehn Jahren in der Feldküche kochten. "Es war unglaublich spektakulär, wenn die Hubschrauber unsere Bestellungen lieferten. Gekocht wurde frisch. Von Kartoffelsuppe bis Schnitzel war alles dabei", erinnerten sich Rita Brückner, Ortsvorsitzende des DRK Sornzig, und erntete Kopfnicken bei ihrer Kollegin Christine Mack aus Filderstadt. Die Mahlzeiten boten durch die regionalen, kulinarischen Unterschiede viel Raum für Missverständnisse. "Bei uns gibt es oft Linsen mit Spätzle", klärt Wolfgang Müller auf, den alle "Fuchs" nennen. Da Sachsen aber nur Linsensuppe kennen, blieb zum Schluss ein trockener Haufen Spätzle übrig. Der wurde von den Oschatzern argwöhnisch beäugt und als Nachschlag abgelehnt. Darüber lachen die Freunde noch heute, doch der Ernst der Lage war damals allen bewusst. Wie viele Stunden sie in diesen zwei August-Wochen im Einsatz waren, haben sie nicht gezählt.

Die Oschatzer Feuerwehr wurde zum Hauptquartier, und die Kameraden schliefen im Gerätehaus. "Da die Kameraden vor Erschöpfung aber ein solches Schnarchkonzert veranstalteten, dass man kein Auge zu bekam, waren wir froh, wenn wir ausrücken konnten", sagte der Oschatzer Feuerwehrkamerad Bernd Karle. Auch Gruppenführer Marcel Schmidt freute sich, wenn er dem Schnarchkonzert entkommen konnte. "Es war ein Erlebnis, mit dem alten Transit-Transporter fahren zu dürfen. Trotz des Chaos hat das großen Spaß gemacht", fasste er zusammen.

"Abends machten wir es uns zur Angewohnheit, die Turnhallen abzufahren und dort unter den Gestrandeten nach dem Stand der Dinge zu sehen", so Kretschmar. "Was wir hier sahen, war für mich unglaublich." Wildfremde Menschen in Schlafanzügen lebten in den Turnhallen auf engstem Raum, halfen einander und bangten gemeinsam um ihre Heimat.

Auch tierische Flüchtlinge in den Lagern sorgten für unvergessliche Geschichten. Der ansonsten brave Hund eines alten Herrn wurde aggressiv. Die Helfer zogen den örtlichen Tierarzt Dr. Bernd Richter zu Rate. Nachdem alle körperlichen Ursachen für sein Verhalten ausgeschlossen waren, klärte sich die Situation nach einem längeren Gespräch über die Gewohnheiten des Tieres auf. Der Hund war es nämlich gewohnt, jeden Abend vorm Einschlafen ein Schälchen Bier von seinem Herrchen zu bekommen und litt unter dem Entzug. Auch für dieses Problem fanden die Helfer eine Lösung.

"Es ist eigenartig, dass wir trotz der Strapazen und vielen Tragödien, die wir erlebten, so viel Spaß hatten", wundert sich Tina Graul noch heute. Zusammen mit ihrem Mann Jens pflegt sie auch nach zehn Jahren noch enge persönliche Freundschaften nach Filderstadt. Die Erlebnisse vom August 2002 spielen dabei immer noch eine große Rolle.

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