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Zwischenstopp in Oschatz: Mit dem Fahrrad von Amsterdam nach Istanbul

Europa-Tour Zwischenstopp in Oschatz: Mit dem Fahrrad von Amsterdam nach Istanbul

Robert van Atten radelt quer durch Europa, von Amsterdam nach Istanbul. Dabei machte der Niederländer, der seit 13 Jahren in Kanada lebt, jetzt auch in Oschatz Station. Und dabei erzählte er, dass er sich bei seiner Tour quer durch Europa nur per Auto-Straßenatlas orientiert.

Rund 45 Kilogramm Gepäck hat der Montrealer mit holländischem Pass bei seiner Radtour dabei.

Quelle: Axel Kaminski

Oschatz. GPS hat Robert van Atten bei seiner großen Radtour nicht an Bord. Auf ein Handy mit Internetverbindung verzichtet er ebenfalls. Zur Orientierung nutzt er einen Europa-Autoatlas. Und der führte den 53-jährigen Lehrer jetzt auf seiner Tour von Amsterdam nach Istanbul auch ins nordsächsische Oschatz.

Seit 13 Jahren lebt Robert van Atten in Montreal in Kanada. Dort arbeitet er als Französischlehrer an einer High School. Zurzeit hat er ein Sabbatjahr. „Zuerst bin ich acht Monate lang mit meiner Frau gereist“, erzählt der aus Holland stammende Mann. Auf die Radtour habe seine Frau aber nicht mitkommen wollen. Sie erhole sich mit ihrer Schwester gerade auf Madeira. „Ich habe aber im Moment das bessere Wetter“, erzählt Robert van Atten.

Unterwegs auf der Bundesstraße

Zu seiner Radtour sei er am 4. April in Amsterdam aufgebrochen. Istanbul habe er mehr zufällig als Ziel ausgewählt. „Das sprang auf der Karte irgendwie ins Auge“, meint der Radtourist. Diese Karte ist die Übersicht am Anfang des Europa-Autoatlasses, mit dem er Tag für Tag seinen Weg bestimmt. Dabei hat er auch keine Angst vor großen Straßen. „Ich bin heute diese rote Straße von Wurzen aus gefahren, weil ich nichts anderes gefunden habe“, erzählt Robert van Atten und meint damit die B 6. Die Autos, sogar die Lkw, würden schon rücksichtsvoll fahren, zur Not auch mal abbremsen.

Im Schnitt lege er täglich 80 Kilometer zurück, manchmal auch 100. Für Übernachtungen brauche er weder Hotel noch Pension, er habe einen leichten und einen Winterschlafsack sowie ein Zelt dabei. „Hier gibt es aber gar nicht so viele Campingplätze“, hat Robert van Atten festgestellt. Das sei jedoch kein Problem. Er habe schon mehrmals bei Privatpersonen gefragt, ob er sein Zelt auf ihrem Grundstück aufschlagen könne. Das sei ihm noch nie abgeschlagen worden – im Gegenteil, man habe ihn sogar schon zum Abendessen eingeladen.

Mit leichtem Gepäck

Wer vier Monate mit dem Fahrrad unterwegs sein will, muss sein Gepäck sorgfältig auswählen. Robert van Atten hat sich für nur zwei Paar Schuhe und wenige Ersatzteile für sein zwölf Jahre altes Rad entschieden. Dafür hat er rund zehn Kilogramm Bücher mit dabei. „Ich lese eben gern, habe aber keinen e-Reader mit“, begründet der Lehrer seine Auswahl. Zwar tausche er täglich mit seiner Frau SMS aus, aber aufs Skypen, Chatten oder Versenden von E-Mails müsse und könne er verzichten. Jeden zweiten Tag finde er es zumindest streckenweise langweilig, allein unterwegs zu sein. Den Rest der Zeit erfreue er sich an den Orten und Landschaften, durch die er komme.

Das Etappenziel des Tages, an dem er in Oschatz eine kleine Pause mit Apfelkuchen aus dem Supermarkt und einem Kaffeebecher vom Bäcker eingelegt hat, war übrigens Meißen. „Ich habe gehört, dass es dort einiges zu sehen gibt“, steckte Robert van Atten sein Ziel ab. Laut Atlas ist dafür die B 6 die günstigste Strecke und, wie gesagt, Angst vor großen Straßen habe er ja nicht.

Insgesamt will der Lehrer auf seiner viermonatigen Radtour 10 000 Kilometer zurücklegen. Das ist mit der Strecke Amsterdam–Istanbul noch nicht geschafft. „Von dort aus will ich zum anderen Ende Europas, ans Nordkap und dann wieder nach Amsterdam“,schildert der 53-Jähriger seinen Plan.

Von Axel Kaminski

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