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Oschatz Junge Ganzigerin auf Weltreise macht Station in Chile
Region Oschatz Junge Ganzigerin auf Weltreise macht Station in Chile
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00:29 25.02.2018
Sophie Jähnigen aus Ganzig geht auf Weltreise. Ihre erste Station ist Chile, wo sie unter anderem den Nationalpark Huerquehue besuchte. Quelle: Foto: Sophie Jähnigen
Santiago de Chile

In 80 Tagen um die Welt - vor mehr als 140 Jahren ein Vorhaben mit Wow-Effekt. Heute aber wäre es wohl kaum jemandem noch ein müdes Nicken wert. Ohne großen Aufwand lässt sich die Welt inzwischen in weniger als zwei Tagen umrunden – ein Wochenendtrip quasi.

Dafür müsste man nicht mal Urlaub nehmen. Weltreise abgehakt. Reiseerinnerungen? Fehlanzeige. Im besten Fall hätte man eine gute Aussicht, halbwegs ordentliches Essen, einen Tomatensaft und nettes Flugpersonal. Jules Verne hätte unter diesen Umständen wahrscheinlich nie einen Bestseller geschrieben.

Der erste Teil von Sophies Reisebericht ist am 23. Januar erschienen.

Also doch lieber etwas langsamer. In meinem Fall 480 Tage, die gerade erst begonnen haben. Und dennoch habe ich schon so viel gesehen. Ich war in Santiago de Chile, Valparaíso, Temuco, Pucon und Puerto Varas. Im Moment befinde ich mich auf der Insel Chiloe. Ich habe bunte Städte, idyllische Seen, raue Strände, schneebedeckte Vulkane und Wasserfälle gesehen, war wandern, in Naturthermalquellen baden, im Theater, auf Festivals und Konzerten, habe Pinguine und Delfine gesehen und bin durch grüne Wälder spaziert.

Sophie aus Ganzig am Ojos de Carburgua in Chile. Quelle: Sophie Jähnigen

Ich wurde herzlich empfangen, vom Land mitgerissen und konnte mich meiner einigen Vorurteile entledigen. Niemals zum Beispiel hätte ich erwartet, dass Santiago – trotz Smog – eine so saubere und geordnete Stadt ist. Niemals hätte ich gedacht, dass ich das Leitungswasser in Chile trinken kann. Niemals hätte ich erwartet, dass die Busse fast immer pünktlich fahren oder dass es Omas Streuselkuchen hier an jeder Straßenecke gibt.

Kulinarische Köstlichkeiten

Und so geht mein erster Reisemonat mit vielen Eindrücken zu Ende. Ich habe viel erlebt und gleichzeitig bin ich auch irgendwie langsam unterwegs. Doch ich habe Zeit und will nicht hetzen. Einen Ort zu verstehen benötigt Zeit. Außerdem kommt man nur so mit Leuten ins Gespräch und über das erste „Wo kommst du her?“ hinaus. Plötzlich sitzt man zusammen und grillt leckere Fleischspieße, trifft sich auf ein Bier oder geht mit zu einem Konzert.

Man merkt, wie sich die Chilenen darüber freuen, dass so viele Menschen aus aller Welt in ihr Land kommen. So ist man immer mittendrin. Dann fragt man auch nicht mehr nach Hygienestandards, wenn man in einem Hinterhof zwischen toten Schafen sitzt, um ein „Asado Cordero“ – einen Lammbraten – zu essen. Magen zusammenkneifen und durch. Lecker war es trotzdem, auch wenn es nicht immer so speziell sein muss.

Sophie schreibt über ihre Erlebnisse in einem Blog.

Am einfachsten futtert man sich aber an den unzähligen Straßenständen satt. In Chile verkauft gefühlt jeder, was sein Kühlschrank gerade so hergibt. Aus Kühlboxen und Körben gibt es Empanadas (gefüllte Teigtaschen), Kuchen oder sogar Eis. Andere verkaufen selbst gestrickte Wollmützen, Schmuck oder Schnitzereien. Man braucht nur eine Idee. Viele Chilenen verdienen sich so etwas zum meist nicht sehr üppigen Monatsgehalt dazu.

Freundschaftliches Miteinander auf der Straße

Dennoch sind die Chilenen angenehm unaufdringlich: Kein lautes Hinterherschreien oder beleidigtes Streiten wenn man nichts kauft. Die Menschen sind entspannt, manchmal vielleicht auch etwas gelangweilt, aber immer freundlich.

Die ältere Generation wäre entzückt, denn hier wird noch gegrüßt und man hat immer Zeit für ein kurzes Gespräch auf der Straße, egal ob jung oder alt, ob mit dem Nachbarn oder einem Touristen. Man ist gesellig, teilt seinen Mate Tee (auch wenn der eigentlich nach Argentinien gehört) und gibt sich alle Mühe, damit sich die Fremden wohl fühle. Und ich fühle mich definitiv wohl.

Auch den Nationalpark Huerquehue besuchte Sophie und genoss die atemberaubende Aussicht. Quelle: Sophie Jähnigen

Chile ist ein tolles erstes Reiseland. Es ist vergleichsweise sicher und gut organisiert. Zudem bietet es eine atemberaubende Natur. Wohin man auch kommt, findet man Nationalparks mit dschungelartigen Wäldern, aktive Vulkane oder eindrucksvolle Wasserfälle.

Wilde Natur und süße Pinguine

Eine Wanderung in Chiles Zentrum führte mich beispielsweise zur Spitze des San Sebastian im Nationalpark Huerquehue, in der Nähe von Pucón. Eine Wanderung, die ich absolut empfehlen kann. Es war ein wundervoller Tag, mit viel Sonne und atemberaubenden Aussichten. Leider endete der Tag mit einem Sturz und einer Woche Zwangspause. Aber ich hatte Glück im Unglück: Die Thermalquellen um Pucón boten mir die nötige Erholung.

In Chile konnte Sophie auch Magellan- und Humboldt-Pinguine in freier Natur beobachten. Quelle: Sophie Jähnigen

Dennoch war ich froh, als ich weiterreisen konnte, denn so schön die Natur um das kleine Örtchen auch ist: Pucón selbst ist ein sehr hektischer, lauter und touristischer Ort. Daher war die Insel Chiloe ein guter Platz um ein bisschen Abstand zu bekommen, denn hier ticken die Uhren noch anders. Alles läuft etwas langsamer ab, die Menschen haben ihren ganz eigenen Charme. Die raue Natur erinnert an Schottland, an den Küsten kann man Magellan- und Humboldt-Pinguine beobachten. Sogar einige Delfine habe ich zu Gesicht bekommen.

Jetzt bin ich bereit für neue Abenteuer und freue mich auf den Süden. Bald geht meine Fähre zurück zum Festland nach Chaiten. Mehr als 1400 km habe ich bereits zurückgelegt. Bis zur Südspitze liegen noch knapp 2000 vor mir. Es wird kälter und nässer werden. Aber ich freue mich auf neue Abenteuer. Süden, ich komme.

Von Sophie Jähnigen

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