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Polizeiticker 8000 Euro pro blindem Passagier: Schleuser-Netzwerk in Sachsen zerschlagen
Region Polizeiticker 8000 Euro pro blindem Passagier: Schleuser-Netzwerk in Sachsen zerschlagen
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17:42 31.01.2018
Bei der Razzia in Bad Muskau wurden mutmaßliche Schleuser festgenommen.  Quelle: Bundespolizei/dpa
Görlitz/Leipzig

Der Bundespolizei in Mitteldeutschland ist an diesem Mittwoch ein Schlag gegen ein Schleuser-Netzwerk gelungen. Über 200 Beamte gingen in vier Bundesländern gegen die Chefs einer Bande vor, die im großen Stil in Lkw versteckte Migranten über die Grenze nach Deutschland geschleust haben sollen. „Gegen drei Verdächtigte wurde im Auftrag der Staatsanwaltschaft Görlitz Haftbefehl erlassen“, sagte Polizeioberrat Markus Pfau, Chef der Inspektion Kriminalitätsbekämpfung der Bundespolizei in Halle, die für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig ist.

Seit August 2017 führe man gemeinsam mit der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf (Görlitz) ein Ermittlungsverfahren wegen gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern durch. Gemeinsam mit Spezialkräften untersuchten die Bundespolizisten sieben Wohnungen und Geschäftsräume in Bremen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Hier waren die Beamten in Bad Muskau im Einsatz. Umfangreiches Beweismaterial wie Rechner und Handys wurden festgestellt, so Pfau. Beschlagnahmt wurden auch eine fünfstellige Summe Bargeld und eine Tüte mit gefälschten Bahnfahrscheinen – vorwiegend Monats- und Jahreskarten der Deutschen Bahn.

Flüchtlinge waren in Lastwagen eingepfercht

Bei den Festgenommen handele es sich um drei Männer türkischer (44), polnischer (37) und bulgarischer (53) Nationalität. Ein vierter Tatverdächtiger sei international zur Fahndung ausgeschrieben. Den Männern wird vorgeworfen, gemeinsam mit weiteren Tatverdächtigen, mehrfach im Vorjahr Migranten per Lkw in das Bundesgebiet eingeschleust zu haben. Im Zuge der Ermittlungen zogen die Beamten bereits bei mehreren Kontrollen Fahrzeuge aus dem Verkehr.

Zu den spektakulären Fälle gehört die Kontrolle in Frankfurt/Oder. Hier hielten die Beamten einen türkischen Lkw mit über 50 Männern, Frauen und Kindern aus dem Irak an. Eine Person war stark dehydriert, andere litten Hunger und Durst. In Zusammenarbeit mit der slowakischen Polizei wurden Ende vergangenen Jahres 79 in zwei Lastwagen eingepferchte Flüchtlinge befreit. Die beiden türkischen Fahrer befinden sich derzeit in der Slowakischen Republik in Untersuchungshaft. Bei den Geschleusten handelte es sich um Personen iranischer oder irakischer Nationalität. Unter ihnen waren auch 32 Kinder unter sieben Jahren sowie zwei Säuglinge im Alter von drei und vier Monaten. Pfau erinnerte in dem Zusammenhang an den tragischen Fall in Österreich vom August 2015 mit 71 Toten.

Mindestens 160 Migranten über Balkanroute geschleust

Nach derzeitigem Ermittlungsstand seien durch die Organisation mindestens 160 Migranten über die Balkanroute nach Deutschland eingeschleust worden. Für ihre Dienste verlangten die Schleuser in der Regel 8000 Euro pro blindem Passagier. Im Falle einer Verurteilung drohen den Beschuldigten Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

Der Präsident der Bundespolizeidirektion Pirna, Jörg Baumbach, lobte den Einsatz: Bereits am 17. Januar dieses Jahres habe man erfolgreich ein polnisch-syrisches Schleusernetzwerk zerschlagen. Nur zwei Wochen später sei nun der zweite Schlag gelungen. „Die Ermittlungen in diesem Verfahren zeigen einmal mehr, dass es den skrupellosen Schleusern nur um Profit geht. Das Wohlergehen der Personen, die sich ihnen für viel Geld anvertrauen, ist ihnen egal.“

Mitteldeutschland ist wegen seiner Außengrenzen zu Tschechien und Polen besonders von Lkw-Schleusungen betroffen. Im vergangenen Jahr nahm die Bundespolizei in Mitteldeutschland 168 Schleuser fest. Ferner wurden bis Ende November 2888 unerlaubt eingereiste Migranten aufgegriffen.

Von Andreas Dunte

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