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Polizeiticker Amokfahrt in Münster: Polizei untersucht Brief aus Wohnung in Sachsen
Region Polizeiticker Amokfahrt in Münster: Polizei untersucht Brief aus Wohnung in Sachsen
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19:40 09.04.2018
Blumen am Tatort: Warum wurde Jens R. zum Amokfahrer? Quelle: dpa
Münster/Pirna/Leipzig

Nach der Amokfahrt mit insgesamt drei Toten in Münster untersucht die Polizei weiter die Hintergründe und das Motiv der Tat. Aufschluss geben könnte dabei eine Art Lebensbeichte, die die Polizei in einer Wohnung des 48-Jährigen in Sachsen fand.

In dem 18-seitigen Schreiben soll Jens R. von Problemen mit den Eltern, Schuldkomplexen, nervlicher Zerrüttung und Zusammenbrüchen berichtet haben. Auch von „Aggressionsausbrüchen“ und Verhaltensstörungen ist die Rede. Eine besondere Rolle spiele eine womöglich verpfuschte Operation. Laut „Bild“-Zeitung litt er seit einem missratenen Eingriff im Jahr 2015 an unerträglichen Rückenschmerzen.

Das bereits etwas ältere Dokument werde in Ermittlerkreisen im Nachhinein als klassische Ankündigung eines Suizids gelesen, heißt es in dem Bericht. Die Polizei wollte sich zu Details nicht äußern. „Die sichergestellten Dokumente werden ausgewertet, das wird noch Zeit in Anspruch nehmen“, sagte Behördensprecherin Viola Groß in Münster am Montag auf Anfrage von LVZ.de.

Jens R. soll Wohnung nicht abgemeldet haben

R. soll Wohnungen in Pirna und Heidenau, südöstlichen Nachbarstädten von Dresden, gehabt haben. Unter seiner ehemaligen Pirnaer Anschrift, in einem Hochhaus an der Remscheider Straße im von DDR-Plattenbauten geprägten Stadtteil Sonnenstein, war er bis zuletzt gemeldet. Und das, obwohl seit einem knappen Jahr ein anderer Mieter in der Wohnung lebt, der mit Jens R. offenbar nichts zu tun hatte.

„Warum er dort noch verzeichnet war, ist uns noch unbekannt. Das kann auch ein Versehen sein“, sagt eine Sprecherin der Polizei Münster. Sächsische SEK-Beamte öffneten die Wohnung in der Nacht zu Sonntag gegen 1:30 Uhr. Zu einer Durchsuchung und Sicherstellung von Beweisstücken kam es jedoch nicht, da sich der Irrtum schnell aufklärte.

Anders in der Heidenauer Wohnung, in der er ebenfalls bis zuletzt gemeldet war. Dort fand sich neben weiteren persönlichen Dingen aus dem Besitz des Amokfahrers ein Schreiben, über dessen Inhalt sich die Polizei nicht explizit äußern will.

Polizei: Keine Spekulationen

In dem Pirnaer Mietshaus sollen laut Medienberichten auch Mitglieder einer „Kameradschaft“ wohnen. Ob Jens R. in Verbindung zu diesen Leuten stand, wird von den Behörden noch geprüft. „Da wollen wir uns an Spekulationen nicht beteiligen“, so die Polizeisprecherin. Am Wochenende hatte das Polizeipräsidium R.s Wohnungen in Pirna und Dresden durchsucht.

„Wir nehmen aktuell Münster als Lebensmittelpunkt an und versuchen, ein Bewegungsprofil zu erstellen, um die letzten Wochen vor der Tat zu rekonstruieren“, erklärte die Polizeisprecherin. So sollen unter anderem Befragungen von Anwohnern ergeben, inwieweit es dort tatsächliche Aufenthaltsorte gab - oder auch nicht.

Der Tatort am Kiepenkerl in Münster. Quelle: dpa

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte am Montagmorgen im Deutschlandfunk: „Es sieht ganz so aus, dass es sich um einen psychisch labilen und gestörten Täter handelt, der offensichtlich schon länger darüber nachgedacht hat, sich das Leben zu nehmen.“ Es würden zwar nach wie vor auch mögliche andere Hintergründe geprüft. „Aber es spricht schon sehr, sehr viel dafür, dass es ein Einzeltäter war.“

„Vage Hinweise auf suizidale Gedanken“

Am Sonntag war bekannt geworden, dass der Mann wegen psychischer Probleme Kontakt zum Gesundheitsamt in Münster hatte und suizidale Gedanken formuliert hatte. Der Industriedesigner hatte Ende März auch eine Mail an mehrere Bekannte geschrieben, aus der sich laut Polizei „vage Hinweise auf suizidale Gedanken, aber keinerlei Anhaltspunkte für die Gefährdung anderer Personen“ ergaben.

Die Ermittler wollen nun eine Art Bewegungsprofil des Todesfahrers erstellen. „Wir konzentrieren uns jetzt mit unseren Untersuchungen insbesondere darauf, ein möglichst umfassendes Bild über das Verhalten des Täters in den Vorwochen zu erhalten“, sagte der Polizeipräsident von Münster, Hajo Kuhlisch. So wollten die Ermittler dessen Motivation verstehen.

Zwei Verletzte noch in Lebensgefahr

Jens R. hatte sich nach der Amokfahrt am Samstag mit einem Campingbus in der Münsteraner Innenstadt in seinem Fahrzeug erschossen. Woher er die Waffe hatte, ist noch unklar. „Er hatte keinen Waffenschein. Es war keine ordnungsgemäß erworbene Waffe“, so Innenminister Reul. Der Mann stammt aus dem sauerländischen Olsberg, er wuchs in Brilon auf und lebte seit längerer Zeit in Münster.

Zwei der Verletzten schwebten auch am Montag noch in Lebensgefahr. Insgesamt waren bei der blutigen Tat am Samstagnachmittag etwa 20 Menschen verletzt worden. Eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann wurden getötet. In dem Campingbus hatten Ermittler neben der Tatwaffe auch eine Schreckschusspistole und rund ein Dutzend sogenannter Polenböller gefunden. Weitere Polenböller sowie eine unbrauchbar gemachte Maschinenpistole vom Typ AK47 entdeckte die Polizei in Münster.

Von Robert Nößler / Stefan Schramm (mit dpa)

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