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Angriffe auf Asylbewerberheime nehmen zu

42 Fälle im 1. Halbjahr Angriffe auf Asylbewerberheime nehmen zu

Pöbeln, hetzen, schlagen: Die Zahl der Attacken auf Flüchtlingsheime in Deutschland nimmt zu. Auch Sachsen macht dabei keine Ausnahme. Die Angst vor den und dem Fremden schlägt in Gewalt um.

Polizisten schützen die Flüchtlingunterkunft in Freital. (Archivbild)

Quelle: dpa

Leipzig/Berlin. Sachsens Polizei hat im ersten Halbjahr bereits 42 Angriffe auf Asylbewerberheime registriert. Damit ist schon nach sechs Monaten die Zahl der entsprechenden Straftaten aus dem Vorjahr (44 Fälle) fast erreicht. 2013 waren es insgesamt 15. Bundesweit ist der Trend ähnlich. Das Operative Abwehrzentrum (OAZ) in Leipzig sprach am Donnerstag von vorläufigen Zahlen. Sie könnten sich durch Nachmeldungen oder neue Ermittlungen noch verändern.

Insgesamt ermittelte das OAZ im ersten Halbjahr 24 Tatverdächtige. „19 Ermittlungsverfahren wurden abgeschlossen und an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben“, sagte OAZ-Sprecherin Anke Müller. Laut Polizeistatistik waren im zweiten Quartal dieses Jahres Asylbewerberunterkünfte in 15 Städten betroffen. Freital führt die Liste mit drei Vorfällen an. Die Straftaten betreffen Tatbestände wie Bedrohung, Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Volksverhetzung und Brandstiftung.

Das Bundesinnenministerium hatte am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die eine Zunahme von Angriffen auf Flüchtlingsheime bundesweit belegen. Demnach wurden im ersten Halbjahr 202 Übergriffe gezählt. Im gesamten Vorjahr waren es 198 Fälle – das war schon eine Verdreifachung im Vergleich zu 2013. Von den Attacken im ersten Halbjahr 2015 gingen rund 85 Prozent auf das Konto von Rechtsextremen. Immer öfter gibt es aber auch Akteure, die nicht direkt zum Neonazi-Milieu gehören.

Die Berliner „Tagezeitung“ (taz) veröffentlichte am Donnerstag deutschlandweite Zahlen zur rechtsextremen Gewalt. Demnach ist das Risiko eines Neonazi-Überfalls nirgends so groß wie in Brandenburg. Nach einer Statistik des Bundesinnenministeriums kamen dort im vergangenen Jahr auf 100.000 Einwohner rein rechnerisch 2,98 rechtsextreme Gewalttaten. Brandenburg rangiert vor Berlin (2,81), Thüringen (2,27) und Mecklenburg-Vorpommern (2,19). Sachsen und Sachsen-Anhalt folgen mit einem Wert von 2,05.

In Sachsen untersucht das OAZ Straftaten von Extremisten, die aus dem rechten oder linken Spektrum stammen. 2014 bearbeitet das in Leipzig ansässige Zentrum 292 Fälle abschließend. Dabei konnten 218 geklärt und 254 Tatverdächtige ermittelt werden. Mit Stand Juni 2015 waren erneut 292 Ermittlungsverfahren anhängig.

LVZ

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