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Polizeiticker Arzt soll Frau mit Kokain gefügig gemacht haben– ein Opfer stirbt
Region Polizeiticker Arzt soll Frau mit Kokain gefügig gemacht haben– ein Opfer stirbt
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18:45 28.09.2018
Dem 42 Jahre alte Mediziner aus Halberstadt werden seit September 2015 insgesamt zehn Taten zur Last gelegt. Quelle: dpa/Johannes Stein
Magdeburg

Als Oberstaatsanwältin Eva Vogel die Anklage verliest, geht es immer wieder um Sex und Drogen. Die zahlreichen Zuschauer im Saal des Magdeburger Landgerichts hören am Freitag, wie ein Arzt als Privatmann ihm bekannte Frauen gefügig gemacht haben soll - indem er Kokain unter seiner Penisvorhaut „deponierte“ und es ihnen beim Oral- oder Analverkehr heimlich eingeflößt haben soll. Einige Male löst er die Drogen laut Staatsanwaltschaft auch in Getränken auf. Die Frauen sind währenddessen ahnungslos, hieß es. Für eine von ihnen endet das Sexspiel im Februar tödlich. 

Seit Freitag muss sich der ehemalige Chefarzt in einem Halberstädter Krankenhaus vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 42-Jährigen unter anderem Vergewaltigung mit Todesfolge vor. Das Gericht muss im Laufe der Verhandlung prüfen, ob für die eine Tat auch eine Verurteilung wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen oder Totschlags infrage kommt. Auch die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt sowie Sicherungsverwahrung kommen in Betracht. 

Insgesamt sind zehn Fälle zwischen September 2015 und Februar dieses Jahres in Berlin, Hermsdorf und Halberstadt angeklagt. Die Taten ereigneten sich laut Staatsanwaltschaft im Privaten, nicht in der Klinik. In Halberstadt leitete der Angeklagte zuletzt in einem Krankenhaus die Klinik für plastische, ästhetische und Handchirurgie. Vor Gericht erscheint er im weißen Hemd und grauem Jacket. Er wirkt ruhig und gefasst, spricht immer wieder mit seinen Anwälten.

Zum Prozessauftakt hüllt sich der gebürtige Österreicher mit deutschem Pass in Schweigen - auch im Ermittlungsverfahren hat er sich nach Auskunft eines Gerichtssprechers nicht geäußert. Die beiden Verteidiger beantragen am Freitag eine Aussetzung der Verhandlung wegen Formfehlern in der Anklageschrift und bei deren Zustellung sowie einen generellen Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Kammer um den Vorsitzenden Richter Dirk Sternberg weist beide Anträge zurück und will über den Ausschluss der Öffentlichkeit im Einzelfall entscheiden. „Der Tod, wie auch immer er zustande gekommen ist, war nicht gewollt“, erklärte einer der Anwälte. 

Der Anklage zufolge soll es am 20. Februar in der Halberstädter Wohnung des Mannes zunächst zu einvernehmlichen Sex mit einer Frau gekommen sein. Ohne ihr Einverständnis soll der Angeklagte ihr dann vaginal Kokain verabreicht und außerdem ein Video gedreht haben. Während des Geschlechtsverkehrs habe sich der Zustand der Frau stark verschlechtert, sagt Staatsanwältin Vogel. Der 42-Jährige ruft ihren Angaben zufolge den Notarzt, dem zunächst die Wiederbelebung gelingt. Sechs Tage später wird bei der Frau im Krankenhaus der Hirntod festgestellt, ausgelöst durch eine Überdosis Drogen. Ihr Ehemann, der als Nebenkläger auftritt, sagt am ersten Verhandlungstag hinter verschlossenen Türen aus. 

Auch in den anderen neun Fällen mit vier weiteren Frauen sei es immer darum gegangen, Sex unter Drogeneinfluss zu haben. Die Opfer seien dann wehrlos und nicht mehr in der Lage gewesen, einen Willen zu äußern, heißt es.  

Die erste Strafkammer hat zunächst Verhandlungstermine bis Ende November angesetzt. Neben den Zeugen sollen auch zwei Sachverständige gehört werden. Der Prozess wird am 4. Oktober fortgesetzt.

Von LVZ