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Polizeiticker Reisegruppe in brennendem Bus kam aus Weißwasser - 18 Tote geborgen
Region Polizeiticker Reisegruppe in brennendem Bus kam aus Weißwasser - 18 Tote geborgen
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14:55 20.03.2018
Bei einem Unfall mit einem Reisebus sind Dutzende Menschen verletzt worden.  Quelle: dpa
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Münchberg

Furchtbarer Unfall auf der Autobahn 9: Ein Reisebus ist am Montag nach einem Unfall mit einem Lastwagen in Oberfranken in Brand geraten. Kurz nach 7 Uhr war das Fahrzeug nahe Münchberg im sich stauenden Verkehr auf einen Sattelschlepper geprallt. In dem brennenden Bus befand sich eine Reisegruppe mit Senioren aus Sachsen, das bestätigte am Nachmittag das Sächsische Innenministerium. Wie viele Sachsen unter den Todesopfern sind, sei wegen der Schwere des Unfalls noch unklar. Auch Reisende aus anderen Bundesländern waren nach Angaben der Behörde in dem Unglücksbus.

Nach LVZ-Informationen ist der Reisebus am frühen Montagmorgen in Weißwasser in der Oberlausitz gestartet und fuhr über das brandenburgische Senftenberg nach Dresden. In Senftenberg seien vier Brandenburger und vier Sachsen zugestiegen, so das Landesinnenministerium in Potsdam. Die vier Reisenden aus Brandenburg hätten das Unglück überlebt. Weitere Fahrgäste seien am Dresdner Hauptbahnhof zugestiegen, teilte die Stadt außerdem mit. Ziel der Reise war das italienische Trient nördlich des Gardasees. Das Busunternehmen stammt nach LVZ-Informationen aus Löbau.

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Auf der A9 in Oberfranken ist am 3. Juni ein Reisebus mit einer Gruppe aus Sachsen nach einem Unfall völlig ausgebrannt. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Fotos: dpa

Bemühungen um Identifizierung

18 Menschen sind bei dem verheerenden Unglück ums Leben gekommen. Diese seien in dem brennenden Reisebus gestorben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Sterbliche Überreste von allen 18 Toten waren bis zum Nachmittag geborgen worden. 30 der 48 Insassen seien verletzt worden, zwei schweben noch in Lebensgefahr, teilte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Nachmittag bei einer Pressekonferenz vor Ort mit.  

Die Benachrichtigung der Angehörigen werde erst noch stattfinden, so Dobrindt am Montagnachmittag weiter. In Münchberg sei eine Anlaufstelle eingerichtet worden, die Angehörige aufnehmen und auch betreuen könne, hieß es weiter. 

Unfallursache wird analysiert

Vom Fahrzeug blieb nur ein verkohltes Wrack übrig. Zuvor saßen darin 46 Fahrgäste und zwei Fahrer im Alter von 41 bis 81 Jahre. Einer der Busfahrer kam nach Polizeiangaben ums Leben, der andere wurde verletzt. Auch der Anhänger des beteiligten Sattelzugs geriet in Brand. Der Lkw-Fahrer erlitt einen Schock.

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Wie es zu dem Unfall und dem ungeheuer schnell wütenden, extrem heißen Feuer kommen konnte, müsse jetzt analysiert werden, so der Politiker. Die Betroffenheit durch die Tragödie war ihm deutlich anzumerken. Er schilderte weiter, dass der Bus schräg auf den vor ihm befindlichen Lastwagen aufgefahren sei. "Er muss sofort komplett in Flammen gestanden haben", so Dobrindt. Es gebe noch keine ausreichende Erkenntnis, wie es dazu kommen konnte. Gegenüber der Leipziger Volkszeitung vertrat der Berliner Unfallforscher Siegfried Brockmann die These, dass der Bus womöglich schon in Flammen stand, und die Kollision die Folge des Brands war.

Die Polizei Oberfranken hat eine Telefonnummer für Angehörige veröffentlicht: 0800/7766350.

Rechtsmediziner im Einsatz

Zur Bergung und Identifizierung der Toten seien Spezialisten der Rechtsmedizin und des Bundeskriminalamts angefordert, so die Polizei Oberfranken. Es sei unwahrscheinlich, dass sich noch jemand habe retten können und verletzt in der Umgebung liege, sagte zuvor ein Feuerwehrsprecher. Um die Unfallstelle herum gebe es Wildschutzzäune, über die vermutlich niemand geklettert sei.

Als die Feuerwehr am Montagmorgen an der Unglücksstelle eintraf, habe der Bus in Vollbrand gestanden, sagte ein Feuerwehrsprecher. Das Fahrzeug war an einem Stauende auf einen Sattelschlepper aufgefahren. Dieser soll laut Medienberichten Betten und Kissen geladen haben. Sowohl der Bus als auch der Lkw hätten sehr schnell in Flammen gestanden.

Feuer-Inferno

Minister Dobrindt bestätigte, dass sich nach dem Unfall sofort ein sehr heißes und schnelles Feuer entwickelt haben muss, das sich in Minuten in dem Reisebus ausbreitete. Es muss ein Inferno gewesen sein: Vom Bus ist nur noch ein verkohltes Gerippe zu sehen. Das Wrack bietet einen grausigen Anblick. Selbst die Bäume nebenan sind vom Feuer gezeichnet. 

Erste Rettungskräfte seien zehn Minuten nach dem Alarm am Unfallort gewesen, so Dobrindt. Bis die Helfer ankamen, hatten sich schon viele Menschen in Sicherheit gebracht: „In dem Moment, in dem wir eintrafen, kam niemand mehr aus dem Bus“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Alle Reisenden seien deutscher Staatsangehörige gewesen. Kinder waren nach derzeitigen Erkenntnissen nicht an Bord.

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Hof ist ein Sachverständiger vor Ort und unterstützt die Beamten der Verkehrspolizei Hof bei der Klärung zur Unfallursache.

Keine leichte Arbeit für Rettungskräfte

„Für die Einsatzkräfte war es keine leichte Arbeit. Es waren vor allem ehrenamtliche Helfer der Feuerwehren aus den umliegenden Ortschaften beteiligt“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) während der gemeinsam Pressekonferenz mit Dobrindt. Insgesamt seien rund 250 Helfer beteiligt gewesen, darunter auch Polizisten, Notärzte und Sanitäter. Erschwert worden sei der Einsatz durch eine unzureichende Rettungsgasse. Auf der anderen Fahrbahnseite hätten Gaffer für zusätzliche Gefahr gesorgt.

Tillich und Dresdner OB drücken Mitgefühl aus

Der schreckliche Unfall sorgt bundesweit für große Anteilnahme. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprachen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte zum Busunglück auf der Autobahn 9: "Mit großer Betroffenheit habe ich den schrecklichen Unfall einer sächsischen Reisegesellschaft aufgenommen. Ich bin sehr traurig und drücke meine tiefe Anteilnahme gegenüber den Familien und Freunden der Opfer aus. Den Verletzten wünsche ich schnelle und vollständige Genesung." Auch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert sprach den Betroffenen seine Anteilnahme aus und dankte den Rettungskräften für ihren professionellen Einsatz. Als Vertreterin der sächsischen Landesregierung machte sich Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) auf den Weg zur Unfallstelle, um sich ein Bild von der Situation zu machen.

Via Twitter äußerte sich auch der Erzbischof von Bamberg.

Notfallseelsorger sind vor Ort, sie kümmern sich um die Einsatzkräfte. „Feuerwehrangehörige sind für außergewöhnliche Situationen ausgebildet“, sagen Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, und Alfons Weinzierl, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Bayern. Ein derartiges Geschehen mit zahlreichen Toten und Schwerverletzten sei jedoch auch für die Einsatzkräfte belastend. „Wir hoffen, dass sie die bedrückenden Bilder gut verarbeiten können“, heißt es in einer Erklärung.

Der Unfallort dürfte vielen in der Region in schlechter Erinnerung sein: Am 19. Oktober 1990 hatte es auf der A9 bei Münchberg schon einmal einen folgenschweren Unfall gegeben. In einer Nebelwand krachte ein fast 40 Tonnen schwerer Milchlaster mit viel zu hoher Geschwindigkeit in eine Unfallstelle: Zehn Menschen starben damals. 122 wurden verletzt, 38 davon schwer.

Spurensicherung nimmt Arbeit auf

Am Montagvormittag schützten Feuerwehrfahrzeuge und Planen das Buswrack vor neugierigen Blicken. Experten der Spurensicherung haben mit ihren Arbeiten begonnen.

Die 30 Menschen, die sich retten konnten, sind in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Rettungshubschrauber landeten dafür auf der Autobahn und flogen die Opfer in Kliniken. „Sie haben teils sehr schwere Verletzungen erlitten“, sagt Polizeisprecherin Anne Höfer. Die Polizei hat die A9 komplett abgeriegelt. Lange Staus auch auf den Umgehungsstraßen sind die Folge. Die Fahrbahn in Richtung Norden war am Nachmittag für den Verkehr wieder freigegeben.

Von lyn / mro / Winfried Mahr (mit dpa)

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