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Polizeiticker Cessna-Absturz im Harz aufgeklärt
Region Polizeiticker Cessna-Absturz im Harz aufgeklärt
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17:25 07.10.2015
Blick auf die Wetterstation des Brocken. An einem Antennenmast blieb die Cessna hängen und stürzte ab.   Quelle: dpa
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BERGEN/WERNIGERODE

 Eineinhalb Jahre nachdem zwei Männer von der Insel Rügen bei einem Flugzeugabsturz im Harz ums Leben gekommen sind, hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ihre Analyse zur Unglücksursache abgeschlossen. Das Ergebnis: Der Pilot habe die schlechte Sicht im bergigen Gelände völlig unterschätzt und sei mit der Technik an Bord überfordert gewesen. Zudem könnte Termindruck eine Rolle gespielt haben.

Rückblick: Am Morgen des 11. April 2014 startet in Güttin auf der Ostseeinsel Rügen eine Cessna Richtung Hessen. Im Cockpit sitzen Pilot Ralf H. (38), Betreiber einer Autowerkstatt in Samtens, und Steffen R., (40) aus Bergen. Die Männer wollen zu einem Geschäftstermin in Reichelsheim, doch da kommen sie niemals an. Auf dem 1142 Meter hohen Brocken im Harz passiert das tragische Unglück. Dichter Nebel, tief hängende Wolken - die beiden können keine 20 Meter weit sehen. Fatal. Mit der rechten Tragfläche rammt die Cessna den Windmast auf dem Dach der Brocken-Wetterstation. Der viersitzige Flieger stürzt sofort ab, zerschellt und brennt aus. Pilot und Passagier haben keine Chance. Beide Männer sind sofort tot. Die Unfallforscher kommen in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass sich der Pilot nur unzureichend auf den Flug vorbereitet und die Wetterbedingungen falsch eingeschätzt hatte. Anscheinend sei dem Mann nicht einmal klar gewesen, dass seine Route direkt über den Berg Brocken führte. Den Rat seines ehemaligen Fluglehrers, eine andere Route über Braunschweig zu wählen, habe er ignoriert, womöglich weil er unter Zeitdruck stand, mutmaßen die Unfallforscher. Beim Versuch, unter dem Nebel durchzufliegen, habe er dann auf dem Brocken die Sicherheitsmindesthöhe unterschritten.

 Denkbar sei auch, dass zusätzlich die „neue, komplexe Avionik“ (elektronische Geräte und Fluginstrumente allgemein und im Cockpit), den Piloten überfordert haben und er deshalb die Übersicht verlor. Der 38-Jährige hatte mit der Technik kaum Erfahrung. Die Cessna war erst kurz vor dem tragischen Todesflug umgerüstet worden. Nach Ansicht der Unfallermittler verfügte der Pilot insgesamt über zu wenig Flugerfahrung.

Das Absturz-Drama hatte damals an der Ostseeküste viel Aufsehen und Anteilnahme erregt. Der Pilot Ralf H. hinterließ auf Rügen eine Lebensgefährtin und einen fünfjährigen Sohn.

Von ANTJE BERNSTEIN

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