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Polizeiticker Chemnitzer Polizei rechnete nur mit 2000 Teilnehmern bei rechter Demo
Region Polizeiticker Chemnitzer Polizei rechnete nur mit 2000 Teilnehmern bei rechter Demo
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16:01 28.08.2018
Teilnehmer der Demonstration von „Pro Chemnitz“ am Montagabend in Chemnitz. Quelle: dpa
Chemnitz

Bis zu 8000 Demonstranten, darunter viele aggressive Rechtsextreme, zogen am Montagabend durch Chemnitz. Viel zu wenig Polizisten waren mit der Situation überfordert. Ungehindert konnten Demoteilnehmer etwa Jagd auf Journalisten machen. Die Polizei hatte mit 2000 Teilnehmern gerechnet, so viele waren angemeldet worden. Dadurch waren zu wenige Beamte vor Ort, bestätigte ein Polizeisprecher am Montagabend gegenüber den „Freien Presse“.

Durch die Mobilisierung in den sozialen Netzwerken sei die Teilnehmerzahl schlecht einzuschätzen gewesen. Im Laufe des Montags kursieren aber bereits weit höhere Zahlen. Anmelder Martin Kohlmann von „Pro Chemnitz“ sagte am frühen Nachmittag dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), er rechne mit „bis zu 10000 Teilnehmern“. Der einflussreiche Thüringer Neonazi Tommy Frenck mobilisierte ab den frühen Vormittag auf Facebook zur Fahrt nach Chemnitz.

Torsten Scheller, Vize-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Sachsen, bestätigte gegenüber den RND, dass die Polizei nur von 2000 Teilnehmern ausgegangen war. Die eingesetzten Beamten hätten im Rahmen der Möglichkeiten „sehr gute Arbeit geleistet“. Durch das Auffahren der Wasserwerfer seien „geeignete Maßnahmen ergriffen eingeleitet worden, um die Demonstration aus polizeilicher Sicht durchführen zu können“. Die Polizei hätte es geschafft: „so wenig Gewalt wie möglich aufkommen zu lassen“.

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Scheller nannte es „fatal, dass sehr viele gewaltbereite Teilnehmer aus ganz Deutschland nach Chemnitz gekommen sind“. Sollten die Demonstrationen weitergehen, würde die sächsische Polizei an ihre Grenzen geraten und in großer Zahl Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern angefordert werden müssen.

Am Donnerstag wird Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in Chemnitz erwartet. Zusammen mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) wird er im Stadion Rede und Antwort stehen. „Pro Chemnitz“ hat für Donnerstag 18 Uhr zu einer erneuten Kundgebung aufgefordert.

Scharfe Kritik an der sächsischen Polizei und Politik äußerte Oliver von Dobrowolski, Vorsitzender der Grünen-nahen Gewerkschaft „PolizeiGrün“. Dem RND sagte er: „Die Polizei Sachsen und die Landesregierung müssen sich nun zurecht von vielen Seiten den Vorwurf gefallen lassen, die Lage vorab und auch währenddessen unterschätzt zu haben und darüber hinaus die drastischen Ausmaße nicht zureichend erkennen zu wollen. Für die Polizei in Sachsen wünsche ich mir, dass man eher auf millionenteure Panzerfahrzeuge verzichtet und den Fokus auf eine Bürgerpolizei richtet, die auch die verunsicherten Bevölkerungsgruppen erreichen kann. Investitionen in Personal und politische Bildung bringen mehr als eine Militarisierung und ein Betonen des harten Staates.“

Von Jan Sternberg/RND

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