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Polizeiticker Fall Köthen: Zeugin „relativiert massiv“ ihre Darstellung in Audio-Datei
Region Polizeiticker Fall Köthen: Zeugin „relativiert massiv“ ihre Darstellung in Audio-Datei
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15:37 12.09.2018
Jürgen Konrad (l), Generalstaatsanwalt, und Horst Nopens, Leiter der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, sprechen während einer Pressekonferenz über den Stand der Ermittlungen zum Todesfall in Köthen.  Quelle: dpa
Leipzig/Halle

Eine Zeugin im Fall Köthen hat ihre Angaben zu den Geschehnissen aus einer Audio-Datei in ihrer Aussage „massiv relativiert“. Unter den angehörten Zeugen sei eine Frau, deren detaillierter mutmaßlicher Augenzeugenbericht als Audio-Datei aufgetaucht sei, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, Horst Nopens, am Mittwoch in Halle.

Bei der Anhörung habe die Frau ihre Aussagen zu dem Streit zwischen zwei Afghanen und zwei Deutschen, nach dem ein 22-Jähriger an einem Herzinfarkt starb, aber deutlich relativiert. Inhaltliche Details nannte Nopens aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Generalsstaatsanwalt weist angebliche Nachlässigkeiten zurück

Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad war um Verständnis für die Ermittlungsarbeit der Behörden in dem Fall. Es sei nicht Aufgabe der Staatsanwaltschaft, einzelne Beweismittel isoliert gegenüber den Medien zu bewerten, sagte er bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Halle. Erst zum Abschluss der Ermittlungen könne es eine Gesamtschau der Beweismittel geben. In Medien geäußerte Vorwürfe zu einer nachlässigen Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft weise er „auf das schärfste zurück“, sagte Konrad.

Zuvor hatte die Mitteldeutschen Zeitung über die Audio-Datei berichtet, die der Redaktion nach eigenen Angaben auch vorliegt. Demnach soll die Frau den Vorfall beobachtet und dann als Ersthelferin versucht haben, das Leben von Markus B. zu retten. Die MZ veröffentlichte das Tondokument als Abschrift im Wortlaut. Darin berichtet die Frau von Tritten gegen den Kopf und Bauch des am Boden liegenden Opfers.

Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) hatte am Montag bei einer Pressekonferenz zwar von Verletzungen des 22-Jährigen berichtet. Zum Tod habe aber ein Herzinfarkt geführt. Der junge Mann hatte an einer Vorerkrankung gelitten und einen Herzschrittmacher getragen. Kopfverletzungen durch Tritte oder Schläge seien bei der Obduktion nicht festgestellt worden, so die Ministerin.

Gewebeuntersuchung bestätig Herzinfarkt

Diese Version wiederholten die Ermittler am Mittwoch erneut. Die Todesursache sei - entgegen vieler Spekulationen - ein Herzinfarkt. Den Beamten zufolge wurde die Diagnose inzwischen auch mit feingeweblichen Untersuchungen belegt. Der Herzinfarkt basierte auf einer angeborenen Fehlbildung des Herzens des 22-Jährigen.

AfD hat Zweifel am Obduktionsergebnis

Die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt zweifelte am Dienstag die von Keding geschilderte Darstellung der Todesumstände im Fall von Köthen an. Der Abgeordnete Hannes Loth beruft sich dabei auf die Darstellung in der Audio-Datei. „Wenn die Landesregierung versucht, der Öffentlichkeit weiszumachen, der Tod des jungen Mannes sei nicht infolge dieser brutalen Attacke erfolgt und sein Herz habe allein aufgrund einer Vorerkrankung versagt, hält sie unsere Bürger offenbar für dumm“, so der Parlamentarier.

Loth räumte der MZ zufolge ein, dass er die Urheberin der Sprachnachricht nicht kennt. „Aber mein Nachbar kennt sie und ich vertraue ihm.“ Die Datei wird auch von rechten Online-Portalen verbreitet.

Von Matthias Roth (mit dpa)

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