Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 0 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Gefängnis-Geiselnehmer aus Görlitz zu Freiheitsstrafe verurteilt

Gefängnis-Geiselnehmer aus Görlitz zu Freiheitsstrafe verurteilt

Wegen der Geiselnahme im Görlitzer Gefängnis ist ein 33-Jähriger am Montag zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Die Strafkammer des Landgerichts sah es als erwiesen an, dass er einen Mithäftling mehr als sechs Stunden in seiner Gewalt gehalten und bedroht hatte, um seine Auslieferung in sein Heimatland Polen zu verhindern.

Voriger Artikel
Mücheln: Mann stirbt beim Baden in der Saale
Nächster Artikel
Schwerer LKW-Unfall auf der Bundesstraße 6 – Vollsperrung bis zum Mittag

Das Görlitzer Gefängnis war über Stunden im Ausnahmezustand, als ein Häftling im November 2010 einen anderen in seine Gewalt brachte.

Quelle: dpa

Görlitz. Sie blieb damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf achteinhalb Jahre plädiert hatte.

Die Verteidigung hatte einen minderschweren Fall geltend gemacht und drei Jahre für angemessen gehalten. Während die Anklage sich nicht äußern wollte, kündigte Verteidigerin Dorothee Jaskolski nach dem Urteilsspruch Revision an.

Ihr Mandant machte sich während der Urteilsverkündung Notizen, wirkte danach gelöst und unterhielt sich angeregt mit der Anwältin. In seinem letzten Wort hatte er die ungerechte Behandlung durch deutsche Behörden, falsche Zeugenaussagen und fehlendes Gehör für sein Anliegen beklagt.

Die Geiselnahme sei erwiesen, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Fresemann. Zu Gunsten des 33-Jährigen aber wertete die Kammer die Motive. Ihm sei es nicht um Vermögensvorteile gegangen, sondern er habe gegen die Entscheidung zur Auslieferung vorgehen wollen. Aus Sicht eines ausländischen Staatsbürgers, der sich mit diesen schwierigen Rechtsfragen konfrontiert sehe, „war dieser Irrtum schlüssig“. Bei der Geiselnahme habe er zudem Rücksicht auf Schmerzen des Opfers genommen.

Die Intensität und Nachhaltigkeit der Tat, die ständig fühlbare Bedrohung des Opfers und der möglicherweise blutige Ausgang wirkten sich laut Fresemann dagegen strafverschärfend aus. Schwer wogen für die Richter ebenso die erheblichen Vorstrafen des Angeklagten. Der 33-Jährige war seit 1996 in Polen und Deutschland mehrfach wegen Gewaltstraftaten wie Raub, Körperverletzung und Vergewaltigung verurteilt worden.

Ungeklärt blieb, woher er das mit einem Messingnagel zur Waffe umgebaute Feuerzeug hatte. „Er selbst hat dazu keine Angaben gemacht, wir gehen anhand einiger Indizien davon aus, dass er es in die Justizvollzugsanstalt geschmuggelt hat“, sagte Fresemann. Der Angeklagte war zu der von Polen erwirkten Auslieferung über mehrere Stationen nach Ostsachsen gebracht worden. Dabei stieß auch die spätere Geisel dazu, ein zur Abschiebung vorgesehener 51-jähriger Landsmann.

„Wir haben es mit jemandem zu tun, der, wenn er etwas nicht bekommt, Gewalt anwendet“, hatte Staatsanwalt Jörg Toschek zuvor in seinem Plädoyer gesagt. Obwohl seinen Forderungen nachgegeben worden sei, habe er seine Geisel über sechseinhalb Stunden in der Gewalt behalten, mit der Waffe am Hals nahe der Hauptschlagader. „Sie haben das Opfer für sein Leben geprägt.“ Die Äußerung des Angeklagten im Prozess, immer wieder gegen Normen zu verstoßen, zeige, „dass nur eine erhebliche Freiheitsstrafe geeignet ist, ihn überhaupt zu erreichen“.

Verteidigerin Jaskolski bestritt die Tat ihres Mandanten an sich nicht. „Es war Unrecht, den Mann zu bedrohen.“ Sie kritisierte jedoch die chaotischen Verhältnisse und die Behörden, die die Tat in die Länge gezogen hätten. Durch das Ignorieren des rechtmäßigen Wunsches nach einem Telefonat mit seiner Anwältin sei ihr Mandant kurz vor der Auslieferung in eine ausweglose Situation gebracht worden. „Er wusste nicht, was er machen sollte.“ Mit dem Urteil zeigte sie sich zufrieden, werde es aber prüfen. „Viele Punkte aus meinem Plädoyer wurden nicht angesprochen und müssen berücksichtigt werden“, sagte Jaskolski. Sie rechnet auch damit, dass die Gegenseite Revision einlegt. „Klar ist, das Verfahren wird weitergehen.“

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Mitteldeutschland
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr