Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -4 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Gutachter im Dessauer Mord-Prozess: Angeklagter hat gestörte Sexualiät

Getötete Chinesin Gutachter im Dessauer Mord-Prozess: Angeklagter hat gestörte Sexualiät

Eine Studentin wird brutal vergewaltigt und zu Tode gequält. Im Gerichtssaal schweigt der Angeklagte und wirkt unbeteiligt. Ein Psychiater hat nun eine gestörte Persönlichkeit mit einer gestörten Sexualität ausgemacht.

Der Angeklagte im Prozess wegen Mordes an einer chinesischen Studentin, Sebastian F. sitzt am 23.01.2017 in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) im Gerichtssaal des Landgerichts neben seinem Verteidiger Marco Bennewitz.dpa

Quelle: dpa

Dessau-Roßlau. Gefühlskalt, nach Dominanz strebend, mit Hang zum Sadismus - so hat ein Psychiater den 21-Jährigen beschrieben, der gemeinsam mit seiner Ex-Partnerin eine chinesische Studentin brutal vergewaltigt und getötet haben soll. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es sich um einen außergewöhnlich empathielosen Menschen handelt“, sagte der forensische Psychiater Bernd Langer am Montag im Prozess am Landgericht Dessau-Roßlau. „Schuldgefühle, Scham und Reue waren nicht zu erfassen.“ Langer bescheinigte dem Angeklagten eine Persönlichkeitsstörung - seine Wahrnehmung, sein Denken und Fühlen weiche von dem anderer Menschen ab. Auch die Sexualität des Angeklagten sei gestört.

Fest steht für den Experten aber, dass der 21-Jährige seine Tat voll steuern konnte. Eine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus sei nicht geboten. Auch sei die Persönlichkeit soweit ausgereift, dass er nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden könne. „Ich sehe die Persönlichkeit nicht mehr als unreif, sondern als massiv gestört“, betonte Langer. Der Angeklagte, der in dem Prozess bis auf die Beschimpfung eines Polizeibeamten in Zeugenstand bisher schwieg, verfolgte die Verhandlung am Montag aufmerksam. Er machte sich immer wieder Notizen, saß die meiste Zeit aber mit verschränkten Armen da.

Langer sagte, das Verhalten des Angeklagten sei stets von der momentanen Stimmung abhängig. Den Grund für sein Verhalten suche der 21-Jährige stets bei anderen, er fühle sich ungerecht behandelt. Zudem habe er ein unrealistisch übersteigertes Selbstwertgefühl. Lügen hätten dazu gehört, aber auch Omnipotenz-Fantasien. Die hätten sich auch deutlich gemacht in den Überlegungen, mit mehreren Frauen gleichzeitig Sex zu haben. Oberflächlich sei der Mann charmant, könne aber trickreich blenden. Lügen gehörten immer wieder dazu.

Sadistiche Praktiken

Der 21-Jährige ist gemeinsam mit seiner gleichaltrigen Ex-Lebensgefährtin wegen des brutalen Todes der Chinesin angeklagt. Im Mai vergangenen Jahres sollen sie der 25-jährigen Architekturstudentin einen Notfall vorgetäuscht und sie in eine leerstehende Wohnung gelockt haben. Etwa eine Stunde sollen sie das Opfer dort vergewaltigt und misshandelt haben. Als sie annahmen, die junge Frau habe nicht mehr lang zu leben, ließen sie sie allein - Stunden später brachten sie sie ins Freie, wo sie tot gefunden wurde.

Zum Persönlichkeitsbild der mitangeklagten 21-Jährigen und ehemaligen Lebenspartnerin wird Langer voraussichtlich am 24. und 25. April aussagen. Er deutete schon an, dass sich zwischen dem Paar allmählich ein Dominanz-Abhängigkeits-Verhältnis eingeschlichen habe. Das sei auch im Sexualverhältnis zwischen beiden deutlich geworden, sadistische Praktiken hätten eine Rolle gespielt.

Angeklagter wurde von Mitschüler missbraucht

Der Angeklagte war laut Langer schon sehr früh auffällig geworden. Bereits im Kindergarten biss, kratzte und schlug er demnach andere Kinder. In der Schulzeit habe er ein ausgeprägtes sexuell grenzüberschreitendes Verhalten gezeigt. Er habe Gewalt von einem Partner seiner Mutter erlebt, zudem sei er von der frühen, unerwarteten Trennung beider leiblichen Eltern betroffen gewesen. In der Schule sei der heute Angeklagte von einem älteren Mitschüler missbraucht und dadurch vermutlich traumatisiert worden. Es habe auch den Vorwurf gegeben, dass der Angeklagte als etwa 14-Jähriger ein anderes Kind innerhalb der Familie sexuell missbraucht haben soll, berichtete Langer.

Zudem war er laut Langer hyperaktiv und habe sich nicht konzentrieren können. Zum dissozialen Verhalten hätten Grausamkeiten, Wutausbrüche und Ungehorsam gehört. Als Kind sei er in der Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt worden. Einen Schulabschluss habe der Angeklagte nicht, nach zehn Schuljahren habe er ein Abgangszeugnis der achten Klasse erhalten, zwei Klassen habe er wiederholt. Anschließend habe er Ausbildungsvorbereitungen abgebrochen, er habe sich nicht dauerhaft einfügen können, sei ausfallend geworden. Langer bezog sich bei seinen Aussagen auf Gespräche mit dem Angeklagten sowie ältere Behandlungsunterlagen.

Der Prozess wird am 18. April fortgesetzt.

LVZ

Dessau-Roßlau 51.842828 12.230393
Dessau-Roßlau
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Mitteldeutschland
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr