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Polizeiticker Hundertfacher Notruf-Missbrauch in Sachsen
Region Polizeiticker Hundertfacher Notruf-Missbrauch in Sachsen
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10:40 08.07.2017
Blick in eine Polizei-Einsatzzentrale, hier in Berlin. Immer wieder wird der Notruf missbräuchlich gewählt. Quelle: dpa
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Dresden - 

Blinder Alarm: Rund 800 Mal haben laut Landeskriminalamt Menschen im vergangenen Jahr in Sachsen missbräuchlich den Polizeinotruf 110 gewählt, Feuerwehr oder Rettungsdienste alarmiert. Das sind 2,1 Prozent weniger Missbrauchsfälle als 2015, als mehr als 820 dieser Anrufe erfasst wurden. Fast 550 Fälle wurden aufgeklärt und 528 Verdächtige ermittelt. Mit 840 Missbrauchsfällen hält laut Statistik das Jahr 2012 in der jüngeren Zeit den Spitzenplatz.

Viele Notrufe sind eigentlich keine, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei der Polizei und bei den große Städten. Der Sprecher der Polizeidirektion Leipzig, Uwe Voigt, spricht von etwa 80 Prozent, die nicht als wirkliche Hilferufe in höchster Not einzustufen sind. „Da geht es zum Teil um banale Dinge, um Auskünfte oder Anschriften.“

Aber solche Anrufe blockierten den Polizeinotruf 110, der eigentlich Fällen vorbehalten sei, in denen es um Leib und Leben gehe, etwa schwere Verkehrsunfälle. „Jeder sollte deshalb auf dem Mobiltelefon die Nummer seines heimatlichen Polizeireviers abspeichern“, rät Voigt. Dann könnten die Betreffenden notfalls dort Hilfe erbitten.

“Scherzanrufe“ bei der Leipziger Polizei

Die Beamten der Polizeidirektion Leipzig sind im vergangenen Jahr 124 Mal auf einen Notruf hin mit dem Funkwagen losgefahren und haben dann am angeblichen Unglücksort nichts finden können. Hinzu kamen 32 „Scherzanrufe“, bei denen „Witzbolde“ die Polizei nur aus Spaß anrufen oder auch beleidigen. Da war etwa jener Autofahrer auf der Autobahn, der sich beschwerte, dass Polizeifahrzeuge seine Fahrt behinderten. Wie sich  herausstellte, handelte es sich dabei um eine Kolonne der Bereitschaftspolizei auf dem Weg zu einem Einsatz.

Und da gab es den Fall, in dem jemand meldete, in seiner Wohnung befinde sich ein hilfloser Mensch. Dabei hatte der Mann lediglich den Wohnungsschlüssel vergessen und gehofft, dass ihm die Beamten kostengünstig die Tür öffnen. Alle diese Fälle würden angezeigt und geahndet, heißt es.

Anrufer mit psychischen Problemen

Bei den Rettungsdiensten habe blinder Alarm definitiv zugenommen, heißt es in der Leipziger Stadtverwaltung - auch wenn es dazu keine Statistik gebe. Viele der Verursacher hätten psychische Probleme und seien sich des Missbrauchs gar nicht bewusst, sagt Leipzigs Feuerwehrsprecher Joachim Petrasch. „Sie fordern einen Arzt an, selbst wenn sie sich eventuell nur den großen Zeh gestoßen haben.“ Die Mitarbeiter der Integrierten Rettungsleitstelle versuchten auch in solchen Fällen sensibel zu reagieren.

Bisweilen würden Feuerwehr und Rettungsdienste aber auch irrtümlich alarmiert - nicht in böser Absicht, sondern in gutem Glauben, sagt Petrasch. So könne Wasserdampf am Nachthimmel leicht mit dem Rauch eines Feuers verwechselt werden. Gleiches gelte etwa, wenn bei Bauarbeiten Staub aus dem Fenster eines Hauses aufsteige. „In solchen Fällen sagen wir dem Anrufer dennoch, dass er richtig gehandelt hat.“ Würden wir Vorwürfe machen, riefe er vielleicht nicht mehr an, wenn es tatsächlich irgendwo brennt oder Menschen in Not seien. „Das  wäre fatal“, sagt Petrasch. Bei „echtem Missbrauch“ hingegen werde Anzeige erstattet.

Notruf-Missbrauch in Chemnitz nur selten

Etwa 400 bis 500 Mal im Jahr rücken in Dresden Feuerwehr und Rettungsdienst aus, weil Alarm geschlagen wird, der sich später als „blind“ entpuppt. In weiteren 35 bis 50 Fällen würden die Helfer böswillig oder missbräuchlich alarmiert, heißt es. Die Rettungsleitstelle in Chemnitz hat bessere Erfahrungen: Der Missbrauch des Notrufs aus Mutwillen sei sehr selten, heißt es hier.

Von LVZ

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