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Polizeiticker Mehrere Festnahmen bei Großrazzia der Leipziger Staatsanwaltschaft
Region Polizeiticker Mehrere Festnahmen bei Großrazzia der Leipziger Staatsanwaltschaft
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15:50 13.06.2018
Beamte der Bundespolizei nahmen am Mittwochvormittag in Leipzig einen Verdächtigen fest. Quelle: LVZ
Leipzig

Für Silke Kinne ist es ein Morgen wie jeder andere. Seit den frühen Morgenstunden ist die Mitarbeiterin der Bäckerei Steinecke im Laden, bestückt die Theke, schmiert Brötchen, befüllt den Backofen. Was sich draußen auf der Leipziger Straße abspielt, bekommt sie gegen 7 Uhr erst durch Kunden mit. Plötzlich, so erzählt sie, sei alles voller Polizisten gewesen, mehrere Mannschaftswagen am Straßenrand, bewaffnete Beamte mit Sturmhauben vor Häusern. Dann habe die Polizei eine Drohne die Straße auf und ab fliegen lassen.

Im Visier offenbar mehrere, privat vermietete Häuser, Döner-Imbiss und Bekleidungsgeschäft. Als sich später rumspricht, dass es um Scheinehen und Schleuser geht, bricht sich eine gewisse Erleichterung Bahn. Anwohner und Geschäftsinhaber registrieren wohlwollend, dass „die Polizei Präsenz zeigt“. Zu undurchsichtig sei, was sich in der Nachbarschaft abspiele. Immer wieder gäbe es neue Bewohner, wechseln die Betreiber oder Mitarbeiter.

Augenscheinlich seien es Inder oder Pakistani, die hier vor Ort sind, vor allem junge Männer. Der Kontakt zu ihnen sei sporadisch, mal ein „Hallo“, mal ein „Guten Tag.“ Doch die einheimischen Händler machen sich auch so ihre Gedanken. Der Kundenandrang in den benachbarten Geschäften sei keines falls so, dass er die „dicken Autos vor der Tür oder die Geldbündel in der Hosentasche“ logisch erklären könnte. Das sorgt auch für Frust: „Wir müssen für unser Geld hart arbeiten.“

Am Mittwochmorgen haben Beamte der Bundespolizei mehrere Gebäude in Leipzig, Wurzen und Eilenburg durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt gegen eine Bande, die Scheinehen organisiert haben soll.

Neben Eilenburg ist die Poizei an diesem Mittwoch in weiteren Städten Mitteldeutschlands sowie im Westen des Landes im Einsatz, so auch in Leipzig, Zwenkau, Wurzen, Chemnitz, Stuttgart, Frankfurt/Main und Wuppertal. Insgesamt durchsucht sie 27 Wohn- und Geschäftsräume. Die Beamten gehen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Leipzig gegen eine Bande vor, die im Verdacht steht, Scheinehe vermittelt zu haben. Auf diese Weise seien zahlreiche Inder und Pakistani nach Deutschland eingeschleust wurden. Das Verfahren richtet sich gegen 34 Beschuldigte, sagt Polizeioberrat Markus Pfau, der den Großeinsatz leitet. Er ist Chef der für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständigen Inspektion Kriminalitätsbekämpfung der Bundespolizei.

Ermittelt werde bereits seit Frühjahr 2017, sagt Pfau, wegen des Verdachts des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusen von Ausländern. Von den vier Hauptbeschuldigten konnte die Polizei zwei festnehmen, einer bei der Razzia in Leipzig und einer in Zwenkau. Den vier Indern wird vorgeworfen, indischen und pakistanischen Staatsangehörigen bei der Schließung von Scheinehen geholfen zu haben. Solche Ehen gelten als einer der Wege, unbegrenzt in der EU leben zu können. Geschlossen wurden die Ehen mit Rumäninnen, die sich auf Zypern oder in Dänemark haben trauen lassen. In weiteren Fällen verschaffte die Bande den Indern und Pakistanis gefälschte Urkunden, die die Eheschließung mit EU-Bürgern bestätigten. Auch das habe die Einreise und den Aufenthalt in der EU ermöglicht.

Für die Bande war die Schleusung offenbar ein lukratives Geschäft: Die Preise pro geschleuster Person liegen zwischen 15000 Euro und 22000 Euro. Im Rahmen einer „Rundumversorgung“ wurden die Geschleusten nach der Einreise auch bei Behördengängen begleitet. War alles in trockenen Tüchern, reisten die gekauften Ehefrauen wieder zurück in ihr Heimatland.

Die bei der Razzia aufgesuchten Geschäftsführer etwa von Restaurants oder Schnell-Imbissen stehen im Verdacht, gegen Geld gefälschte Arbeitsverträge ausgestellt zu haben. Untersucht wurden auch Wohnräume, die die auf dem Papier aufgeführten Eheleuten als gemeinsame Wohnung angegeben haben. „Wir haben umfangreiches Beweismaterial bei den Durchsuchungen sicherstellen können“, so Polizeioberrat Pfau. Darunter Ausweise, Datenträger und Urkunden. Pfau und seine Kollegen erwarten mit Fortgang der Ermittlungen, dass sie auf weitere Verdachtsfälle stoßen.

Von Andreas Dunte

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